STRASSENNAMEN
Alois Lidauer

Lebenslauf

Geboren wurde Alois Lidauer unehelich am 4. April 1908 in Mauerkirchen, Bezirk Braunau (OÖ). Sein Vater Ferdinand Lidauer lebte zumindest seit Anfang des 20. Jahrhunderts in der Stadt Salzburg, ihm wurde am 20. August 1911 das Heimatrecht der Landeshauptstadt verliehen. Wenige Monate zuvor, am 7. Februar 1910, heirateten der nach Geboltskirchen (OÖ) zuständige Hilfsarbeiter und die aus Mauerkirchen stammende Hausfrau Anna Lidauer, geb. Firk, in der Kirche St. Andrä. Den Regelungen des Heimatrechts entsprechend war Alois Lidauer wie seine Mutter zunächst nach Mauerkirchen zuständig; 1926 wurde ihm ein Heimatschein der Stadt Salzburg ausgestellt. Seine am 5. Juli 1913 geborene Schwester Maria Anna / Marianne kam ehelich in Salzburg zur Welt und war nach Salzburg zuständig. Sie wurde in Mühlegg getauft. Ferdinand Lidauer, der in den 1920er Jahren seine Familie als Hausmeister ernährte, war ein Funktionär der frühen Salzburger NSDAP. Er kandidierte bei der Wahl zum Salzburger Gemeinderat 1923 für die Partei an 20. Stelle.

Über den künstlerischen Werdegang von Alois Lidauer ist relativ wenig bekannt, die vorhandenen Informationen scheinen auf eigenen Angaben des Bildhauers zu beruhen. Alois Lidauer ging mit 14 Jahren bei einem Holzbildhauer in Salzburg in die Lehre, die er mit der Gesellenprüfung abschloss. Parallel dazu belegte er Abendkurse in Zeichnen und Modellieren an der Staatsgewerbeschule in der Stadt Salzburg bei Robert Trimmel und Sepp Piffrader, dem späteren Leiter des Gaukulturamtes der NSDAP Salzburg.

In die Zeit seiner Ausbildung zum Bildhauer fiel auch sein Beitritt zum „Wehrjugendbund Schill“, später in „Schilljugend“ bzw. „Bund Ekkehard e.V.“ umbenannt. Die Nachfolgeorganisation der Deutschen bzw. Nationalsozialistischen Arbeiterjugend wurde im August 1924 in Salzburg vom ehemaligen Freikorpsführer und Nationalsozialisten Gerhard Roßbach gegründet, der nach dem gescheiterten Putschversuch Adolf Hitlers im November 1923 über die deutsch-österreichische Grenze geflohen war, in Hinterthal am Fuße des Hochkönigs Asyl gefunden hatte und dort unter dem Pseudonym Dr. Georg Richter lebte. Nach seiner Entlassung aus Landsberg erklärte Adolf Hitler die Schilljugend 1925 zur offiziellen Jugendbewegung der NSDAP. Sie blieb dies bis Oktober 1926 und gilt somit als Wegbereiterin und teilweise Vorläuferin der Hitlerjugend. Auf Gerhard Roßbach, der im Jänner 1926 nach Deutschland zurückkehrte, geht auch die Gründung der „Spielschar Ekkehard“ als ‚künstlerische‘ Sparte der Schilljugend zurück. „Volkskunstabende“, bei denen deutsche Theaterstücke, Tänze und Gesang zum Besten gegeben wurden, bildeten den Kern der völkisch, kulturkonservativ und antidemokratisch ausgerichteten Darbietungen. Wann genau Alois Lidauer zur Schilljugend und zur Spielschar Ekkehard stieß, ist bislang unklar. Nach Aussagen ehemaliger Schilljungen scharte er spätestens 1926 eine Gruppe in der Stadt Salzburg um sich, die in der Hohe-Stock-Kaserne auf der Festung Hohensalzburg ein eigenes Jugendheim unterhielt. Nachweislich nahm Lidauer zudem im ersten Jahr der Spielschar 1926/27 neben Andreas Schaber und Walter Mösenbacher als einer von drei Salzburgern an einer mehrmonatigen Tournee durch Deutschland teil, im Rahmen derer sie u. a. für den Rheinlandsender und den Münchner Rundfunksender Lieder sangen. Auf dem Weg zu einem Konzert in der Schweiz fand am 1. Juli 1927 der insgesamt 298. „Spielabend“ der Spielschar im Salzburger Festspielhaus statt, an dem laut Salzburger Chronik „über 20 österreichische und deutsche Buben, sowie auch einige Mädel“ mitwirkten.

