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Stadtgeschichte
Historie: Salzburger Märkte

Die beiden Salzburger Jahrmärkte

Bild vergrößernJahrmarktsprivileg Kaiser Friedrich III.; Quelle: Stadtarchiv Salzburg

Jahrmarktsprivileg Kaiser Friedrich III.; Quelle: Stadtarchiv Salzburg

Neben dem Wochenmarkt gab es in Salzburg zwei traditionelle Jahrmärkte, bei der auswärtige Händler neben einheimischen Gewerbetreibenden die Möglichkeit hatten, ihre Waren anzubieten. Für die Stadtbevölkerung bot sich anläßlich der Jahrmärkte die Möglichkeit des günstigen Einkaufes von Importwaren.

Für uns haben Jahrmärkte in dieser Hinsicht an Reiz verloren, aber früher war die Dult ein Ereignis, auf das man das ganze Jahr wartete. Es kamen Kaufleute mit auswärtigen Waren, die man sonst nicht erhielt. Man konnte anonym einkaufen, ohne Kontrolle der Nachbarn und ohne Beschuldigung der „Putzsucht“, also von übermäßigem Kleiderluxus. Man hatte mit den Dulthütten und Ständen offene Läden, denn „Auslagen“ im modernen Sinn gab es damals bei den städtischen Kaufleuten noch nicht. Die Dult bildete auch im Hinblick auf Neues, auf die Mode, die Brücke von der Abgeschlossenheit der damals mittleren Kleinstadt Salzburg zur großen Welt. Es kamen Vertreter auswärtiger Buchhandlungen und es wurden Neuerscheinungen der Literatur, Flugschriften und Zeitungen verkauft.

Der Herbstmarkt (Dult) ging aus dem Fest des Hl. Rupert am 24. September hervor und ist erstmals 1331 bezeugt. Diese „tult“ wird gemeinsam mit dem Jahrmarkt zur Fastenzeit, dem Fastenmarkt „in der charrein“, im Stadtrecht des 14. Jahrhunderts genannt, das besagte: Kein fremder Kramer (Kaufmann) darf hier einen Stand haben, außer an einem Markttag pro Woche sowie auf der Dult (Jahrmarkt zu Ruperti) und auf der Chärrrein (Jahrmarkt in der Fastenzeit).

Die Dult steht in der Tradition des Kirchweihfestes, also der Domweihe, und damit des Festes des Hl. Rupert am 24. September. Tult bedeutete schon im Althochdeutschen „Fest“, also Fest eines Heiligen. Während eines solchen Festes wurden in den gefreiten Bezirken der Kirchen Verkaufstände aufgebaut und Waren feilgeboten. Im Laufe der Zeit veränderte das Wort langsam seine Bedeutung und wurde in Bayern für „Jahrmarkt“ bzw. „Volksfest“ verwendet.

Die jährliche Dult resultiert also aus der Domweihe zu Ehren des Hl. Rupert und leitet sich nicht vom kaiserlichen Marktrecht von 996 ab, das ja einen täglichen Markt verlieh. Die Jahrmärkte hatten sich gewohnheitsrechtlich eingebürgert und so auch – ohne Bestätigung des erzbischöflichen Stadtherrn – Eingang in das Stadtrecht gefunden.  Im Zuge der langwierigen Auseinandersetzungen der Bürger mit dem Erzbischof, von dem man sich zeitweilig weitgehend emanzipieren konnte, erwirkten die Stadtväter bei Kaiser Friedrich III. in den Jahren 1481 und 1482 auch zwei kaiserliche Jahrmarktsprivilegien. Man hat damit die gewohnheitsrechtlich abgehaltenen Märkte quasi rechtlich „saniert“.

Der Kaiser gestattete den Bürgern die Abhaltung eines Jahrmarktes in der Fastenzeit und auch eines Vinzenzimarktes, beide sollten jeweils 8 Tage vor und nach dem Festtag stattfinden. 1490 bestätigte der Erzbischof alle städtischen Privilegien und 1690 auch ausdrücklich die beiden Jahrmärkte. Nach einer Aufhebung aller Marktprivilegien durch Österreich verlieh Kaiser Franz I. Salzburg 1835 erneut zwei jeweils vierzehntägige Jahrmärkte am Faschingsmontag und am 21. September.

Die Jahrmärkte fanden im Spätmittelalter um den Dombezirk statt, also außerhalb der Mauern des Domfriedhofes am Aschhof, am späteren Kapitelplatz, auf den Fron- oder Frauenhof, vor dem Domkirche und neben dem Bischofshof und am Rinderholz und auch am Marktplatz.

Am Beginn des Jahrmarktes stand die Verlesung der Marktfreiung durch den Stadtschreiber bzw. einen Berittenen an neun verschiedenen Stellen der Stadt. Die große Domglocke läutete am Vorabend des Rupertustages bzw. am Faschingsamstag von 4 bis 5 Uhr nachmittags die Dult ein, ein uralter Brauch, der die enge Verbindung von Kirche und Jahrmarkt andeutet. Das Freiungsläuten war das Zeichen, dass der freie Zuzug von Marktbeschickern begonnen hatte und der freie Handel gestattet war. Dieser endete nach 14 Tagen mit dem Ausläuten.

