Almkanal

Erholungsraum

Die Kopfweiden beim Almkanal
Almkanal Kopfweiden

Der Weg entlang des Almkanales ist heute gemeinsam mit den Erholungswegen an der Salzach und an der Glan eine besonders wichtige Erholungswegachse.
Der Erholungsweg am Almkanal reicht dabei von der Stadtgrenze im Süden bis zur historischen Altstadt und zum Mönchsberg und führt vorbei an abwechslungsreichen Wiesen und Wäldchen und kleine Siedlungskernen.
Große Teile dieser Landschaften in Gneis Morzg und der Riedenburg stehen dabei unter Landschaftsschutz. Direkt am Almkanal liegt auch die idyllische Schleinlacke, ein kleiner Weiher, der einst als Retentionsraum für den Almkanals Bedeutung besaß. Hier liegen verschiedene Mühlen wie die Praxmayermühle oder die Pulvermühle der Stieglbrauerei.
Vom Almkanalweg zweigen verschiedene Wanderwege in die Wiesen- und Waldlandschaften ab und bereichern den Erholungswert weiter.
Begleitet werden die Spaziergänger fast überall von den alten urigen Kopfweidenbäumen mit ihren knorrig und oftmals gedreht Stämmen, die dem Weg ein besonderes Gepräge einen hohen landschaftlichen und ästhetischen Wert geben. Jeder alte Baum besitzt in hohem Maß seine besondere Eigenart und Charakteristik.

Surfen auf der Almwelle

Eine Surferin bei der Almwelle
Almwelle Surfwelle

Es ist ein sozialer Treffpunkt, es treffen sich Interessierte verschiedenen Alters mit dem Ziel zu surfen und die Natur zu genießen.
Die Surfwelle rauscht 150 m flussabwärts der Brücke Weidenstraße, am Heinrich-Meder-Weg, Obuskehre Birkensiedlung, in Gneis.
Für die Almwelle bitte beachten:
Benutzung auf eigene Gefahr und nur bei Tageslicht!
Für Anfänger ist es idealer, sich in einer berechenbaren, stehenden Welle an das Surfen herantasten zu können.
Fortgeschrittene und Profis schätzen die Almwelle als ganzjährig nutzbare Trainingsstätte.

Almkanal und Stiftsarmstollen - ein Kulturgut

Der Kulturweg beim Almkanal
Almkanal Kulturweg

Zur Zeit der dreiwöchigen Almkanalabkehr ist die Besichtigung des Stiftsarmstollens möglich. In den Führungen wird der alte Stollen nähergebracht:
Eindrucksvoll zu beobachten sind dabei die nach größeren Einstürzen der Jahre 1596, 1707 und 1790 wiederhergestellten Stollenteile in ihren unterschiedlichen Bauweisen - trapezförmigen Steinsätze, Spitzgewölbe oder Rundbögen.
Solche sanierte Stollenabschnitte der Geschichte sind oft mit eingemeißelten Jahreszahlen versehen.
Die Kanalsohle ist vielfach mit Marmorplatten ausgelegt, darunter auch Grabplatten aus dem ehemaligen Domfriedhof, der im Jahre 1603 von Erzbischof Wolf Dietrich von Raitenau aufgelassen worden war.
In der Mitte des Stiftsarmstollens zweigt ein Verbindungsgang zum westlich liegenden um 1560 angelegten Brunnstollen des Stiftes St. Peter ab, der bis heute zur Wasserversorgung des Klosters dient.

