Hintergrundbild
 
Stadtgeschichte
Die Salzburger Märkte

Vom Wochenmarkt am Platzl zum Schrannenmarkt

Bild vergrößernSchrannenmarkt um 1906; Quelle: Stadtarchiv Salzburg

Schrannenmarkt um 1906; Quelle: Stadtarchiv Salzburg

Auch die Rechtsstadt, zunächst nur ein kleiner Brückenkopf, der sich dann entlang der Linzergasse erweiterte, verfügte bereits in der Mitte des 14. Jahrhunderts über einen zusätzlichen, eigenen Marktplatz. Dieser Wochenmarkt „enhalb der Bruggen“, wie er hieß, war um den Brunnen vor der alten Andräkirche im Bereich des heutigen Platzl situiert, also nicht direkt an der Brücke, die ja flussaufwärts im Bereich von „Das Kino“ einmündete. Die Marktfahne und der Meßstein dieses Marktplatzes befanden sich beim Haus Platzl 2–4. Noch 1862 existierte hier ein kleiner Grün- und Obstmarkt.

Auch am Platzl beseitigte man bauliche Engstellen, brach 1861 die alte Andräkirche ab und verlegte den Markt. 1864 wurde vom Gemeinderat die Errichtung eines eigenen, dem Hauptmarkt gleichberechtigten Viktualien- und Grünmarkts am Hannibalplatz, dem späteren Makartplatz, beschlossen, der jedoch nicht ins Leben trat. Zwanzig Jahre später, 1884, wurde daher der Beschluss eines täglichen Grünzeug- und Fleischmarktes am Makartplatz – zwischen dem dortigen Holzmarkt und der Theatergasse – erneuert.

Dieser Wochenmarkt wurde schließlich auf das Platzdreieck in der Franz-Josef-Straße verlegt, wo zeitweilig auch die Dult stattgefunden hatte. Am 4. Mai 1901 eröffnete der Neue Grünmarkt (Grünmarkt II). Zunächst stellte man alte Dulthütten auf und errichtete dann fixe Verkaufshütten für fünf Branchen, einen Selcher, einen Fleischhauer, eine Südfrüchtehandlung, eine Wild- und Geflügelhandlung sowie die Fischhandlung Wienerroither.

Der mit 1714 datierte Marktbrunnen fehlte noch bei der Eröffnung und kam als schlichter Nutzbrunnen später hinzu. Die Markthütten des Neuen Grünmarkts wurden im November 1944 durch einen Bombentreffer zerstört, der Wiederaufbau als geschlossene Marktanlage war bis zum November 1946 fertig gestellt. Die kleinen grünen Markthütten von damals, die ein altes Foto zeigt, stehen noch heute.

Im ausgehenden 19. Jahrhundert bürgerte sich ohne behördliche Genehmigung ein Detailverkauf von Lebensmitteln vor der städtischen Schranne neben der Andräkirche ein. Der Begriff Schranne begegnet hier in seiner dritten Verwendung, als Speicher für Getreide, also Lagerhalle zur Vorratshaltung. Bereits 1696 war eine städtische Getreideschranne gegenüber dem Schloss Mirabell an der Ecke Schrannengasse zur Einlagerung von Getreide erbaut worden, um in Krisenzeiten die Versorgung der Bevölkerung mit billigem Brot sicherzustellen. Diese städtische Schranne fiel dem großen Stadtbrand von 1818 zum Opfer. Eine zweite, deutlich größere „landschaftliche“ Getreideschranne stand ab 1788 an der nach ihr benannten Schrannengasse. Das Magazin wurde 1873 von der Stadt erworben und neben ihr wurde schließlich 1891 bis 1899 die St.-Andrä-Kirche nach Plänen von Architekt Josef Wessicken erbaut.