1930 eröffnete Alois Lidauer sein erstes Atelier in der Stadt Salzburg. Sein weiterer künstlerischer Weg führte den jungen Mann an die Kunsthochschule Weimar, wo er zu den Schülern von Richard Engelmann zählte, und von 1. Juli 1932 bis 19. April 1934 an die Königliche Kunstakademie in Stockholm in die Klasse von Nils Sjörgren. Im Jänner 1935 berichtete er über seinen Aufenthalt in Schweden in einer Sendung von Radio Stuttgart. Bis März 1936 folgten Studienreisen durch Österreich, Deutschland und Italien. Ein von Landeshauptmann Franz Rehrl befürwortetes Ansuchen um ein Stipendium für eine Lehrfahrt nach Rom wurde vom Bundesministerium für Unterricht „mit Rücksicht auf die derzeitige staatsfinanzielle Lage, die die grösste [sic] Zurückhaltung bei der Inanspruchnahme seiner Kredite erheischt“, nicht positiv beurteilt. Laut seinen nach 1945 getätigten Angaben war Alois Lidauer von 1. März 1936 bis 30. Juni 1938 in Stuttgart wohnhaft.

Über Alois Lidauers Engagement in der Schilljugend, die 1933 zum Teil in die Hitlerjugend (HJ) eingegliedert, zum Teil in den Reichsluftschutzbund überführt wurde, sowie über seine politische Betätigung für die nationalsozialistische Bewegung schweigen sich sämtliche Sekundärquellen aus. Nur bruchstückhaft lassen sich die Verbindungen des jungen Künstlers zur NSDAP und zur HJ rekonstruieren. Alois Lidauer gab nach 1945 an, im März 1937 in Stuttgart um Aufnahme in die HJ angesucht und am 1. April 1937 aufgenommen worden zu sein. In der NS-Jugendorganisation brachte er es bis zum Rang eines Hauptgefolgschaftsführers (entspricht dem Offiziersrang eines Hauptmannes im Heer). Im gleichen Meldebogen gab er als Datum seiner Rückkehr in seine Heimatstadt Salzburg den 1. Juli 1938 an, das dem Salzburger Meldeschein beigefügte Meldeblatt vermerkt jedoch bereits den 14. Mai 1938. Ab wann Alois Lidauer wieder dauerhaft in Salzburg aufhältig war, lässt sich nicht mehr auf den Tag genau rekonstruieren. Es ist jedoch anzunehmen, dass er wohl bereits ab März 1938 hier lebte, denn zwei Wochen nach dem „Anschluß“ stellte er im Schaufenster des Albus-Reisebüros am vorübergehend als „Adolf-Hitler-Platz“ bezeichneten Makartplatz zunächst seine HJ-Holzplastik Der Pimpf, daraufhin eine Büste Adolf Hitlers aus. Einem Zeitungsbericht zufolge orderte die Stadt Stuttgart für ihr Rathaus von dieser „Führerbüste“ einen „Original-Abguss“. Laut Auskunft des Stadtarchivs Stuttgart existiert in den dort einliegenden Akten jedoch kein Hinweis auf einen Ankauf dieses Werkes durch die damalige Gauhauptstadt des Gaues Württemberg-Hohenzollern. Die „Führerbüste“ selbst, die ursprünglich für den Festsaal der Gauleitung in der Residenz vorgesehen war, blieb in Salzburg, denn Otto Kunz berichtete am 15. November 1938 im Salzburger Volksblatt über die vom im Salzburger Landesarchiv tätigen Archivar Herbert Klein „auf Anregung des Reichspropagandaamtes Salzburg“ organisierte Sonderschau „Sippenkundliche Quellen aus Salzburger Archiven“. Dem Rezensenten zufolge beherrschte die „räumlich gediegene Anordnung der Schau“ ein „seelischer Mittelpunkt, die Führerbüste von Loisl Lidauer, ein geistig starkes Werk in straffer, konzentrierter Formung, aus der auch die Wärme echten Menschentums spricht“. Die Büste wurde schließlich vom Stadtmuseum, dem heutigen Salzburg Museum, angekauft und zumindest ein weiteres Mal im Rahmen der Ausstellung „Heimatliches Kulturerbe“ im Mai 1942 im Stadtsaal des Festspielhauses öffentlich gezeigt: „Im Empfangsraum an einer Blumenwand die große, repräsentativ gestaltete Führerbüste von Loisl Lidauer.“ In den Beständen des Salzburg Museum gibt es sowohl für den Ankauf keine Belege als auch über den Verbleib der Büste keine Hinweise.

