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Drehbuchentwicklungspreis 2017 der Stadt Salzburg vergeben

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abstract; Quelle: Wolfgang R. Fürst

Bild vergrößernPreisverleihung; Quelle: Honorarfreies Pressebild: Stadt Salzburg / Alex Hoerner

Preisverleihung; Quelle: Honorarfreies Pressebild: Stadt Salzburg / Alex Hoerner

Starker Stoff aus Salzburg - Drehbuchentwicklungspreise 2017 vergeben
Insgesamt 6.000 Euro Prämien und Mentorship für den Hauptpreis

Die Nachwuchsförderung sowie die Unterstützung von Filmprojekten schon zu Beginn der Entwicklungsphase bilden zwei Schwerpunkte im Bereich Filmförderung der Stadt Salzburg. Seit 2012 werden unter dieser Perspektive auch zwei biennale Preise vergeben: In geraden Jahren schreibt die Stadt den Nachwuchsfilmpreis „Simon S.“ aus, in den ungeraden Jahren wird der Drehbuchentwicklungspreis mit einer Gesamtdotierung von 6.000 Euro vergeben.

Gestern, 8. November, überreichte Vizebürgermeisterin Anja Hagenauer im Filmkulturzentrum Das Kino Preise für die drei besten Einreichungen zum Drehbuchentwicklungspreis 2017. Der Hauptpreis ging an das Team Christina Binder, Veronika Partenhauser und Daniel Limmer, für ihr Exposé „Drachenblut und Lindenblatt“, den zweiten Preis vergab die Fachjury an das Duo Karl Kvapil und Maximilian Widmaier für „Das Ordal“ und den dritten Preis an Bernhard Braunstein für „Paroli“.

Mit dem Preis gehe es um die Unterstützung „am ersten wichtigen „Knackpunkt“ auf dem Weg von der Idee bis zum erfolgreichen Film“, betonte die ressort-verantwortliche Vizebürgermeisterin Anja Hagenauer - nämlich den Stoff vom ersten Exposé ausgehend zu einem starken Drehbuch zu entwickeln.

Die Resonanz auf die Ausschreibung und die durchwegs hohe Qualität der eingereichten Exposés bestätige, dass man mit dem Preis am richtigen Punkt ansetze, freut sich auch Martina Greil, Filmreferentin in der Kulturabteilung und Organisatorin des Wettbewerbs.

Zum Wettbewerb 2017, den die Kulturabteilung wieder in Zusammenarbeit mit dem drehbuchFORUM Wien durchgeführt hat, wurden 14 Exposés mit dem Potential zum Spielfilmdrehbuch eingereicht und von einer unabhängigen Fachjury bewertet. Der diesjährigen Jury gehörten Hilde Berger (Drehbuchautorin, Schriftstellerin, Schauspielerin) Anne Garber (Produzentin, Autorin) und Christian Genzel (Regisseur, Autor) an.

Der Hauptpreis in Höhe von 3.000 Euro wird für die Weiterentwicklung des eingereichten Exposés zum Spielfilmtreatment vergeben. Zusätzlich bietet der Preis eine professionelle dramaturgische Betreuung bei der Ausarbeitung des Stoffes; auf Vorschlag des Wettbewerb-Partners drehbuchFORUM Wien wird die renommierte Drehbuchexpertin Corinna Antelmann das Preisträger-Team als Mentorin begleiten.
Der zweite und der dritte Preis wurden mit jeweils 1.500 Euro prämiert.

Spannend blieb es auch nach der Preisverleihung, mit der Vor-Premiere von Barbara Alberts neuem Spielfilm „Licht“, und einem Podiumsgespräch mit Regisseurin Albert, Drehbuchautorin Kathrin Resetarits und den beiden Mitwirkenden Katja Kolm und Lukas Milko, moderiert von drehbuchFORUM Wien-Chefin Wilbirg Brainin-Donnenberg.


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Hauptpreis an „Drachenblut und Lindenblatt“
von Christina Binder, Veronika Partenhauser und Daniel Limmer

Hinter einem fast märchenhaft klingenden Titel verbirgt sich eine realistische und harte Gegenwartsgeschichte, in deren Zentrum zwei Jugendliche mit unterschiedlichem sozialen Background stehen: Der Gymnasiast Tom, ängstlicher Einzelgänger ohne Freunde. Nur in Verkleidung als Krampus traut er sich an das Mädchen heran, in das er verliebt ist. Auf der anderen Seite der Kroate Ivo und seiner Schwester Tea, Kinder einer Flüchtlingsfamilie. Wegen einer Prügelei am Fußballplatz droht Ivo eine Gefängnisstrafe.
Zur verbindenden Figur wird der Streetworker Ali, bei dem Tom seinen Zivildienst leistet und Ivo den aufgebrummten Sozialdienst. Durch eine verschwiegene Gewalttat wird das Schicksal der Drei auf tragische Weise miteinander verbunden.