Wirtschaftliche Bedeutung

In Geschichte und Gegenwart
Der Stolleneingang beim Almkanal
Stolleneingang Almkanal

Der Almkanal war durch seine vielfältigsten Aufgaben für die Löschwasserversorgung, die Brauchwasserversorgung und auch für die zahlreichen Haustiere in der Stadt sowie die Bewässerung von landwirtschaftlichen Gütern sehr wichtig.
Die Trinkwasserversorgung der Stadt war vor der Errichtung des ersten Großspeichers auf dem Mönchsberg eng mit dem Almkanal verknüpft:
Zuerst oft direkt als Trinkwasser verwendet, wurde 1548 am städtischen Almkanalarm das Städtische Brunnhaus errichtet, das dann Jahrhunderte lang mit Hilfe der Kraft des Almwassers Salzachgrundwasser hochpumpte.
Bald wurden von hier aus verschiedene Leitungen für öffentliche Brunnen, für die Pferdeschwemmen, für Bäder und für Fischkalter errichtet.
1664 wurde das erzbischöflichen Brunnhaus errichtet, das mit der Kraft des neu errichteten Nonntaler Almkanales Trinkwasser aus Rohrleitungen von Hellbrunn zum Hofbrunnen (Residenzbrunnen) und zu Häusern des Nonnbergs und des Kaiviertels pumpte.
Der Almkanal leiste in früheren Jahrhunderten auch einen wichtigen Beitrag zur Stadtsäuberung. Die Getreidegasse etwa wurde einst jeden Samstag früh und vor Feiertagen durch gezieltes Überfluten mit Almkanalwasser gereinigt.
Auch der alte Fleischmarkt am Gries, der Vorläufer des heutigen Schlachthofes wurde Jahrhunderte lang regelmäßig mit Hilfe von Almwasser gereinigt. In salzachnahen Teilen diente der Almkanal auch direkt zur Abwasserentsorgung.
Besonders wichtig war der Almkanal in seiner langen Geschichte für den Betrieb verschiedenster Mühlen. Im 19. Jahrhundert trieb das Almwasser bis zu 120 Mühlräder an.
Die Festungsbahn wurde von ihrer Eröffnung 1893 bis ins Jahr 1960 mit Almkanalwasser betrieben. Auf der Bergstation wurde Wasser in die in die Wassertanks der talwärts fahrenden Bahn gepumpt und in der Talstation dieses Wasser abgelassen.
Die zunehmende Stromversorgung über Großkraftwerke führte in den nun folgenden Jahrzehnten zu einer schwindenden Bedeutung des Almkanals als Energieerzeuger. Aber auch heute noch leistet der Almkanal noch Einiges:
Auf ihrem Weg versorgt die Alm heute noch 14 Turbinen mit Wasser, darunter auch jene im ältesten Wasserkraftwerk Salzburgs. Diese Kleinkraftwerke erzeugen zusammen jährlich rund 8,5 GWh, was dem Stromverbrauch von etwa 2.400 Haushalten entspricht.
Auch Nutzwasser für Kühl- und Brauchwasser – darunter das Großes Festspielhaus - werden vom Almkanal entnommen, sechs größere oder kleinere Weiher werden ebenfalls vom Almkanal gespeist.
5500 Liter Wasser fließen dabei jede Sekunde von der Königseeache durch den zwölf Kilometer langen Almhauptkanal und seine sechs Kilometer langen Nebenarme in die Salzach.

Almkanal - Lebensraum

Schild beim Almkanal worauf steht, dass hier auch ein Lebensraum existiert.
Lebensraum Almkanal

Seit dem Mittelalter stehen wohl am Almkanal Kopfweiden, die ebenfalls für viele Aufgaben in der Stadt wichtig waren. Ihre Zweige dienten als wichtiges Baumaterial für die mittelalterlichen Fachwerkhäuser, deren Wände wesentlich aus den Weidenzweigen gewunden wurden, um dann mit Kalk verputzt zu werden. Sie waren aber auch Brennmaterial, Material zum Flechten von Körben und anderen Haushaltsgeräten und vieles mehr.
Der Bestand der Almkanalweiden - es ist der bei weitem größte und wohl auch älteste Bestand Österreichs -sind aber auch ein bedeutendster Lebensraum für die Tierwelt.
In den Bäumen am Almkanal leben heute aber auch seltenste Kleintiere, vor allem Urwaldreliktarten der Käferfauna.
Sieben Käferarten haben in den Almweiden hier ihr einziges bekanntes Vorkommen im Land Salzburg.
Besonders erwähnenswert ist der Eremit, Osmoderma eremita, Juchtenkäfer, der größte heimische Käfer im Land Salzburg, der landesweit unmittelbar vom Aussterben bedroht ist. Der Eremit ist auch EU-rechtlich besonders geschützt.
Die Art bewohnt als Larve alte, sonnenexponierte Kopfweiden aber auch Eichen und Linden mit großen Mulmhohlräumen. Die Höhlen von Kopfweiden sind auch für Kleinvögel und Spechte bedeutsam.

