Hintergrundbild
Wirtschaft & Umwelt
 
Altstadt & Tourismus
Linzer Gasse

Linzer Gasse - Historie

Bild vergrößernLinzer Gasse auch im Winter belebt; Quelle: honorarfreies Pressebild: Stadtgemeinde Salzburg, J. Killer

Linzer Gasse auch im Winter belebt; Quelle: honorarfreies Pressebild: Stadtgemeinde Salzburg, J. Killer

Die Linzer Gasse ist neben der Getreidegasse und der Steingasse die wohl berühmteste Gasse Salzburgs.
Sie liegt in der Rechten Altstadt und verläuft heute von der Staatsbrücke bzw. dem kleinen Platzl bis zur Franz-Josef-Straße. In fürsterzbischöflicher Zeit bildete sie die wichtigste Hauptverkehrsader nach Linz bzw. Österreich, woraus sich der Name der Gasse ergibt. Früher hieß die anschließende Schallmooser Hauptstraße in Fortsetzung der Linzer Gasse 'Linzer Reichsstraße'“ bzw. 'Straße nach Österreich'. Die hohe Bedeutung als Verkehrsweg wird deutlich, weil in die Linzer Reichsstraße in Nieder-Gnigl die ebenfalls sehr wichtige alte Eisenstraße (heute Grazer Bundesstraße) in die Steiermark einmündet.

Geschichte
Als Hauptverkehrsweg an der Salzach ist die heutige Linzer Gasse aus Grabungen bereits in der Römerzeit bekannt.
Am äußeren Ende der Linzer Gasse ist ein Friedhof aus spätrömischer Zeit bekannt.

Im Mittelalter entwickelte sich die bebaute Gasse erst allmählich vom Brückenkopf der Stadtbrücke (heute Staatsbrücke) nach Osten. Im Frühmittelalter endete die Stadt zuerst mit dem Ostertor westlich des Cornelius-Reitsamer-Platz (vor dem heutigen Haus Linzer Gasse 12). Das kleine Königsgässchen führte dabei direkt an der ältesten Stadtmauer entlang. Diese Stadtmauer aus der Zeit um 1280 wird u.a. im Hof des Hauses Lederergässchen Nr. 1 und 3 sichtbar und wieder als äußerst mächtig ausgeführte Ostwand des Hauses Linzer Gasse 14.
1373 wurde am äußeren Ende der heutigen Linzer Gasse das äußere Linzertor (auch Sebastianstor genannt) errichtet, das dann mehrfach erneuert, erst 1894 abgerissen wurde.

Der östliche Raum der Linzer Gasse wird auch heute noch wesentlich von Turm und Fassade der Sebastianskirche geprägt.

Paracelsus und die Linzer Gasse
Nächst der Linzer Gasse lebte in seinem letzten Lebensjahr von 1540-1541 im Haus Platzl Nr. 3 der Arzt und Wissenschaftler Theophrastus Bombastus von Hohenheim, genannt Paracelsus, welcher 1525 die Stadt Salzburg fluchtartig verlassen musste, um nicht von Matthäus Lang von Wellenburg wegen seiner Sympathie für die aufständischen Bauern belangt zu werden. Paracelsus ist auch auf dem Sebastiansfriedhof bei der Sebastianskirche bestattet.

Die alte Kirche St. Andreas
(heute Haus Linzer Gasse Nr. 1) Diese Kirche wurde am 29. November 1418 als ursprünglich gotische Kirche eingeweiht und 1610 mit Renaissanceelementen bereichert erneuern. Nach dem Einsturz des Kirchturmes im Jahr 1663 ließ sie 1748 Erzbischof Johann Jakob von Kuen-Belasy teilweise abreißen und mit einer prächtigen barocken Schaufassade neu gestalten. Beim großen Stadtbrand des Jahres 1818 wurde die Kirche aber derart stark beschädigt, dass man die danach nur sehr notdürftig wiederhergestellte Kirche 1861 abreißen ließ. Heute schmücken die Fresken des bekannten Künstlers Karl Reisenbichler dieses Haus. Etliche Zeit später wurde dann als Ersatz für die aufgelassene Kirche in der Linzer Gasse am Mirabellplatz die neue und neugotische Andräkirche errichtet und 1898 eingeweiht.

