Mahnmal für Opfer des Faschismus wird übergeben
Festakt am Nationalfeiertag, 26. Oktober 02
"Die
Kulturstadt Salzburg hat sich viel zu lange den Luxus geleistet, sich nicht mit
der eigenen Geschichte auseinanderzusetzen." Mit diesen Worten setzte Bürgermeister
Dr. Heinz Schaden im April dieses Jahres anlässlich der Präsentation des
Siegerprojektes für das Antifaschismus-Mahnmal ein klares politisches
Statement.
Festakt zur Übergabe
Am
Nationalfeiertag, Samstag, 26. Oktober 2002, 11 Uhr, wird nun das Antifaschismus-Mahnmal
des Wiener Künstlers Heimo Zobernig vor dem Bahnhof im Rahmen eines Festaktes
an die Stadt Salzburg übergeben. An der Feierstunde nehmen neben Bürgermeister
Dr. Heinz Schaden Zeitzeugen und VertreterInnen von Organisationen teil, die
sich in verschiedener Form gegen Faschismus und Nationalsozialismus engagieren.
Prof. Dr.
Heinz Strotzka vom Antifaschistischen Personenkomitee übernimmt die Begrüßung.
Die couragierte Halleiner Widerstandskämpferin Agnes Primocic (KZ Verband),
Eduard Goldmann vom Bund der sozialdemokratischen Freiheitskämpfer sowie Hofrat
Marko Feingold, Präsident der Israelitischen Kultusgemeinde Salzburg und
Vertreter des KZ-Verbandes Buchenwald, werden in ihren Grußadressen an die Zeit
des nationalsozialistischen Unrechtssystems in Salzburg erinnern. Der
Historiker Univ. Prof. Dr. Hanns Haas (Antifaschistisches Personenkomitee)
spricht zum Thema "Gedenken in Salzburg".
Die Geschichte des Mahnmals
Bereits
unmittelbar nach Kriegsende stellte die SP-Fraktion im Gemeinderat einen Antrag
auf Errichtung eines "Befreiungsdenkmals", jedoch konnte dafür keine Mehrheit
gefunden werden. 1986 wurde die Errichtung eines "Mahnmals für die Opfer des
Faschismus" Bestandteil der Ausschreibung für die Neugestaltung des Bahnhofsvorplatzes,
zwei Jahre danach - im "Bedenkjahr" 1988 - bekräftigte die Stadt diese Absicht,
der Senat verankerte sie wenig später in einem Beschluss.
Am 15.
Dezember 1999 schließlich fasste der Gemeinderat der Stadt Salzburg den Grundsatzbeschluss
zur Errichtung eines Mahnmals für die Opfer von Faschismus und
Nationalsozialismus auf dem Salzburger Bahnhofsvorplatz - mit Mehrheit per
Dirimierung durch den Bürgermeister.
Im
Ausschreibungstext zum internationalen Wettbewerb werden Wille und Intention
für das lange und oft kontroversiell diskutierte Mahnmal deklariert:
"Die Stadt Salzburg bekennt und
betrauert, dass auch hier Verbrechen des Nationalsozialismus geschehen sind und
BürgerInnen dieser Stadt sich daran
mitschuldig gemacht haben. ( ) Die Erinnerung an diese dunklen Jahre ist
zugleich Verpflichtung zu einem "Nie wieder". ( ) Das Andenken der Opfer von
gestern zu ehren heißt sich heute aktiv gegen alle Formen des Faschismus und
für die Wahrung von Menschenwürde und Menschenrechten zu engagieren."
Der Wettbewerb
Zur
Ausführung des Beschlusses bereitete das Kulturamt dann einen internationalen
zweistufigen Wettbewerb vor, der im Sommer 2001 beschlossen und ausgeschrieben
wurde. Im Budget wurden für die Abwicklung des Wettbewerbes, die Errichtung des
Mahnmales und das Künstlerhonorar insgesamt 181.683 Euro (2,5 Mio öS)
reserviert.
360
Künstlerinnen und Künstler aus 20 Ländern reichten ihre Ideen für ein Denkmal
ein. Am 9. April 2002 traf eine Expertenjury unter Vorsitz von Dr. Barbara
Wally die Entscheidung für das Projekt des international renommierten Wiener
Künstlers Heimo Zobernig.
Das Siegerprojekt
Für seine Einzelskulptur wählte
Zobernig die architektonische Form einer "Hütte" aus Beton, bestehend
aus einer Bodenplatte und einer Deckplatte, die von 3 Pfeilern getragen wird.
Der vierte Pfeiler fehlt und bricht damit die Wahrnehmung der Statik der
Konstruktion. Einen zweiten Bruch stellt ein stilisierter Kopf dar, der
zwischen Deckplatte und einem der drei Pfeiler angebracht ist.
Die skulpturale Qualität des
Projekts schafft in einfacher, gleichzeitig aber dichter Form eine Vielfalt an
Interpretationsmöglichkeiten: Ein Ort zum Warten, Kommunizieren, Durchqueren,
irritierend vor allem aufgrund der Elemente, die im Vergleich zu einer "normalen"
Struktur weggelassen wurden.
Trotz der vordergründig
unauffälligen Konstruktion regt das Objekt damit zum Fragen und zum Nachdenken
an. Aus der Nähe betrachtet, zieht der archetypische Kopf aus patinierter
Bronze den Blick an und lenkt die Augen des Beobachters weiter, hin zur
Unterseite der Deckplatte mit dem eingelassenen Text über die Intention des
Mahnmals.
Die Umsetzung des Projekts erfolgte
unter Leitung des Salzburger Architekten DI Karl Meinhart durch die Firma
Spiluttini/Schwarzach.
Der Standort
Der Standort
des Denkmals im Buchenhain am Bahnhofsvorplatz ist ein historisch vorbelasteter
Ort. Während der national-sozialistischen Herrschaft wurde er zum Schauplatz
von Deportationen. Hier begannen die Transporte der politischen Häftlinge sowie
der aus rassischen oder eugenischen Gründen
verfolgten Menschen in die Gefängnisse und Konzentrationslager.
Gleichzeitig aber erinnert dieser Platz an den Widerstand, den die Salzburger
Eisenbahner während des Naziregimes geleistet haben.
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