Nach den baulichen Veränderungen unter Wolf Dietrich und der Schaffung großer Plätze wurden der Residenzplatz, der Michaelsplatz (Mozartplatz), der Kapitelplatz, der Domplatz und der Marktplatz sowie zeitweilig der Universitätsplatz in das Jahrmarktstreiben eingebunden. Hier standen Dulthütten, die von der Hofbaumeisterei bzw. dem Stadtbauamt aufgestellt wurden. Die schon im 16. Jahrhundert belegten Standgelder flossen je nach dem Eigentümer an den Erzbischof bzw. die Stadt. Unter den Dombögen verkauften Händler Rahmen und Bilder und Krämer schlugen an verschiedenen Plätzen, in Gassen und vor Häusern ihre eigenen Stände auf. Ein Teil der auswärtigen Händler verkaufte in den Gewölben der heimischen Kaufleute, die während der Dult ihre Geschäfte einstellten und durch die Mieten ansehnlich verdienten. Andere einheimische Gewerbeleute waren aber selbst auf der Dult vertreten.

Über die Dultfahrer, die anwesenden auswärtigen Händler, die nach dem italienischen Wort für Jahrmarkt (fiera) auch „Fieranten“ genannt wurden, gibt es nur bruchstückhafte Aufzeichnungen. Von 1561 wissen wir, dass Händler aus Savoyen, Mailand, Passau, Augsburg, Landshut, aus Ried im Innviertel und Ischl, aber auch aus Hall und Schwaz in Tirol, anwesend waren. Noch im frühen 19. Jahrhundert verglich man die beiden Jahrmärkte mit bedeutenden Messen, bei denen Kaufleute des Inlandes, aus Österreich, Italien und der Schweiz vertreten waren. Nun wurden auch Waren mittels ausgetragener Dultannoncen beworben oder Anzeigen in der „Salzburger Zeitung“ abgedruckt.

Jahrmärkte zogen auch vagierende Studenten, marktschreierische Wundärzte und Quacksalber, Zahnbrecher und Theriakhändler sowie Wurzel- und Kräuterkrämer an. Aber auch echte Spezialisten wie Okkulisten, also die Augenärzte der damaligen Zeit, und auch Bruch- und Steinschneider nutzten das Umfeld der Märkte für ihre Geschäfte. Hinzu kam der Volksfestcharakter mit Schaubuden, Karussels und „fahrenden Leuten“. Seiltänzer, Gaukler und Taschenspieler waren vertreten und schon in den 1770iger Jahren gab es Marionetten- und Schattenspieler, sowie zahlreiche Artisten, Riesen und Zwerge sowie andere „merkwürdige Menschen“. Auch Menagerien bildeten stets große Anziehungspunkte für Dultbesucher. In den letzten Jahren der Dult um den Dom waren die größeren Schaubuden, Karussells und Menagerien am Kapitelplatz und zum Teil auch am Mozartplatz aufgestellt.

1856 wurde der Jahrmarkt auf den Mirabellplatz verlegt und fand zwischen der Borromäumskirche und dem Schloss Mirabell statt. Grund der Verlegung war die Störung des Verkehrs, insbesondere am Marktplatz, wo ja noch der Grünmarkt stattfand, doch auch dieser sollte ja ein Jahr später weichen. Doch auch die Bewohner der mondänen Häuser der Neustadt, besonders der Faberhäuser, wollten sich mit der Lärmbelastung und den Abfällen des Geschirrmarktes nicht abfinden. Zudem hatte der Jahrmarkt seine Rolle im Großhandel verloren und war längst zum Kleinhandel herabgesunken.

1886 wurde die Dult in die Gegend außerhalb des Linzertores vor allem in die großteils noch unverbaute Franz-Josef-Straße und die Schallmooser Hauptstraße und deren Nebenstraßen verlegt. Vier Jahre später hat man die Fastendult, die aufgrund der kalten Jahreszeit nur mangelhaft besucht wurde, aufgelöst. Mit Gemeinderatsbeschluss vom 15. Dezember 1896 wurde schließlich auch die Herbstdult abgeschafft. Große Volksfeste in der Brodhäuslau, dem Volksgarten, die aus Anlass des Regierungsjubiläums des Kaisers zum „Franz-Josef-Park“ ausgebaut wurde, traten an ihre Stelle.

Die Dult fiel, wie bereits 20 Jahre später Franz Martin klagte, der Geschäftspolitik der einheimischen Kaufleute zum Opfer, die die Gelegenheit des Kaufes bei Fremden unterbinden wollten. Die Jahrmärkte zählten aber zu den schönsten Kindheitserinnerungen der Salzburger und der Gedanke an die Dult lebte weiter.

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Stand: 7.2.2014, Hans-Peter Miller