Quelle: SIR, Foto`s Straßl, Reithofer, Lankmayer, Hilfswerk

Quartierserneuerung Strubergasse - Smart City Leuchtturmprojekt

Quartierserneuerung Strubergasse

Ansichtsfoto
Neubauten neben den sanierten Bestandshäusern mit einem gemeinsamen Freiraum
Gartenansicht

Die Sanierung der Strubergassensiedlung ist keine Einzelmaßnahme, sondern Teil eines umfassenden Stadtentwicklungskonzeptes für Lehen.

Es geht insgesamt um die Aufwertung eines urban geprägten Stadtteils im Sinne der nachhaltigen Stadtentwicklung. Die Strubergassensiedlung ist ein  Vorzeigeprojekt für eine umfassende und integrative Sanierung (mit einem Neubauteil), die sich nicht nur auf rein thermische Maßnahmen beschränkt, sondern auch den Freiraum und die Mobilität mit einschließt.

Förderungen:
Concerto Green Solar Cities

Stadtteilerneuerung Lehen

Luftbildaufnahme der Südwestseite des Wohparks Strubergasse
Wohnpark Strubergasse Süd-West Ansicht

Lehen ist einer der urbansten Stadtteile Salzburgs und entstand zum großen Teil in der Zeit nach dem zweiten Weltkrieg in den 50er- bis 70er-Jahren des vorigen Jahrhunderts. Die damals noch attraktive und gut sortierte Einkaufsstraße, die Ignaz-Harrer-Straße, verlor
u.a. auch durch den enorm zunehmenden Autoverkehr in den 1990ern immer mehr an Bedeutung und es kam zur Ausdünnung der Geschäftswelt.
Die Stadtplanung erarbeitete in der Folge das Projekt „Entwicklungskorridor Ignaz-Harrer-Straße / Münchner Bundesstraße“. Dieses Projekt erfasste mögliche Entwicklungspotenziale
entlang dieser Straßenzüge und es wurden dazu entsprechend passende Nutzungen angedacht.
Mittlerweile sind drei Projekte fast vollständig umgesetzt. Am Fallnhauserareal entstanden attraktive Wohnungen und im Erdgeschoß Gastronomie, am Stadtwerk fast 500 Wohnungen, ein Studentenheim, ein Kindergarten, eine breite Palette an gewerblicher, schulischer und kultureller Nutzungen.
In Bau ist weiters die Wohnanlage „Stadtpark Lehen“ der gswb entlang der Ignaz-Harrer-Straße im Bereich zwischen Lehnerstraße und dem Glanbach mit ca. 100 Wohneinheiten,
die neue Turnhalle beim Christian-Doppler-Gymnasium und die letzten Bauten zur Erneuerung der Strubergassensiedlung südlich der Strubergasse mit 43 Wohnungen.
Aktuell in Bauvorbereitung ist das gesamte Areal der alten Rauchmühle an der Guggenmoosstraße bis Gailenbachweg mit ca. 140 Mietwohnungen, 80 Eigentums-wohnungen sowie rund 4.500 m² für offene Proberäume, frei verfügbare Werkstätten und Büros als neuer Hotspot der Wissensstadt Salzburg.
Noch in Planung ist die Erweiterung des Landeszentrums für Hör- und Sehbildung in der Lehnerstraße
Ing. E. Michael Klock
Stadt Salzburg

Sanierung der Bestandsbauten

Die Strubergassensiedlung wurde in den 1950er-Jahren errichtet, der letzte Bauabschnitt 1962 fertig gestellt. Ziel war, in den Nachkriegsjahren die Bevölkerung rasch mit leistbarem Wohnraum zu versorgen.
Die generelle Zielsetzung für die Generalsanierung mit teilweiser Neuerrichtung war es, eine zukunftsfähige und langlebige Wohnanlage mit hoher soziokultureller, funktionaler, ökologischer und ökonomischer Qualität zu gestalten.
Das Projektgebiet mit mehr als 600 Wohnungen umfasst drei Quartiere; Ignaz-Harrer-Straße, Strubergasse Nord und Strubergasse Süd. Der Gemeinderat der Stadt Salzburg beschloss im Rahmen des Projektes „Siedlungserneuerung Strubergassensiedlung“, 14 Wohnhäuser zu sanieren und 12 Wohnhäuser abzureißen und neu zu errichten.
In jenen Häusern, für die der Gemeinderat der Stadt Salzburg eine umfassende Sanierung beschlossen hatte, wurden folgende Maßnahmen umgesetzt: 

