Salzburger Künstler*innen AIR 2014

Seit 1986 bietet die Abteilung Kultur, Bildung und Wissen der Stadt Salzburg ein Künstler*innen-Austauschprogramm an.
Diese Kooperation zwischen kulturell interessierten und aktiven Städten basiert auf dem Prinzip des gegenseitigen Austausches zu gleichen Bedingungen.
Die Intention dieser besonderen Kulturförderung ist es, den Künstler/innen die Möglichkeit zu bieten, neue Eindrücke und praktische Erfahrungen zu sammeln und diese künstlerisch zu verarbeiten. Der Aufenthalt soll darüber hinaus dazu dienen, Kontakte zu knüpfen und daraus ein künstlerisches Netzwerk zwischen den teilnehmenden Künstler/innen und den Städten entstehen zu lassen.

Neun bildende Künstlerinnen und Künstler waren in diesem Jahr mit dem AIR-Programm unterwegs. Hin und wieder zurück; dazwischen die Suche nach dem Neuen, Ungewöhnlichen und Begegnungen mit einer fremden Stadt und ihren Menschen.
Die künstlerischen Ergebnisse des Ortswechsels präsentieren Johanna Binder (USA), Berthold Bock (Meran), Lena Bosch (Dresden), Martin Keindl (Budapest), Maria Anna Mahr (Vantaa), Doris Moser (Budapest), Doris Prlic (Frankfurt), Wally Rettenbacher (Wien) und Lisa Wieder (USA) bei der gemeinsamen Jahresausstellung in der Galerie am Mozartplatz.

Johanna Binder

Gastatelier VCCA / USA

Geboren 1985 in Salzburg;
2006 – 2013 Studium der Malerei an der Kunstuniversität Linz und der Universität für angewandte Kunst Wien.
Zahlreiche Ausstellungen im In- und Ausland u.a.
2014 Studio Tommaseo Triest (I), Galleria Upp Venedig (I)
2013 HDLU Zagreb (HR) und im Künstlerhaus Wien (A)
2012 im Kunsthaus Hamburg (D)
Johanna Binder ist Preisträgerin des „young european artist trieste contemporanea award“ 2013 (I) sowie des Anerkennungspreises „roter Teppich für junge Kunst“ 2014 (AUT).
Auslandsatelierstipendien:
Paris und Paliano bei Rom (Kultur Land Salzburg)
Förderatelier des Landes Salzburg

Während ihres Auslandsaufenthaltes im VCCA, Virginia (USA) konzentrierte sich die Künstlerin einerseits auf die Lektüre und das Verfassen von Kunstkritik und andererseits, in der künstlerischen Produktion, auf das Verhältnis von Flächigkeit und dreidimensionalem Bildträger in der Malerei.
Die im Rahmen der Jahresausstellung AIR 2014 gezeigten Arbeiten thematisieren die Fläche als solche und den Bildträger als bereits vorgegebene reale Form und Objekt.

Berthold Bock

Gastatelier Meran / I

1989 – 1992 Studium der Geschichte und Philosophie an der FU - Berlin
1996 – 2001 Studium der freien Kunst an der Hochschule für bildende Künste in Dresden. Diplom bei Prof. Hans Peter Adamski, Malerei
2003 Meisterschüler bei Prof. Lutz Dammbeck, Projektklasse Film und neue Medien Diverse Stipendien, u.a Schloss Wiepersdorf Aufenthaltsstipendium der Kulturstiftung Sachsen, Auslandsstipendien des Landes Salzburg in Paliano bei Rom und in Budapest. Auslandstipendium der Stadt Salzburg in Meran.
Seit 1985 Ausstellungen und Projekte im In- und Ausland, u.a: Wuhan (China), Bundeskunsthalle Bonn, Taiwan, Traklhaus Salzburg, Salzburg Museum, Grassi Museum Leipzig, Kunstverein Dresden, Kunstverein Meiningen, Kunstraum Pro Arte Hallein, Palais Lichtenstein Feldkirch
Werke in öffentlichen und privaten Sammlungen

Zu den Arbeiten
… Stifter, Tieck, Schwarzwald, Sächsische Schweiz, Salzburg, Hall in Tirol und die Schwarze Romantik.
Berthold Bock malt irgendwo dazwischen und betreibt in seiner Malerei gleichzeitig eine Suche nach der zeitgenössischen
Darstellbarkeit von Landschaft.
In Meran setzt er sich mit der ihm eigenen Umsetzung von Gebirgsmotiven auseinander.