Die Engelapotheke
Das dortige Haus Nr 7 ist erstmals 1512 erwähnt als Haus zunächst an das "chlein Gässl hinder d. S. Andres Kirchen". 1805 wurde in diesem Haus von Georg Hinterhuber eine Apotheke eingerichtet und "zum weißen Engel" benannt, der sich in Salzburg auch als hervorragender Botaniker und Lehrer für Naturgeschichte bekannt wurde. Dessen Sohn Julius gründete 1860 die "Sektion Salzburg des deutschen und österreichischen Alpenvereines". In dieser Apotheke (Haus Nr. 7 mit eingemauertem Engelkopf) war der spätere Dichter Georg Trakl ein knappes Jahr lang als Gehilfe tätig.

Das Gablerbräu
Dieser Gasthof zuerst unmittelbar neben dem Ostertor (also dem Tor nach Osten) an der Haupteinfallstraße in die Stadt gelegen ist urkundlich bereist 1429 als Bräuhaus erwähnt. (Näheres siehe Beitrag Bergstraße)

Die Glockengießerei
Schon 1724 wird in der nahe der Glockengasse hart am Felsen des Kapuzinerberges eine Glockengießerei bekannt. Diese Glockengießerei war dort aber vor allem bei längeren Regenfällen durch Sturzbäche vom Kapuzinerberg arg beeinträchtigt, der Betrieb suchte daher bessere Arbeitsbedingungen. Kurz nach 1900 übersiedelte dann der Gießereibetrieb endlich in das Haus Linzergasse 31 neben dem Bruderhof. Davon waren die neuen Nachbarn und andere Bürger der Gasse aber wenig erfreut, da sie bei einem Unfall einen größeren Brand - oder gar eine stadtweite Katastrophe befürchteten. Von Seiten des Betriebes und von Seiten der besorgten Bürger wurden daraufhin viele Jahre lang unzählige Petitionen geschrieben, bis sich endlich 1919 der Betrieb nicht ganz freiwillig einen neuen Standort in Kasern suchte, wo er bis vor wenigen Jahren weiter arbeitete.

Das St-Sebastians-Bruderhaus und das danebenliegende Badehaus
Das Haus Linzergasse 41 ist das historische Bruderhaus („Bruderhof“), das 1496 gestiftet und in wesentlichen Teilen bis 1532 erbaut worden war. Es diente als Haus für kranke und alte Salzburger, die nicht Bürger dieser Stadt waren und damit nicht im privilegierten Bruderhaus bei der Bürgerspitalkirche aufgenommen werden konnten. Der Bruderhof diente nach 1885 der III. Compagnie der Freiwilligen Feuerwehr Salzburg, die sich zur späteren Feuerwache Bruderhof der Berufsfeuerwehr weiterentwickelte. Teil dieser Feuerwache war auch die Rettungsabteilung der freiwilligen Feuerwehr, die später im Rettungsdienst Rotes Kreuz aufging. Feuerwache und Rettung waren bis vor wenigen Jahrzehnten im Bruderhof untergebracht, bis zuletzt für beide Institutionen zeitgemäßer und verkehrlich besser gelegene Standorte gefunden werden konnten.

Die nächstgelegene Haus Nr. 43/45 war ein mittelalterliches Badehaus, das im Kern aus dem 16. Jahrhundert stammt und heute barockisierende Fensterumrahmungen besitzt.

Dr. Reinhard Medicus

Noch Fragen?

Stand: 2.8.2018, Richilde Haybäck