Stephan Resch - Stefan Zweig Stipendiat 2020

Im Jänner 2020 ist Stephan Resch von der Univeristy of Auckland, Neuseeland, zu Gast in Salzburg. Er forscht hier zu Stefan Zweig.

Am Dienstag, dem 28. Jänner 2020, 19.30 Uhr präsentierte Stephan Resch in der Edmundsburg, Europasaal, das Buch "Worte haben keine Macht mehr". Moderiert wurde die Veranstaltung von Dieter Bandhauer und Arturo Larcati.

Neben Stefan Zweigs weltbekanntem erzählerischen Werk existiert ein weniger bekanntes essayistisches, das zahlreiche scharfsinnige Einschätzungen der gesellschaftspolitischen Entwicklung in Europa und anderswo seit dem Ersten Weltkrieg offenbart. Der hier präsentierte Band "Worte haben keine Macht mehr“ ermöglicht es, neue Erkenntnisse über Zweigs Verhältnis von Kunst und Politik zu gewinnen – und gleichzeitig auch das erzählerische Werk neu zu betrachten. Viele Texte werden erstmals seit ihrer Veröffentlichung in den 1920er und 1930er Jahren wieder zugänglich gemacht.

Porträt Stepahn Resch

Stefan Zweig im Director’s Cut

So weit weg und doch so nah: Stephan Resch ist gebürtiger Deutscher, lebt und arbeitet aber in Auckland Neuseeland und forscht dort ausgerechnet über den begeisterten Europäer Stefan Zweig. Seinen Aufenthalt als Scientist-in-Residence nutzt der Germanist dazu, im Stefan-Zweig-Zentrum für sein neues Buch zu recherchieren.  
In Neuseeland ist der Autor Stefan Zweig nur ausgewählten Literaturliebhaber*innen bekannt. Der Wissenschaftler Stephan Resch kann allerdings eine weltweite Zweig-Renaissance beobachten. Die Forscher*innen, die sich rund um den Globus mit dem Autor beschäftigen, kennen sich alle und arbeiten bei verschiedenen Projekten zusammen. Treibende Kraft hinter der internationalen Vernetzung und den Kollaborationen ist das Salzburger Stefan-Zweig-Zentrum.  
Stephan Resch kennt das Zentrum in der Edmundsburg, das sich mit Leben und Werk von Zweig beschäftigt, seit dessen Gründungsjahr 2008. Seit dem ist er immer wieder mit dem Team in Kontakt. Sie besprechen Buchprojekte, sehen sich bei Konferenzen und fädeln neue Kooperationen ein.

Alte Texte neu entdeckt

Auch jetzt führt ihn ein Buchprojekt in die Wissensstadt Salzburg. Stephan Resch arbeitet an einer kritischen Ausgabe von Ungeduld des Herzens. „Der Roman ist keine oberflächliche Liebesgeschichte. Ich schäle den Roman wie eine Zwiebel und arbeite mich durch die unterschiedlichen Schichten. Dabei entdecke ich immer neue Aspekte“, berichtet er von seiner Arbeit. Ungeduld des Herzens ist der einzige Roman, den Zweig fertiggestellt hat. Die Notizen dazu und das Manuskript befinden sich im Literaturarchiv in Marbach. Insgesamt sieben Vorstufen gibt es zum Roman. Vor seiner Auswanderung nach Brasilien ließ Zweig seine Autographen, die die Entstehung des Romans dokumentieren, in London bei einem Adeligen zurück. Von dort kaufte sie ein Schweizer Antiquariat, wodurch sie schließlich im Marbacher Literaturarchiv landeten.  
„Der Band wird eine textkritische Studienausgabe und den Roman umfassend besprechen: Zweigs Vorgehensweise, die Entstehungs- und die Rezeptionsgeschichte. Es zeigt Ungeduld des Herzens im Director’s Cut“, fügt Resch schmunzelnd hinzu.  
In Salzburg präsentiert Stephan Resch sein Buch Worte haben keine Macht mehr. Über Jahre hat er verloren geglaubte oder längst vergessene politische Essays gesammelt, die eine andere Seite von Stefan Zweig zeigen. „Die Auswahl an Texten kann als moralischer Kompass verstanden werden und weist ein anderes Verständnis von Politik hin. Es geht vielmehr um Moralpolitik und um humanistische Werte, die Zweig wichtig waren“, erklärt der Germanist.

Werben um Deutsch-Nachwuchs

In Neuseeland ist Deutsch ein Orchideenfach. Resch investiert viel Zeit in die Bewerbung von Deutsch als Fremdsprache, arbeitet mit Schulen zusammen und bietet Schnupperkurse. „Es gelingt uns, viele junge Menschen für Sprachkurse zu begeistern. Für das Hauptfach Deutsch interessieren sich nur wenige“, so der Neuseeländer über die Herausforderung neue Studierende zu finden. Als Grund dafür nennt er auch die große Konkurrenz durch Spanisch, Französisch oder asiatische Sprachen.

Drei Fragen an Stephan Resch:

Die letzten Stefan-Zweig-Stipendiat*innen in Salzburg stammten aus Brasilen, Amerika, Italien und der Ukraine. Woher kommt es, dass sich Menschen auf der ganzen Welt mit Zweig beschäftigen?  
Zweigs Schreiben ist sehr international ausgelegt. In Europa, aber auch darüber hinaus sind seine Werke für alle Kulturen interessant. Der Autor Stefan Zweig hat die besten Ideen aus der Welt gesammelt und ist daher völkerverbindend.

Wie gelingt es Ihnen in so weiter Entfernung die deutsche Sprache zu pflegen?
Das gelingt mir vor allem mit Aufenthalte in Deutschland und Österreich. Berufsbedingt bin ich immer wieder zu Forschungszwecken in deutschsprachigen Ländern. Außerdem halte ich mit Lesen mein Deutsch frisch – sowohl wissenschaftliche Texte in der Arbeit als auch privat.

Welches Buch von Stefan Zweig sollte jede/r gelesen haben?
Ganz klar die Schachnovelle. Es ist ein perfektes Buch, sehr stimmig und beinhaltet die ganze Essenz von Zweig. Außerdem ist es das letzte Buch, das Zweig geschrieben hat, nur eine Woche vor seinem Selbstmord.

Das Interview führte Eva Kraxberger.

Zur Person

Foto von Stefan Resch bei der Präsentation im Jänner 2020 mit seinem Buch in der Hand
Stefan Resch
Bei der Präsentation seines Buchs "Worte haben keine Macht mehr"

Im Alter von 18 Jahren ist Stephan Resch mit seinen Eltern nach Neuseeland ausgewandert. Seit 15 Jahren arbeitet er an der Universität in Auckland. Trotz der großen Entfernung ist er der deutschen Literatur und Sprache bis heute verbunden geblieben. Bis 2019 war er Präsident des neuseeländischen Deutschlehrerverbandes. Er arbeitet mit dem Goethe-Institut und den Botschaften zusammen, um die Relevanz des Deutschen auch in Down Under aufzuzeigen. Die neuseeländischen Sommerferien nutzte er für den längeren Forschungsaufenthalt in Europa. Anfang Februar 2020 geht es für ihn zurück, er freut sich schon auf Sonne und Strand.