Lena Bosch

Gastatelier Dresden / D

Geb. 1945 in Deutschland, aufgewachsen in Regensburg Lebt und arbeitet in Salzburg und in Marquartstein / Chiemgau;
Druckgrafische Ausbildung u.a. bei Rudolf Hradil und Jan Voss (Int. Sommerakademie Salzburg) und bei Marianne Manda in Dresden;
Mehrere Jahre Druckwerkstatt im Salzburger Künstlerhaus zusammen mit Herwig Bayerl;
Zahlreiche Ausstellungen im In-und Ausland;
Auslandsstipendien:
1991 VCCA – USA (Oberpfälzer Künstlerhaus)
2003 Trondheim, Norwegen (O.K.)
2004 Budapest (Stadt Salzburg)
2006 Manila (Stadt Salzburg)
2008 Frankfurt /M. (Stadt Salzburg)
2009 Schottland (O.K.)
2014 Dresden (Stadt Salzburg).

„Während meines Aufenthalts in Dresden konnte ich intensiv die gut ausgestattete Werkstatt nutzen und unbeschwert auch mit alten Kupferplatten experimentieren.
Die Unterkunft in der Dresdner Neustadt, einem lebendigen Studentenviertel mit zahlreichen fantasievollen Fassadenmalereien,
regte mich zu mehreren Fotosafaris an.
Motive wie z.B. der nächtliche Voyeur-Blick aus meinem Dachstübchen in der Pension Raskolnikoff wurden dann in verschiedenen Radiertechniken (Kaltnadel, Aquatinta, Lavendelöltechnik und Prägedruck) umgesetzt“.

Martin Keindl alias Sayne One

Gastatelier Budapest / H

1987 geboren;
Um die Jahrtausendwende entflammte ein Interesse an Graffiti und urbanen Kunstformen, an Hip Hop und der umgebenden Kultur, das bis heute anhält.
2007 begann er selbst, Graffiti an Wände zu malen
Seit dem Abschluss des Bachelorstudiums MultiMediaArts an der FH Salzburg im Jahr 2012 selbstständig als Graffiti Artist und Grafik Designer.
Graffiti ist wie eine Fremdsprache im öffentlichen Raum, die einem steten Wandel unterliegt. Verbindliche grammatikalische Formen sind nicht vorhanden, die Fülle an Dialekten scheint endlos und zuletzt bleibt als Grundlage zur Analyse dieser Sprache nur der Ausdruck an sich.
Für ein geschultes Auge ergeben sich so konkrete Formen im Abstrakten, eine verständliche Botschaft dort, wo Außenstehenden
der Zugang oftmals verwehrt bleibt.
Hat man erst begonnen, sich aktiv mit dieser Formensprache auseinander zu setzen, kommt man davon nicht mehr los. Die Wahrnehmung des öffentlichen Raumes verändert sich unwiderruflich und steigt in ihrer Intensität.

„Während meinem Aufenthalt in Budapest im September 2014 habe ich mich intensiv mit meiner Perspektive auf den öffentlichen Raum und den verschiedenen Erscheinungsformen von Graffiti darin auseinandergesetzt.
Besonders das Spannungsfeld zwischen dem Abstrakten und dem Konkreten hat mich in seinen Bann gezogen und mich zu experimentieren veranlasst.
So entstanden in enger Korrespondenz mit der Stadt, in der ich mich bewegte, mehrere Werkserien, Collagen, experimentelle Grafik, Stencils oder analoge Fotografie.
Jedes Projekt fand seinen individuellen Ausdruck. Ich selbst fand viel Inspiration und einige Pfade, die ich weiter verfolgen will.“

Maria Anna Mahr

Gastatelier Vantaa / SF

1950 geboren in Tirol;
1974 lebt und arbeitet in Salzburg, Studium bei Prof. Boschan, Studium bei Prof. Werner Otte;
1995 Mitglied der Berufsvereinigung der Bildenden Künstler;
Kunstsymposien:
1999 Bosa, Sardinien
2000 Bosa, Sardinien
2014 Artist in Residence, Vantaa, Finnland;
Studienaufenthalte in Tirol, Waldviertel, Finnland, Frankreich, Griechenland, Italien und Schweden.
Intern. Prix Artistique beim 22ème Salon International de Revin, Frankreich;
Teilnahme 6th Annual International Exhibition of Miniatures „little m“, Litauen;
Ausstellungen in Österreich, Bosnien Herzegowina, Deutschland, Estland, Frankreich, Italien, Litauen, Schweden und Westafrika.