  • Thermische Sanierung: Fassadendämmung, neue Fenster, Dämmung der Keller- und Dachgeschoßdecke.
  • Balkone: Jede Wohnung wurde im Zuge der Sanierung mit einem Balkon ausgestattet.
  • Fernwärmeanschluss an das Netz der Salzburg AG. Im benachbarten Stadtwerk Lehen wurde 2011 die größte thermische Solaranlage Salzburgs mit 2.048 m² Kollektor und einem 200 m³ Pufferspeicher errichtet.

Dieses Mikronetz wurde in die Strubergassensiedlung erweitert, sodass die Überschusswärme aus der Solaranlage genutzt werden kann. Da die alten Wohnungen noch nicht an ein modernes Zentralheizungssystem angeschlossen waren, wurden Versorgungsleitungen bis zu jeder Wohnung gelegt. Jede Mieterin und jeder Mieter hatte die Möglichkeit, seine alte Heizung weiter zu betreiben, oder auf eigene Kosten eine Etagenheizung einbauen zu lassen und künftig komfortabel und umweltschonend mit Fernwärme der Salzburg AG zu heizen. Dieses Angebot haben die meisten BewohnerInnen in Anspruch genommen. Gleichzeitig wurden auch Verrohrungen für Kabel-TV verlegt.
Johann Steckenbauer
KgL – Kommunale gswb Liegenschaftsverwaltung GmbH Salzburg

Lebensraum im Umbau

Wer die Stadt Salzburg und ihre ungeschriebenen sozialen Naturgesetze kennt, weiß, was viele ihrer Bewohner nicht unbedingt wollen: Veränderungen ihres unmittelbaren Lebensumfeldes.
Die Sanierung und Revitalisierung des Strubergassenviertels in Verbindung mit der Neubebauung des Stadtwerke Areals stellt aus diesem Blickwinkel eine besondere Herausforderung dar: in wenigen innerstädtischen Quartieren erfolgten in den letzten Jahren so umwälzende Veränderungen eines gewachsenen städtischen Wohnquartiers.
Neben der Sanierung, der Qualitätsverbesserung und der Ertüchtigung des Altbestandes wurde ein Teil der Wohnhäuser abgebrochen und neu errichtet.
Dieser richtigen und notwendigen Maßnahme mussten nicht nur liebgewordene – oder zumindest gewohnte – Strukturen und Baukörper weichen, sondern auch eine Reihe von stilbildenden rosablühenden Kirschbäumen, ein Identifikationsmerkmal, an der die Bewohnerschaft offenbar besonders gehangen hat. Die notwendige Absiedelung aus den alten Polizeiblocks an der Ignaz-Harrer-Straße und den Häusern an der Rudolf-Biebl-Straße erfolgte mit dem notwendigen Augenmaß und viel kommunikativer Kompetenz in Kooperation von Mitarbeitern des Wohnungsamtes und der KGL. Hier wurde ein Grundstein für die positive Neubesiedelung gelegt – es wurde bedarfsorientiert vorgegangen und wenig Porzellan zerschlagen.
Dr. Rosemarie Fuchshofer
Selbständige Sozialwissenschaftlerin

Freiraumplanung

Strubergassensiedlung Offen – Grün – Verkehrsberuhigt
Ein Blick von den neuen Balkonen auf offene, vielfältige Grünbereiche! Vogelgezwitscher statt Autolärm.

