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Altstadt & Tourismus
Steingasse

Geschichte der Steingasse

Bild vergrößernBlick von der Steingasse auf die Salzach; Quelle: Stadtgemeinde Salzburg

Blick von der Steingasse auf die Salzach; Quelle: Stadtgemeinde Salzburg

Bild vergrößernSteingasse Aufgang Imbergstiege; Quelle: Stadtgemeinde Salzburg

Steingasse Aufgang Imbergstiege; Quelle: Stadtgemeinde Salzburg

Bild vergrößernSteingasse; Quelle: Stadtgemeinde Salzburg

Steingasse; Quelle: Stadtgemeinde Salzburg

Die Steingasse (vor 1888: Innere Steingasse) auf der Neustadtseite verbindet das Platzl nahe der Staatsbrücke auf der Südseite des Kapuzinerbergs, früher Imberg genannt, mit der Arenbergstraße (vor 1888: Äußere Steingasse) in Richtung Süden. Dort befindet sich auch das bekannte Schloss Arenberg (vor 1861: Schloss Bürglstein). Joseph Mohr der Autor des Liedes "Stille Nacht" wurde im Haus Steingasse 31 geboren und wuchs hier auf.

Zum Namen
In germanischen Sprachen bedeutet "stein" Mauer oder harter Fels. Der Fels des Imberges ist tatsächlich wesentlich härter als der Konglomerat des zweiten inneren Stadtberges, des Mönchsberges.
Die Häuser der Steingasse standen und stehen auf diesem Fels, direkt hinter den Häusern führt der Fels des Kapuzinerberges steil aufwärts. Die Häuser waren bis in die jüngste Vergangenheit in der Regel ohne Rückwand direkt am Fels angebaut, nach Starkregenfällen lief das Wasser durch die hinteren Zimmer hinunter zur Steingasse. Die steile und hohe Felskante direkt oberhalb der Häuserflucht war Teil des mittelalterlichen und frühneuzeitlichen Verteidigungsringes der Stadt und wurde zuletzt während der Regentschaft Paris Lodrons skarpiert.

Geschichte
Die Steingasse ist ein uralter Fahrweg, der schon Teil der alten Römerstraße war und führte über Glasa (heute Glas), Albina (Oberalm), Cucculis (Kuchl), über Tauern und Katschberg zur Stadt Teurnia bei Stittal in Oberkärnten und dann nach Aquileja.

Die Steingasse war früher oft durch Salzachhochwässer verschlämmt, so dass sie als Fahrstraße keinen guten Ruf besaß. Viele von Süden kommende Reisende bevorzugten deshalb den Umweg um den Kapuzinerberg, um dann über die Linzergasse in die Stadt zu gelangen.

Die Steingasse und ihre Handwerker
Die Steingasse war in ihrer langen Geschichte vor allem Wohn- und Arbeitsstätte verschiedenster einfacher Handwerker, wobei vor allem die Weißgerber, Hafner und Leinenweber hervorzuheben sind.

Die Weißgerber (früher Ircher)
Die Gerber, Ledererzeuger, konnten in der Stadt wegen des stärkeren Geruches der Lederarbeit und der nebenbei betriebenen Leimerzeugung aus Knochen kaum ihrer Arbeit nachgehen. In der Vorstadt Stein konnten sie in der Frischluftschneise der Salzach arbeiten. Hier war auch genügend Wasser für das Handwerk da. Von dem Lederhandwerk berichtet heute u.a. der Name des nächstgelegen Lederergässchens beim ehemaligen Lederertor. Die salzachseitigen Arkadenbögen und luftigen Dachböden dienten einst als Trockenräume für das fertige Leder. Diese Arkaden sind teilweise erhalten. In den salzachseitigen Häusern Steingasse 22, 26, 32, 38 und 40 lebten einst viele Generationen lang Weißgerber.