„Seit vielen Jahren bin ich auf der „Spurensuche“ nach alten Einritzungen in verborgenen Objekten. Das Gastatelier der Galerie Gjutars in Vantaa war für mich ein idealer Ausgangspunkt zur „Spurensuche“ in Finnland.
Die Gelassenheit der Finnen, die Rahmenbedingungen im Gastatelier und die faszinierende Weite des Landes haben mich tief beeindruckt. Die „Spuren“ der Vergangenheit und die vielen Eindrücke der unterschiedlichen Landschaftsformen habe ich in meinen Werken verarbeitet und das weite Land in kleinen Formaten umgesetzt.“

Doris Moser

Gastatelier Budapest / H

geb. am 31.7.1987 in Sterzing, Italien;
2007 Lehranstalt Werbegrafik, Brixen/Bressanone;
2008 freier Kurs an der „Libera Accademia di belle Arti“, Florenz;
2009 Studium am Mozarteum Salzburg, Bildnerische Erziehung (Malerei) und Textiles Gestalten;
2012 Mitarbeit im off-space Periscope, Salzburg;
2014 artist in residence, Budapest;
Ausstellungen/Beteiligungen (Auswahl):
2009 „RaumZeit“, Kunst im Abbruchhaus, Salzburg;
„Hier und Jetzt“, Villaprojekt, Kunstverein/Künstlerhaus, Salzburg;
2010 „Schleckzuig“, Kunstwerk, Salzburg;
2012 „Neue alte Zeiten/Nuovi tempi passati”, Stadttheatercafé, Sterzing/Vipiteno „5/366er”, Kunstverein/Künstlerhaus, Salzburg „Bockstuhlplatte”, Kunstwerk, Salzburg;
2013 „BIXTELD”, Text/Bild/Bild/Text Recherche, Galerie 5020, Salzburg „Graschelraum”, Kunstwerk, Salzburg;
2014 „Bockstuhlplatte II“, Schlossgalerie, Landeck.

Die Arbeiten werden vom Experiment mit unterschiedlichen Farbmaterialitäten bestimmt.
Das Prinzip der Schichtung spielt im, oft zufälligen Farbaufbau eine zentrale Rolle. Durch das Übereinanderlegen verschiedenster Ebenen entsteht ein Wechselspiel von Verhüllung und Offenlegen.
Die entstehenden Einblicke oder Aussichten sind Einladungen zum Assoziieren.

Doris Prlic

Gastatelier Frankfurt / D

Geboren in Salzburg;
Arbeitet als Bildende Künstlerin und Kuratorin.
Studium der Experimentellen Gestaltung und Kulturwissenschaften in Linz sowie Art Studies / Artistic Research in Amsterdam.
Das Aufspüren alternativer Orte für künstlerische Produktionen sowie die Analyse der Arbeitsbedingungen von KünstlerInnen sind zwei Hauptanliegen in Prlics Schaffen.
Dabei experimentierte sie mit Klang und dessen Rezeption im öffentlichen Raum, kreiert alternative Netzwerke für junge KünstlerInnen oder entwickelt künstlerisch-kuratorische Projekte, die den Rahmen des Ausstellungsraumes sprengen.
Sie betreibt die Webgalerie „Feedback&Disaster“ und ist Teil des Kollektivs „gold extra“.

Die bei der Ausstellung gezeigte Installation „I work as“ entstand aus einem Artistic Research Projekt zu Künstler-Innen und deren Lebenssituationen. Zwischen Herbst 2011 und März 2014 befragte Prlic unterschiedliche KünstlerInnen zu ihren Nebenjobs, zusätzlich sammelte sie biographische Informationen zu historisch relevanten KünstlerInnen und deren Arbeitsverhältnissen. Die Arbeit existiert ebenfalls als Klangperformance.
Für die Weiterentwicklung von „I work as“ sprach Prlic mit KünstlerInnen vor Ort, recherchierte zu historischen KünstlerInnen in Frankfurt und verwob diese Ergebnisse mit der bereits existierenden Recherche zum Thema.
Außerdem fügte sie die Stimme ihres Atelierkollegen in Frankfurt der auditiven Umsetzung hinzu. Weiters entwikkelte Prlic die ortsspezifische Arbeit „A Site That Could Have Been“ zu einem nicht realisierten Hochhausprojekt in Frankfurt.