Ziel der Freiraumplanung ist es, einen eindeutigen räumlichen Zusammenhang zwischen den Bereichen des sanierten Altbaus und den geplanten Neubauten herzustellen.
Die Spange zwischen Strubergasse, Leonhard-von-Keutschach-Straße, Rudolf-Biebl-Straße und Rosseggerstraße soll als ein Wohnquartier ablesbar werden.
Die Bestandssituation zeigte folgendes Erscheinungsbild:
Sichtbarrieren durch hohe Hecken zwischen Gebäude-Zugangsbereichen und öffentlichem Raum schottenten die Gebäude vom Stadtbild ab. Eine Vielzahl blickdichter Schnitthecken, vergreister Koniferen sowie Batterien an Teppichklopfstangen fungierten als raumprägende Elemente im Freien. Dazwischen gab es versiegelte Flächen für PKW-Zufahrten und Stellplätze, Lärm- und Emissionsbelastung durch Parkplatzsuchende im Inneren des Wohnquartiers. PKW-Stellplätze und Müllcontainer prägten die Zugangsbereiche der Gebäude. Abgeleitet vom Bestand galt es als Zielsetzung für die Neuplanung, den Fokus im Wesentlichen auf folgende Kriterien zu richten:
Der Kern des Wohnquartiers wird verkehrsberuhigt.
Alleine im Sanierungsteil werden im Freiraum ca. 300 Fahrradabstellmöglichkeiten angeboten. Ein großer Teil davon in sogenannten Fahrrad-Boxen: Kompakte Unterstände für Fahrräder, mit einer Grundfläche von 6x6m, beleuchtet, mit Kletterpflanzen und Dachbegrünung zusätzlich ausgestattet.
In das Freiraumkonzept eingebunden wird ein Angebot an Hobbygemüsegärtner und Blumenliebhaber. Zwei Gemeinschaftsgärten bieten die Möglichkeit zur Freizeitgestaltung im direkten Wohnumfeld.
Der Vorgarten gilt als Visitenkarte der jeweiligen Adresse. Blütensträucher und ausdauernde Staudenbepflanzungen vermitteln einen freundlichen ersten Eindruck nach Außen.
Die Zugänge werden neu gepflastert und mit Sitzquadern – stilisierten Hausbänken – sowie überdachten Fahrradabstellplätzen ergänzt. Somit ist immer ein Fahrrad für den schnellen Weg in die Stadt griffbereit.
Peter Aicher
Landschaftsarchitekt

Ganz schön mobil!

Dies ist der Leitspruch für ein ambitioniertes Mobilitätskonzept, das in der Strubergassen-siedlung im Zuge der Generalsanierung realisiert wurde.

Stellplatzmanagement:

  • Mit der Fertigstellung der Neubauten und dem Abschluss der Sanierung wird im Kernareal der Strubergassensiedlung ein neues Stellplatzmanagement eingeführt.
  • Es werden insgesamt 93 oberirdische Kfz-Stellplätze an den Randzonen des Quartiers errichtet, um einen autofreien Wohninnenbereich zu ermöglichen.
  • Es wird ein Parkraumbewirtschaftungsmodell eingeführt. Die Parkplätze werden den Wohnungen nach Bedarf zugeordnet und können gegen Entgelt von den Mietern genutzt werden.
  • Freie Stellplätze in der Tiefgarage werden bevorzugt den Bewohnern im Quartier angeboten.

Für insgesamt 397 Wohnungen (173Wohnungen im Neubau und 224 Wohnungen im Sanierungsabschnitt) werden 260 Parkplätze im Areal zur Verfügung stehen (173 Tief-garagenplätze und 93 Stellplätze oberirdisch). Somit ergibt sich ein Stellplatzschlüssel von 0,67. Als Puffer dient ein erweitertes Stellplatzangebot im öffentlichen Straßenraum.

Fahrradinfrastruktur:
Für den Sanierungsabschnitt sind standardisierte Fahrradabstellanlagen im Rastermaß 6 mal 6 Meter vorgesehen, die kostengünstig vorgefertigt werden können. Die Unterstände sind überdacht, absperrbar und durch eine transparente Gestaltung einsehbar. Zusätzlich kommen überdachte Radabstellanlagen zur Anwendung. Für die 397 Wohnungen werden dann immerhin 848 Fahrradstellplätze zur Verfügung stehen.

Anbindung an Bus und Bahn:
Der Anschluss an das Netz des öffentlichen Personennahverkehrs ist nahezu ideal. In fußläufiger Distanz befinden sich die zwei S-Bahn-Haltestellen Mülln-Altstadt und Aiglhof.
In unmittelbarer Nähe zur Wohnanlage stehen mehrere Obushaltestellen zur Auswahl und vervollständigen das hervorragende ÖV-Angebot.

Mobilitätsberatung:
Ein besonderes Highlight ist die persönliche Mobilitätsberatung für die BewohnerInnen der Strubergassensiedlung. Jeder Haushalt bekommt eine eigens produzierte Infomappe zugestellt und kann dann eine Beratung mit Schnupperangeboten in Anspruch nehmen.
Mag. Josef Reithofer
Stadtplanung MA 05 Stadt Salzburg