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Stadtplanung
Residenzplatz: Neugestaltung und Historie

Mahnmal zur Erinnerung an die Bücherverbrennung 1938

Bild vergrößernErste Blicke; Quelle: Honorarfreies Pressebild: Stadt Salzburg / Niko Zuparic

Erste Blicke; Quelle: Honorarfreies Pressebild: Stadt Salzburg / Niko Zuparic

Bild vergrößernauf das Mahnmal am Residenzplatz; Quelle: Honorarfreies Pressebild: Stadt Salzburg / Niko Zuparic

auf das Mahnmal am Residenzplatz; Quelle: Honorarfreies Pressebild: Stadt Salzburg / Niko Zuparic

Bild vergrößernTexte und Information zu NS-Büchervebrennungen; Quelle: Honorarfreies Pressebild: Stadt Salzburg / Niko Zuparic

Texte und Information zu NS-Büchervebrennungen; Quelle: Honorarfreies Pressebild: Stadt Salzburg / Niko Zuparic

Erinnerungskultur zur Bücherverbrennung 1938
80 Jahre nach dem vom Nationalsozialistischen Lehrerbund inszenierten barbarischen Akt wurde das Mahnmal der Öffentlichkeit übergeben.

Buchskelett“ heißt die Skulptur des Künstlerpaares Fatemeh Naderi und Florian Ziller, die aus 107 Einreichungen eines europäischen Wettbewerbs für ein Mahnmal zur Erinnerung an die Bücherverbrennung am 30. April 1938 als Siegerprojekt gewählt wurde.
Rund 1.200 Bücher von politisch verfemten Autorinnen und Autoren wurden damals nur wenige Wochen nach dem „Anschluss“ auf einem Scheiterhaufen nördlich des Residenzbrunnens öffentlich vernichtet.

„Schwarz auf weiß illustriert im Raum liegt das schwarze Buchskelett auf hellem Hintergrund – wie Bild und Text auf Papier. Das übrig gebliebene Buchskelett symbolisiert die Erinnerung daran.“, beschreiben Fatemeh Naderi und Florian Ziller die von ihnen geschaffene Erinnerungsskulptur.

Und Fatemeh Naderi und Florian Ziller erläutern weiter:
„Die Erinnerung schwindet naturgemäß mit der Zeit. Nach 1945 Geborene kennen die unvergleichlich grausamen Taten des Nationalsozialismus nur noch aus Erzählungen. Damals wie heute ist die Inszenierung ein wesentliches Instrument, um die Aufmerksamkeit der Menschen zu erregen. So ist das Mahnmal in den Platz des Verbrechens, am Residenzplatz, eingebettet und erinnert auf ernüchternde und ikonische Weise an den barbarischen Akt der Bücherverbrennung.
Geometrie und Farbe der Betonelemente beschreiben den Ausstellungsraum des Buchskeletts. Das breite Passepartout aus dunkelgrauem Beton und der weich verlaufende helle Hintergrund erzeugen einen starken Kontrast zum markanten schwarzen Buchskelett. Die Glasabdeckung ermöglicht Einsicht und Auseinandersetzung vor Ort zu jeder Zeit.

Historie
Nur wenige Wochen nach dem „Anschluß“ Österreichs an NS-Deutschland fand auf dem Salzburger Residenzplatz am 30. April 1938 eine groß inszenierte, öffentliche Bücherverbrennung statt. Das demonstrative Vernichten von Büchern hat eine lange Tradition, wurde jedoch vom NS-Regime mit einer einzigartig übersteigerten Symbolik durchgeführt. Mit der „reinigenden Kraft des Feuers“ wollte der Nationalsozialismus unerwünschte Meinungen und Überzeugungen vernichten.
Die Salzburger Bücherverbrennung wurde zwar nach dem Vorbild der deutschen Bücherverbrennungen im Jahr 1933 organisiert, unterschied sich von diesen jedoch organisatorisch und inhaltlich: Sie war keine offizielle Aktion der „Gauhauptstadt Salzburg“, sondern wurde vom Nationalsozialistischen Lehrerbund unter der Führung von Karl Springenschmid organisiert und von Mitgliedern der HJ und BdM unterstützt.

In der Vorbereitung dazu wurden die Salzburger*innen im Salzburger Volksblatt aufgerufen, keine „jüdischen Bücher“ mehr zu lesen, sondern diese auszusortieren. Genannt wurden 50 Autor*innen, darunter Heinrich Heine, Arthur Schnitzler, Else Laske-Schüler, Stefan Zweig, Franz Werfel, Vicki Baum u.a. Inhaltlich richtete sich die Aktion nicht nur gegen jüdische, pazifistische und linke Autor*innen, sondern v.a. gegen Werke katholischer Autoren, Politiker des „Ständestaats“ und Legitimisten. Dies hängt auch damit zusammen, dass Österreich vor dem Anschluss an Hitlerdeutschland unter dem autoritären Regime des „Ständestaats“ stand.

Als zentraler Ort der Inszenierung des Feuergerichts wurde der Residenzplatz ausgewählt. Ein Scheiterhaufen wurde nördlich des Residenzbrunnens in unmittelbarer Nähe der St. Michaels-Kirche errichtet. Dafür hatte die Hitlerjugend rund 1200 Bücher aus Bibliotheken, Buchhandlungen und Privathaushalten gesammelt. Die gedruckte Einladung zur „Verbrennung jüdischer und klerikaler Bücher“ war vom Nationalsozialistischen Lehrerbund, Gau Salzburg, gezeichnet, der unter Leitung des Landesrats für das Erziehungswesen Karl Springenschmid stand.

Springenschmid, kurz zuvor auch zum HJ-Bannführer ernannt, führte laut seiner im „Salzburger Volksblatt“ abgedruckten „Feuerrede“ programmatisch aus: „Verbrannt, vernichtet sei alles, was an klerikaler Knechtung und jüdischer Verderbnis den Aufbruch einer wahrhaft deutschen Kultur verhinderte“. Danach wurde der Scheiterhaufen entzündet. Um den Eindruck zu vermitteln, im Namen der ganzen „Volksgemeinschaft“ zu handeln, warfen je ein Angehöriger der Hitlerjugend, der SS, der SA und der Schuljugend, ein Arbeiter, ein Bauer, ein Musiker und ein Soldat Bücher unter der Proklamation von „kernigen Urteilssprüchen“ ins Feuer. Die New York Times berichtete am folgenden Tag von 5.000 Anwesenden. Am Tag nach der Bücherverbrennung fand am Residenzplatz ein organisierter Aufmarsch von 16.000 „Volksgenossen“ aus Anlass des „Nationalen Feiertags des Volkes“ statt, mit dem die Nationalsozialisten den 1. Mai für sich vereinnahmten.

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Stand: 2.5.2018, Richilde Haybäck