Die Hafner
Seit dem Mittelalter waren in der Steingasse auch die Hafner ansässig. Die erste Anhöhe der Steingasse außerhalb des inneren Steintores hieß früher allgemein Hafnerbühel. Bedeutende Hafner in Salzburg waren die Familie Strobl und Thomas Obermiller. Das Haus Steingasse 67, zumindest 300 Jahre lang als Haus der Hafner genutzt, war dabei vor allem Wohn- und Arbeitshaus der Familie Strobl, das Haus Steingasse 28 war das Hofhafnerhaus. Auch die Häuser 63 und 69 waren Hafnerhäuser.

Im 16. Jahrhundert galt Salzburg als Mittelpunkt der Erzeugung kunstvoller Kachelöfen im gesamten römisch-deutschen Reich. Viele alte Model im Stroblhaus wurden später als Baumaterial verwendet und anstelle von Ziegeln wahllos in die Hauswand eingemauert. Ernst Langthaler ist es zu verdanken, dass diese verborgenen kunstvollen Model nach 1960 wieder sorgsam aus dem Mauerwerk herausgelöst werden konnten.

Die Leinenweber (Parchanter)
Auch die Leinenweber hatten vor allem in der Steingasse ihre Arbeits- und Wohnstätten. An diese Zunft erinnern vor allem die Häuser Steingasse 35 (Kahsbacher-Weberhaus), 61 und 65.

Das (Innere) Steintor
Das Tor hieß früher auch Johannestor oder Judentor. (Nach der zweiten Vertreibung siedelten die Juden bis zur dritten Vertreibung im Jahr 1496 überwiegend in nächster Nähe des Tores). Es war dem Heiligen Johannes dem Evangelisten geweiht.

Der Vorläuferbau des heutigen Steintores wurde 1444 durch die Bürgerschaft errichtet und 1470 erneuert, aber bereits im 12. Jahrhundert stand hier ein Torturm. Der Bau Paris Lodrons wurde 1634 von Santino Solari errichtet. Die ursprünglich zum Torturm führende Holzbrücke samt Zugbrückenteil wurde um 1900 durch einen Steinbau ersetzt, wobei der alte Wehrgraben Großteils aufgefüllt wurde.

Das einstige Engelwirtshaus (heute „Das Kino“)
Das Haus Steingasse 14 besteht urkundlich zumindest seit 1469 und ging aus dem einstigen alten Wirts- und Badehaus „Zum goldenen Engel“ hervor, das jahrhundertelang als Gastwirtschaft geführt worden war. Hier befand sich zumindest seit 1316 bis 1598 der Brückenkopf der Stadtbrücke, die dann unter Wolf Dietrich an ihren heutigen Standort verlegt wurde. Gegenüber diesem Haus stand einst der Engelwirtsbrunnen (siehe unten), der so zu einem heutigen Namen kam. Mitte des 20. Jahrhunderts wurde diese Wirtshaus in ein Kino umgewandelt. Zuerst befand sich hier das „Lichtspieltheater Gloria“, das dann „Lifka-Tonkino“ hieß, heute „Filmkulturzentrum Das Kino“.

Das einstige Äußere Steintor
Das Äußere Steintor, Bürglstein-Tor oder „Klause zu Pyrglen“ genannt, wurde von der Bürgerschaft im Jahr 1477 unter Erzbischof Bernhard von Rohr erbaut. Zuvor bestand hier zumindest seit 1419 eine einfache Torhut. Das Äußere Steintor war schon bei mäßigem Hochwasser regelmäßig überschwemmt. Es wurde 1832 wegen Baufälligkeit abgerissen.

Engelwirtsbrunnen
Johann Ernst von Thun ließ 1696 bei der alten St. Andreas Kirche in der Linzergasse einen neuen Brunnen errichten, der dann 1751 zum Engelwirt hin übersiedelte, bis er dort dem Verkehr zunehmend im Wege war und daher 1890 an die heutige Stelle verlegt wurde. Der Brunnen wurde vom Bildhauer Andreas Götzinger geschaffen.

Steingasse heute
Heute finden sich nur noch wenige Geschäfte in dieser Gasse, die breite Imbergstraße hat als Hauptverkehrsader die schmale Steingasse ersetzt. Die Häuser der Gasse werden heute vor allem als Wohnhäuser genutzt. 

Dr. Reinhard Medicus

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Stand: 18.3.2015, Richilde Haybäck