Ältester Wasserleitungssystems Mitteleuropas

Die Stiftsstollen beim Almkanal
stiftsstollen_almkanal.jpg

Der älteste Teil des heutigen Almkanales stammt vermutlich bereits aus der Zeit des Frühmittelalters. Schon 790 wird die alte Mühlenvorstadt Mülln erstmals urkundlich erwähnt, deren Mühlen mit dem Wasser des Riedenberger Baches, einem Vorläufer des Almkanales, betrieben wurden.
In der Stadt Salzburg selbst war im Hochmittelalter trotz der Nähe zur Salzach der Mangel an Wasser groß. Als im Jahr 1127 die Stadt - damals großteils aus hölzernen Fachwerkbauten bestehend - erneut brannte, wurde dies sehr deutlich.
In einem mutigen Schritt bauten in den Jahren 1136 bis 1143 das Domkapitel und das Stift St. Peter als größte Grundbesitzer der Stadt Salzburg gemeinsam den Stiftsarmstollen.
Er verläuft dabei hart an der Grenze zum harten Festungsbergdolomit im weicheren Konglomerat des Mönchsberges.
Das Wasser des Almkanales hatte mit dem Stiftsarm für das Stift St. Peter und dem Kapitelarm für das Domkapitel dabei viele wichtige Aufgaben: es diente zum Feuerlöschen, zum Betrieb von Mühlen, für das Gewerbe und nicht zuletzt auch für Landwirtschaft.
Nachdem der Almkanal schon 1160 bis zum Rosittenbach verlängert worden war, erfolgte 1286 zur gleichmäßigeren Wasserversorgung der Durchstich bis zur Königseeache, die damals Alm oder Albe hieß; ein Wort das vom lateinischen „albus“ die „Weiße“ abstammt. Der Kanal dieses Almbaches hieß daher seit diesem Durchstich Almkanal.
1338 leiteten die Bürger der Stadt mit Genehmigung von Erzbischof Friedrich III. in einem Stollen durch den Mönchsberg den Städtischen Arm vom Müllner Arm zum Bürgerspital ab, der in der Folge auch zahlreiche Mühlen, Schleifereien, Schmieden und Sägen antrieb.
Das 1548 unter Ernst von Bayern erbaute Städtische Brunnhaus versorgte als almwasserbetriebenes Grundwasserhebewerk bis zur Errichtung der Fürstenbrunner Wasserleitung einen Großteil der Häuser der Altstadt mit Wasser. Bald darauf wurde zu besseren Wasserversorgung der Stiftsarm in den Hofstallarm für das Hofstallgebäude und den Gamperarm aufgeteilt und der Kapitelarm in den Höllbräuarm und den Unteren Kapitelarm. Vom Stiftsarm zweigt im Nonntal seit 1664 der Nonntaler Arm ab.
Bis zum Ende des Fürsterzbistums blieb der Almkanal im Besitz der beiden ursprünglichen Eigentümer, dem Stift St. Peter und dem Domkapitel, zu denen ab 1566 als dritter Almherr der Fürsterzbischof hinzukam. Mit dem Ende des Fürsterzbistums übernahm zwischen 1803 bis 1937 der Staat die Verwaltung des Almkanales.
Seit 1937 ist der Almkanal genossenschaftlich organisiert. Nach 1970 bekannten sich Stadt, Land und Bund zu einer Generalsanierung des Almkanales. So konnte ein europaweit einzigartiges Kulturdenkmal erhalten und gesichert werden.