ARCHIV
Projektvorstellung

Projekt im Haus der Stadtgeschichte: „Die Stadt Salzburg im Nationalsozialismus“

12.3.1938 "Anschluß" dt. Truppen a.d. Staatsbrücke; Quelle: Stadtarchiv, Franz Krieger

12.3.1938 "Anschluß" dt. Truppen a.d. Staatsbrücke; Quelle: Stadtarchiv, Franz Krieger

Das „Haus der Stadtgeschichte“ startet ein inhaltlich breit aufgestelltes und auf mehrere Jahre angelegtes Projekt zur Aufarbeitung der NS-Ära in der Stadt Salzburg. 

Zur Thematik des Nationalsozialismus gibt es zwar etliche Einzelstudien, Arbeiten zu einzelnen Aspekten und Teilbereichen und auch zusammenfassende Überblicksdarstellungen. Eine fundierte Gesamtbetrachtung der Stadt Salzburg im Nationalsozialismus fehlt allerdings.
„Ich habe daher unser städtisches Archiv im Haus der Stadtgeschichte beauftragt, diesen Teil unserer Geschichte in einem Arbeitsschwerpunkt der nächsten Jahre wirklich umfassend aufzuarbeiten“, stellt Bürgermeister Heinz Schaden das Projekt „Die Stadt Salzburg im Nationalsozialismus“ vor.

Für eine umfassende Dokumentation ist auch eine Verlängerung der Zeitachse über die Eckdaten 1938 und 1945 sowohl nach rückwärts als auch nach vorwärts notwendig. So ist etwa nicht nur die Frühgeschichte des Nationalsozialismus von Interesse, sondern auch die Vorgeschichte der hohen Akzeptanz des Nationalsozialismus. Desgleichen ist auch eine kritische Auseinandersetzung mit dem Umgang des Nationalsozialismus und dem Nachwirken jenes Gedankenguts, das ein derart menschenverachtendes Regime ermöglichte, und seiner Exponenten nach 1945 unerlässlich. 

Das Stadtarchiv Salzburg übernimmt für dieses Projekt die Federführung und widmet sich insbesondere der entsprechenden Sichtung und Aufbereitung der in Frage kommenden archivalischen Quellen.
Das Projekt wird auf mehrere Jahre angelegt, wobei Ergebnisse jeweils zwischenzeitlich präsentiert und auch publiziert werden sollen. Nach der internen und öffentlichen Vorstellung sollen ab 2009 jährliche Vortragsreihen im „Haus der Stadtgeschichte“ zu ausgewählten Themenschwerpunkten stattfinden, die jeweils im Folgejahr veröffentlicht werden sollen.

Themenschwerpunkte
- Vorgeschichte nationalsozialistischer Ideologien
- „Anschluss“ und Machtübernahme
- „Braune Netzwerke“ und „nationalsozialistische Stadtverwaltung“
- Die NSDAP und ihre Gliederungen
- Die Wehrmacht in der Stadt Salzburg
- Verfolgung und Terror
- Stadtplanung und Architektur („Neugestaltungsstadt“, Wohnbauboom, Eingemeindungen etc.)
- Wirtschaft und Tourismus (Zwangsarbeiter, etc.)
- Kulturpolitik (Salzburger Festspiele, „Institut Ahnenerbe“, Mozarteum, Haus der Natur, Museum CA)
- Schule und Bildung
- Kommunale Sozialpolitik und Gesundheitspolitik (Deutsches Fürsorgerecht, Winterhilfswerk, Rassenhygiene, Euthanasie etc.)
- Alltag im Nationalsozialismus
- Frauenbilder und -realitäten, Männerbilder und -realitäten
- Kirche und Nationalsozialismus
- Jüdische Bevölkerung (Arisierung, Zwangsauswanderung, physische Vernichtung)
- Festkultur und Sport (Propaganda, Volkstumspflege, Sportveranstaltung, Alpinismus etc.)
- Entnazifizierung

Weitere Informationen

Stand: 2.1.2012, Hans-Peter Miller