Stadt Salzburg bestellt Integrationsbeauftragte
Erster Arbeitsschwerpunkt Sprachkompetenz: Bedarf erheben und Schulungskonzept erarbeitenMo, 4. September 2006
„Integration ist für mich Verständigung und Dialog zwischen gebürtigen ÖsterreicherInnen und Zuwanderern – und beides hat im Wortsinn mit Sprache und miteinander reden können zu tun. Hier wird die neue Integrationsbeauftragte von Anfang an ihre Haupttätigkeit entwickeln“, kündigt Bürgermeister Heinz Schaden anlässlich der Vorstellung der Salzburger Integrationsbeauftragten Anja Hagenauer an. Sprachkompetenz ist unbestrittenermaßen der Schlüssel zur erfolgreichen Eingliederung von Zuwanderern und hilft die Entwicklung von Parallelgesellschaften verhindern. Ziel ist es, in den nächsten Monaten genau auszuloten, wie es um die Sprachkompetenz der MigrantInnen tatsächlich bestellt ist und darauf aufbauend gemeinsam mit den Bildungseinrichtungen in der Stadt Salzburg ein Kurskonzept zu schnüren. „Ich möchte sicher stellen, dass Integration und Miteinander nicht an der Sprache scheitern. Dazu zählt auch, die Betroffenen intensiv zu ermuntern, die Angebote zum Spracherwerb auch tatsächlich zu nutzen“, kündigt Schaden an.
Die Bestellung der Integrations-Beauftragten ist die erste Maßnahme, die aus dem Zielkatalog des Salzburger Integrationsleitbilds umgesetzt wird. Anja Hagenauer ist seit vielen Jahren intensiv mit dem Thema Integration befasst (siehe auch Lebenslauf), sie ging aus einem Hearing als klar best qualifizierte Bewerberin hervor.
Neben dem schon beschriebenen Fokus auf Vermittlung der Sprachkenntnisse für Migrantinnen wird Anja Hagenauer in den nächsten Monaten die Strukturen für ihr Tätigkeitsfeld errichten und bestehende Angebote und Initiativen vernetzen. Die wesentlichen Zielgruppen werden zunächst Kinder, Jugendliche und Frauen sein. „Ich will das Bild, wonach MigrantInnen als „Problem“ (in der Arbeitswelt, im Sozialen, im Schulwesen, am Wohnungsmarkt…) wahrgenommen werden, korrigieren,“ nimmt sich Anja Hagenauer als ein Ziel ihrer Arbeit vor.
Integrationsprojekte müssen für alle einen erkennbaren Nutzen haben. Auch im Hinblick darauf sollen vorhandene Projekte – sowohl innerhalb des Magistrats als auch aus dem NGO-Bereich – evaluiert werden. Und schließlich gilt es durch einen Vernetzung mit ähnlichen Einrichtungen in anderen Städten und /oder bei anderen Gebietskörperschaften Erfahrungen auszutauschen und gemeinsame Projekte mit mehr „Power“ umzusetzen.
Mit Stichtag 1.1.2006 hatte die Stadt Salzburg 149.997 EinwohnerInnen, davon 119.126 mit österreichischer Staatsbürgerschaft und 30.871 mit anderer Nationalität. Damit haben 21 Prozent der Personen mit Hauptwohnsitz in der Stadt Salzburg eine ausländische Staatsbürgerschaft. Statistisch genauere Zahlen liefert die Volkszählung von 2001. Damals lebten in Salzburg 142.662 Personen, 26.749 oder 19 Prozent davon MigrantInnen.
Die unter den MigrantInnen zahlenmäßig stärkste Bevölkerungsgruppe ist jene aus der Bundesrepublik Jugoslawien (6.309), gefolgt von Personen aus Bosnien – Herzegowina (5.545) und Türkei 3.184.
Der Bildungsgrad ist ein wichtiger Indikator für die Integrationschancen, vor allem am Arbeitsmarkt. Ungefähr zwei Drittel der MigrantInnen können als höchsten Bildungsabschluss nur auf die Pflichtschule verweisen. Im Vergleich dazu betrifft dies ca. ein Drittel (31,19%) der InländerInnen. Hingegen verfügen 10,40 % der ÖsterreicherInnen, aber nur 4,21% der MigrantInnen über einen Hochschulabschluss.