Bereits im 19. Jahrhundert gab es hier außer dem Getreidehandel Spezialmärkte für Holz, Heu und Stroh und daneben bürgerte es sich ein, dass die anliefernden Produzenten Lebensmittel im Detailverkauf anboten, insbesondere Eier, Butter, Schmalz und Gefügel. Diese marktähnlichen Verkäufe waren für die Versorgung der Bevölkerung von großer Wichtigkeit, wurden aber im Jänner 1906 von der Landesregierung untersagt. Der Gemeinderat regte daraufhin eine Ergänzung der Marktordnung an. Erst im Juni 1906 wies die neue Marktordnung den Platz vor der Schranne offiziell als Wochenmarktplatz (nur an Donnerstagen) für Landesprodukte aus.

Die Anfänge des Marktes waren äußerst bescheiden. Erst in den 20iger Jahren florierte die Direktvermarktung bäuerlicher Produkte aus der Umgebung und den 30iger Jahren waren Grünbauern mit Gemüse, Obst und Kartoffeln und Viktualienhändler am Markt vertreten. Im Zweiten Weltkrieg kam der Schrannenmarkt zum Erliegen und das Schrannengebäude wurde 1944 durch Fliegerbomben schwer beschädigt und nach dem Krieg abgetragen. Der Schrannenmarkt wurde nach dem Krieg zunächst in der Franz-Josef-Straße und beim Neuen Grünmarkt neu belebt. Erst im Juli 1955 kehrte die Schranne wieder auf den Platz um die Andräkirche zurück.

1960 wurde ein Marktbrunnen mit der Brunnenfigur die „Marktfrau“ des Salzburger Bildhauers Herbert Trapp als Nutzbrunnen errichtet, bei dem sich die Marktfrauen ihre Kübel mit Wasser füllen konnten. Anlässlich des Mirabellgaragenbaues 1974 musste der Schrannenmarkt wieder zeitweilig auf die umliegenden Straßen ausweichen. Das so genannte „Schrannenweiberl“ übersiedelte nach hinten an die Hubert-Sattler-Gasse. Nach längeren Diskussionen über den Standort kehrte der Markt auf Wunsch der Bevölkerung mit 7. Oktober 1976 wieder auf den angestammten Platz um die Andräkirche zurück.

Der Salzburger Schrannenmarkt ist auch heute ein reiner Straßenmarkt, das heißt, dass die Marktstände täglich an den Markttagen in den Morgenstunden auf und zu Marktende wieder abgebaut werden. Bis heute herrscht jeden Donnerstag – bzw. wenn dieser Feiertag ist, mittwochs – ab 4 Uhr Früh auf dem Mirabellplatz Hochbetrieb. Verkauft wird von 5 bis 13 Uhr. An guten Markttagen besuchen ca. 9000 Menschen die Schranne. In der Hauptsaison bieten 190 Marktstände vor allem Lebensmittel mit dem Schwerpunkt Obst und Gemüse sowie gärtnerische Produkte an. Dominiert wird der Markt von den rund 45 Obst- und Gemüseständen, es folgen rund 40 Landparteien, doch die Zahl der Marktfrauen, die Kisten aufstellen und Ware mit dem Rucksack bringen, wird immer weniger. Im Gegensatz zum Grünmarkt auf dem Universitätsplatz ist die Nachfrage nach Standplätzen für die Schranne größer als die verfügbare Fläche und daher muss derzeit ein Vorgemerkter bis zu zehn Jahre auf eine Zuteilung warten.

Auf dem Schrannenmarkt sind relativ viele Familien von landwirtschaftlichen Produzenten, hauptsächlich Gemüsebauern aus Wals-Siezenheim, aber Obst- und Gemüsehändler reisen auch aus dem weiteren Umkreis Salzburgs und dem benachbarten Oberösterreich vom Innviertel bis Linz sowie der Steiermark und Niederösterreich an. Ein Teil der Marktbeschicker fährt bereits in zweiter oder dritter Generation und einige so bereits seit mehr als 40 Jahren oder länger auf den Schrannenmarkt. Dieser zählt heute neben den großen Wiener Märkten zu den größten und bekanntesten Märkten Österreichs.

Noch Fragen?

Stand: 7.2.2014, Hans-Peter Miller