Wally Rettenbacher

Gastatelier batolit / Wien, A

Geboren 1968, lebt in Salzburg, Reisende;
Seit 1998 freie Radioaktivitäten.
Lyrik, Reiseprosa, Essay. Reisefotografie.
Produktion vieler Reisehörbilder für den Freien Rundfunk.
2001 und 2002 nominiert für den Radiopreis für Erwachsenenbildung.
Mehrere Reise- und Arbeitsstipendien (BKA, Kulturfonds der Stadt Salzburg).
Seit 2012 Mitglied der Grazer Autorinnen Autorenversammlung (GAV).
2014 Sommerakademie Salzburg, Klasse Fotografie.

„zwei monate nordostindien, bei den 7 schwestern, mit einer außergewöhnlichen rückkehr: ein atelieraufenthalt in wien. thema also: die rückkehr, arbeitstitel: „position in transition – nach dem tanz der wolkentöchter“.
aufenthaltsskizze, ein gedankendestillat
den nachhall der reise atmen. in befindlichkeiten des übergangszustandes eintauchen. im wahrnehmen der veränderung tiefer tauchen. es ist nichts als die konfrontation mit dem innenleben, das stöbern einer am tellerrand wohnenden, anfangs. in der kultur, der welt, in der ich aufgewachsen bin. die mich gezeichnet hat.
bin noch im transitzustand, fühle mich als gast und fremd - hier, in österreich. glaube mich gelegentlich als verrückte.
ich lächle zuviel. zu viele direkte blicke. zu geradlinige gesprächsversuche: bin arglos weltoffen im bus, in der fußgängerzone, im supermarkt. bei den 7 schwestern ist es normales gebaren, ausdruck der freude am kontakt, am gespräch mit menschen. es ist dort sozialer austausch, alltag.
im atelier feile ich an der weltwachheit: eindrücke wollen zu einer inneren klarheit gelangen, gedanken zu guten formulierungen
meiner reisenotizen reifen. das braucht zeit. dazwischen fotoauswahl und bearbeitung. ich lese viel. meistens nachts, bis um drei oder halb vier.
ich orte auch wien. wien bringt entdeckungen und vertiefungen: literatur, die kunst auch. und wien bringt sympathien und nachhaltige begegnungen.

Lisa Wieder

Gastatelier Anderson Center / USA

geb. 1989 in Salzburg;
2008 – 2014 Studium Bildnerische Erziehung in der Malereiklasse an der Universität Mozarteum.
Arbeiten der Künstlerin wurden in zahlreichen Ausstellungen in Salzburg, Wien und Tirol gezeigt.
2013 wurde sie mit dem Karl-Anton-Wolf Preis ausgezeichnet.
Lisa Wieder lebt und arbeitet in Salzburg und Linz.

In ihren Arbeiten beschäftigt sich die Künstlerin mit verschiedenen Aspekten von Bild und Raum. Ausgehend von der Malerei und den diversen Möglichkeiten des Mediums, arbeitet Lisa Wieder zunehmend installativ.
Sie bevorzugt unterschiedliche Materialien, die aufgrund ihrer Form und Farbe ausgewählt und in neue räumliche Zusammenhänge gestellt werden.
Neben den aus verschiedenen Kontexten entlehnten Materialien und Formen bildet die stetige Dynamik der Werke einen wichtigen Aspekt der Arbeit.
Fotografisch dokumentiert werden die verwendeten Objekte für eine Vielzahl weiterer Arbeiten verwendet, uminterpretiert und Gedanken über Form, Farbe und Raum weiter gesponnen.
Während ihrer Zeit im Anderson Center verwendete Wieder für ihre Arbeit vor allem gefundene Alltagsgegenstände wie Plastikutensilien, Holz- und Bauabfälle sowie Textilien aus Haushalten.