39 Prozent der Salzburger Kindergartenkinder spricht eine andere Muttersprache als Deutsch. Über das Stadtgebiet betrachtet zeigt sich, dass hinsichtlich der Stadtteile große Diskrepanzen bestehen. Während in manchen Kindergärten über 60 - 70 Prozent der Kinder eine andere Muttersprache sprechen, sind es in anderen nur 3 Prozent. Beinahe jedes dritte Kind an Salzburgs Pflichtschulen ist mit einer anderen Muttersprache als Deutsch aufgewachsen. Für etwa 33 Prozent der VolksschülerInnen und 22 Prozent der HauptschülerInnen ist Deutsch eine Zweitsprache. Wie bei den Kindergärten ergibt sich eine ungleiche „Verteilung“ der Kinder mit Migrationshintergrund auf die Schulsprengel, wobei dies besonders bei den Volksschulen spürbar wird. Volksschulen mit besonders hohem Anteil an Kindern mit nicht-deutscher Muttersprache von 50-66% stehen Schulen mit 6-12% gegenüber.
Aktivitäten der Stadt Salzburg im Bereich Integration
Anhand dieser Zahlen und Entwicklungen wird deutlich, dass eine konstruktive Integrationspolitik in Salzburg notwendig ist. In der Vergangenheit wurden bereits Maßnahmen gesetzt, die an den Hauptfeldern kommunaler Politik anknüpften.
Kindergärten:
In Kindergärten setzt das Angebot an Sprachförderung für VorschülerInnen ein. In einem Kindergarten mit besonders hohem Anteil an Kindern nicht-deutscher Muttersprache wurde im Herbst 2004 mit Hilfe von EU-Mitteln ein Modellprojekt gestartet und aufgrund der sehr positiven Erfahrungen dauerhaft weitergeführt: Eine Kindergärtnerin aus dem ehemaligen Jugoslawien wurde in die Betreuung integriert und unterstützt serbokroatisch sprechende Kindern in den ersten Monaten. Deutsch wird sukzessive erlernt. Die Ergebnisse zeigen, dass die Fortschritte in der deutschen Sprache deutlich besser ausfallen als ohne diese Förderung. Gleichzeitig ist es gelungen, die unterschiedlichen Kulturen durch gemeinsame Feste, Elternabende, Projekte etc. im Jahreskreis sichtbar und erlebbar zu machen. Die Kinder erwerben somit früh erste Grundlangen von multikultureller Kompetenz.
Schule:
In der Stadt Salzburg wurde eine eigene Beratungsstelle für Integrationsfragen eingerichtet. Zielgruppe sind sowohl die Eltern (diese können Beratung und Information in Anspruch nehmen) als auch die Kinder und Schulen.
Im Unterricht werden die Kinder gemeinsam unterrichtet, zusätzlich wird Deutschunterricht und Muttersprachenunterricht angeboten (letzterer wird von LehrerInnen aus den jeweiligen Herkunftsländern abgehalten). An einer Schule mit besonders hohem Migrantenanteil wurde ein Unterrichtsversuch zum Thema „Interkulturelles Lernen“ gestartet, der so erfolgreich war, dass diese Schule mittlerweile zu einer Schwerpunktschule avanciert ist.
Im Hinblick auf die weiterführende Bevölkerungsentwicklung ist absehbar, dass Ausgaben für sprachliche Förderung, Ausbildungsmöglichkeiten, Information und Austausch zwischen den Bevölkerungsgruppen steigen werden. Eine verstärkte Beteiligung der Gebietskörperschaften Bund und Länder (z.B. Mitfinanzierung der Sprachbetreuung in Kindergärten und Horten) oder neue Organisationsformen (z.B. Herauslösung des Deutsch- und Muttersprachenunterricht an Pflichtschulen aus den regulären Stundenkontingenten (Sonderstunden), Schulabschluss-Projekte für jugendliche MigrantInnen etc.) sind unumgänglich, stellt Schaden abschließend klar.
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