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Vernissage in der Säulenhalle Rathaus

Derzeit braucht sich die Kunst, speziell die zeitgenössische, in Salzburg nicht über Heimatlosigkeit zu beschweren. Sie bekommt neue Häuser zur Bespielung bereitgestellt und alte Unterkünfte werden auf Hochglanz gebracht und erweitert. So wie jetzt das altehrwürdige Salzburger Rathaus, dessen Äußeres auf jeder Postkarte vertreten ist, dessen Inneres jedoch bis jetzt in krassem Gegensatz zum Bekanntheitsgrad seiner Rokokofassade und seines Turmes stand. Bisher – muss man sagen, denn das zweitwichtigste von Salzburgs kommunalen Verwaltungszentren ist mit viel Aufwand aufgehellt und geöffnet worden.

Als erste Künstler dürfen zwei Salzburger dieses neue Säulenhallen-Feeling genießen. Rupert Gredler und Paul Raas habens gern etwas internationaler, als gemeinhin üblich und da ist Berlin mit seiner Messe für zeitgenössische Kunst genau das Richtige. An der Spree herrscht generell ein etwas anderer, schärferer Wind als in unseren Föhngefilden und genau das brauchen Salzburgs Paraderealist und sein fabelhafter Kompagnon, der die Druckgrafik in seinen aufregenden Arbeiten neu definiert und auch kombiniert. So etwas Ausgetüfteltes und zugleich ästhetisch Überzeugendes hat man auf diesem Gebiet schon lange nicht mehr gesehen und das will etwas heißen in Salzburg, dieser Metropole des bedruckten Papiers. Rupert Gredler und Paul Raas beschäftigen sich mit dem Menschenbild, auf sehr unterschiedliche Weise, der eine malerisch-traditionell mit Wurzeln, die bis zu Dürer und Cranach zurückreichen, der andere sieht den modernen Menschen im Zusammenhang mit Computern, Zahlensystemen und Codes. Silhouette und Physiognomie entstehen auf technischer Basis, und dennoch stellt sich so etwas wie eine zarte Seele des generierten Geschöpfes ein. Mitreißend sind beide Ausgangspunkte und beide künstlerische Lösungen einer Fragestellung, die uns mehr beschäftigt, verängstigt und verunsichert denn je. Was ist der Mensch und wohin geht er. Bei Rupert Gredler, der ohnehin alles dämonisiert, vom ausgelatschten Paar Schuhe bis zum Salatblatt ist der Mensch ein absurdes, nervöses  Fleischwesen ganz nah am Tier, dem die eigentlichen Sympathien des Künstler gehören. Der Expressionismus steckt noch in diesen Bildern. Paul Raas ist der scheinbar zeitgemäßere Existenzdeuter. Das Individuum ist nur ein Rechenfehler im perfekten System, eine Quersumme aus unendlichen Zahlenreihen, ein zufälliger Ausschnitt einer uferlosen Datenmenge. Der eine Künstler will endlich Herr werden über seine Triebe, Herr werden durch schonungslose Tatsachenmalerei. Der andere sehnt sich nach Trieben, um der Unerbittlichkeit der Allogerrythmen zu entkommen. Zwei Maler auf der Suche nach Daseinssinn und Auswegen aus der Misere der letztendlichen Sinnlosigkeit.

Vernissage Vernissage
© Stadtgemeinde Salzburg
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Stand: 5.7.2012, Elke Schmitz