Die Jury sagt über „Drachenblut und Lindenblatt“: „Die Geschichte ist episodisch erzählt, mit interessanten Brüchen und spannenden Übergängen. Das Thema – Gewalt, Schuld und Vergebung – zieht sich von Anfang bis Ende durch und hat Potential für eine packende Handlung. Tom und Ivo versprechen interessante Filmfiguren zu werden, auch die Schwester ist nicht bloß auf eine Opferrolle reduziert, sondern eine spannende Rächerfigur.“

Christina Binder,
geboren 1989 in Gmunden, studierte Medientechnik und –design an der FH Hagenberg und seit 2015 im Masterstudiengang MultiMediaArt – Fachbereich Film an der FH Salzburg. Seit Juli 2016 hat sie ihre eigene Filmproduktion mit Sitz in Salzburg.

Veronika Partenhauser
geboren 1987 in Bad Tölz, studierte Kommunikationswissenschaften an der Uni Salzburg, sammelte Arbeitserfahrungen als Kamerafrau und Cutterin in München und gründete 2014 nebenberuflich ihre eigene Filmproduktion. Seit 2015 Masterstudium MultiMediaArt – Fachbereich Film an der FH Salzburg.

Daniel Limmer,
geboren 1989 in Hallein, beteiligte sich bereits zu Schulzeiten am Salzburger Jugendfilmfestival „Klappe“ und absolvierte verschiedene Praktika. Bachelor- und Masterstudium MultiMediaArt – Fachbereich Film an der FH Salzburg, daneben Produktion zahlreicher Kurzfilme; u.a. im Produktionsteam von „Emma“, Sieger im Instagram-Wettbewerb #15SecondScare von Eli Roth und Quentin Tarantino.

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Zweiter Preis an „Das Ordal“ von Karl Kvapil und Maximilian Widmaier

Salzburg im Hochmittelalter: Um die Familienehre und seine Schwester zu schützen, muss Thommen, ein junger unerfahrener Kutscher einen Kampf auf Leben und Tod gegen einen meisterlichen Schwertkämpfer austragen. Denn der wohlhabende Ehemann seiner gutgläubigen Schwester Sabine will eine neue, reichere Frau heiraten. Um eine Annullierung der Ehe zu erreichen, verbreitet der das Gerücht, sie hätte ein Verhältnis mit ihrem eigenen Bruder. Vor Gericht steht Aussage gegen Aussage, der fromme Richter ordnet ein „Ordal“ an – ein Gottesurteil. Ein gerichtlicher Zweikampf mit dem Schwert soll entscheiden, wer Recht hat.

Die Jury: „Ein spannender Stoff in einem beliebten wie auch ungewöhnlichen Setting: Historienfilme sind seit Jahren erfolgreich, Salzburg wurde als Handlungsort dafür aber bislang vernachlässigt. (...) Gleichzeit greift „Das Ordal“ ein interessantes Kapitel der Geschichte auf und entspinnt eine involvierende Geschichte rund um ein so genanntes „Gottesurteil“, bei dem eigentlich nur Verlierer geben kann.“

Karl Kvapil
Geboren 1987 in Wien, entdeckte seine Liebe zum Schreiben und zur Geschichte am Abendgymnasium Salzburg, beschäftigt sich ausgiebig mit der Darstellung mittelalterlischer Kampfkünste und Lebensweise.

Maximilian Widmaier
geboren 1978 in Salzburg, absolvierte ein Bachelor- und Masterstudium MultiMediaArt – Fachbereich Film an der FH Salzburg. Produktionserfahrung sammelte er beim Auslandspraktikum in Neuseeland, arbeitet als Content Manager und Motion Graphics Artist, unterrichtet Fotografie an der Grafik- und Medienabteilung der HTL Salzburg und ist seit 2011 im Vorstand des Vereins offscreen tätig.

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Dritter Preis an „Paroli“ von Bernhard Braunstein

Zwei Zivildiener, die sich anfänglich nicht leiden können, landen auf der Sterbestation eines katholischen Altersheims. Die unbekümmerten Jungs werden hinter dicken Klostermauern mit Tod, Krankheit und Intrigen konfrontiert. Als ihnen der eigenwillige Heimbewohner, Professor Schwarz, ein todsicheres System verrät, um beim Roulette garantiert zu gewinnen, nimmt ihr Leben eine dramatische Wendung.
Vor dem niederschmetternden Alltag im Altersheim flüchten sie nachts in die Parallelwelt des Casinos. Eine existenzielle Lebenserfahrung und ein wildes Delirium an der Kippe zum Erwachsen-werden.

Die Jury schätzt „die Echtheit der Szenerie – da schreibt jemand aus eigener Erfahrung. Das ist Gold wert. (...) Bereits im Exposé sieht man, dass viel Raum für witzige, mitunter zynische und authentische Dialoge ist. (...) Die zwei Figuren sind bereits sympathisch und interessant beschrieben. Sie entwickeln sich im Lauf des Films zu echten Kumpels, aus naiven Jungs werden in der harten Realität eines Altersheims charakterstarke Männer.“

Bernhard Braunstein
geboren 1979 in Salzburg, absolvierte seinen Zivildienst in einem Altenheim, studierte Kommunikationswissenschaften – Fachbereich Audivisuelle Kommunikation an der Uni Salzburg. Arbeitet als freier Dokumentarfilmregisseur, Cutter und Kameramann, zuletzt als Regisseur und Autor des Dokumentarfilms „Atelier de Conversation“ (2017).

Stand: 9.11.2017, Martina Greil