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Wirtschaft & Umwelt
 
Stadtgeschichte
Historie: Salzburger Märkte

Der Waagplatz als erster Marktplatz

Bild vergrößernWaagplatz 1553; Quelle: Erzabtei St. Peter

Waagplatz 1553; Quelle: Erzabtei St. Peter

Der erste städtische Marktplatz wird vor der Porta, dem Haupttor der Bischofsburg, am späteren Waagplatz angenommen, wo die Siedlung von Fernhändlern und Kaufleuten „Keimzelle“ der späteren Bürgerstadt war. Hier wurde wohl auch schon im 10. Jahrhundert, noch vor der kaiserlichen Privilegierung, Markt gehalten und dieser Platz zeigt die öffentlichen Funktionen, die einem Marktplatz damals zukamen. Er diente nicht nur der Versorgung der Stadtbevölkerung mit Lebensmitteln, sondern auch dem Austausch von Neuigkeiten. Hier stand ab dem 14. Jahrhundert ein öffentlicher Brunnen. Auch die Gerichtsverhandlungen wurden öffentlich abgehalten und die Strafen zum Teil gleich vollstreckt. Der Pranger war daher am Marktplatz aufgebaut und diente zur Abschreckung, aber auch Belustigung, der Bevölkerung.

Am heutigen Waagplatz befand sich mit der Michaelskirche die älteste Pfarrkirche der Stadt (bis 1139), daneben das Gerichtshaus oder die Schranne (Waagplatz 3). Hier wurde unter den offenen Lauben zu Gericht gesessen und die Urteile im Malefizgericht, also Todesurteile, gesprochen. Noch im ausgehenden 18. Jahrhundert wurde vom Balkon dieses Gebäudes herab den Delinquenten das Todesurteil verkündet. Der ursprüngliche Name „Schranne“ leitet sich vom italienischen Wort für Gerichtsbank ab. Im diesem Haus soll sich – wie noch Lorenz Hübner berichtet – in ältesten Zeiten auch das Rathaus befunden haben, wofür auch spricht, dass sich der Stadtrat aus den Gerichtsbesitzern entwickelt hat. Nach Übersiedlung des Gerichts in das gegenüberliegende Haus Waagplatz 1 blieb die Schranne Stadthaus, bis 1407 der Keutzlturm angekauft und zum Ratshaus ausgebaut wurde. 1430 erhielten dann die 20 Stadtbäcker in der Schranne ihre Verkaufsstätten, der Begriff Schranne als Gerichtsbank geriet in Vergessenheit und wurde nun als Brotschranne auf die Brottische der Bäcker bezogen.

Zweiter Standort des Stadtgerichts wurde zunächst das gegenüberliegende Haus am nördlichen Ende des Platzes, Waagplatz 3 (Ankerhaus), das – wie wir durch Untersuchungen von Wilfried Schaber wissen – um 1237 erbaut wurde. Dieser Neubau bedeutete eine Verkleinerung des Marktplatzes und war bereits 1323 Gerichtshaus, als im Nebengebäude (Waagplatz 2) für einige Jahre das erste Bürgerspital eingerichtet wurde (bis 1327). Vor dem nunmehrigen Gerichts- haus stand auch der städtische Pranger.

Nach Übersiedlung des Gerichts in das neue Rathaus beherbergte das Objekt Waagplaz 3 die Stadtwaage, das städtische Zeughaus mit Waffen und Geschützen und auch die Trinkstube, also ein Gasthaus. Allgemein hieß es nun Waaghaus. Nach dem Brand des Jahres 1635 kam der Pranger auf den Gries und die Stadtwaage in das gegenüberliegende ehemalige Schrannengebäude und das Haus wurde nun zur Stadttrinkstube, zum vornehmsten Absteigequartier in der Stadt, umgebaut.

Die ab dem Jahr 1498 am Waagplatz situierte Stadtwaage gab dem Platz, der durch Jahrhunderte als Brotmarkt genutzt und daher auch „Brotmarkt“ hieß, seinen Namen. Aus dem „Platz zur Hauptwaage“ wurde unser Waagplatz.

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Stand: 7.2.2014, Hans-Peter Miller