Ein weiterer Anhaltspunkt für eine Rückkehr des Künstlers nach Salzburg im März 1938 ist die Tatsache, dass Alois Lidauer am 5. April 1938 das Aufgebot für seine Hochzeit mit der um vier Jahre jüngeren Salzburgerin Gertrude Swatschek bestellte, einer am Mozarteum ausgebildeten Klavierlehrerin, deren Vater Max Swatschek ehemaliger Inhaber der Mayrischen Buchhandlung war und der in den 1930er Jahren eine Kunsthandlung in der Bergstraße führte. Am Tag, an dem Alois Lidauer das Aufgebot bestellte, traten er und Gertrude Swatschek aus der katholischen Kirche aus. Gleichzeitig suchte er um Verkürzung des Anschlags an der Amtstafel an, damit die Verehelichung am Standesamt Salzburg an einem symbolträchtigen Datum, am 20. April 1938, dem Geburtstag von Adolf Hitler, stattfinden konnte. Es war dies nach Landesstatthalter Albert Reitter und SS-Untersturmführer Ferdinand Braun die dritte Zivileheschließung in der Stadt Salzburg nach dem „Anschluß“. Getraut wurde das Ehepaar Lidauer vom provisorischen Magistratskommissiär Bruno Schmid. Am 3. September 1938 meldete sich Alois Lidauer aus dem Haushalt seiner Eltern in der Neuhauserstraße 32 in Gnigl ab und bezog seinen ordentlichen Wohnsitz im Eckhaus Auerspergstraße 41 / Paracelsusstraße 6, in dem die Familie Swatschek bei Wilhelm und Maria Promok zur Untermiete lebte. Als Quartiergeber war Alois Lidauer selbst eingetragen, demzufolge wohnte das Ehepaar in einer eigenen Wohnung. Im November 1938 kam der erste von drei Söhnen im Sanatorium Wehrle zur Welt, der zweite wurde im Jänner 1941 und der dritte zwei Wochen nach Einmarsch der US-Armee in Salzburg im Mai 1945 geboren.

Da für Alois Lidauer weder in der NSDAP-Gaukartei noch in der NSDAP-Zentralkartei im Bundesarchiv Berlin Karten überliefert sind, die Auskunft über seine Parteimitgliedschaft geben, kann diese nur anhand der eigenen Angaben des Künstlers im Entnazifizierungsfragebogen rekonstruiert werden. Dort erklärte Alois Lidauer, im April 1938 das Ansuchen um Aufnahme in die NSDAP gestellt zu haben und von 1. Mai 1938 bis zum 14. Mai 1940 – dem Tag seines Einrückungstermins zur Wehrmacht – Mitglied der Partei gewesen zu sein. Dass er selbst den 1. Mai 1938 als offizielles Aufnahmedatum angibt, lässt vermuten, dass er eine Mitgliedsnummer zwischen 6.100.001 und 6.600.000 aus dem für Österreicherinnen und Österreicher reservierten „Illegalenblock“ erhalten hatte.

Wenig ist über Alois Lidauers künstlerisches Schaffen bis in die unmittelbare Nachkriegszeit bekannt, wenige Werke sind erhalten bzw. können ihm zugeschrieben werden. Zeitgleich mit der Übersiedlung des Bildhauers in die Auerspergstraße (in der NS-Zeit: Straße der SA) fand im Künstlerhaus eine Ausstellung Salzburger Künstlerinnen und Künstler statt, darunter war auch Alois Lidauers Porträtbüste des NS-Reichssportführers Hans von Tschammer und Osten. Unter den ausstellenden Künstlerinnen und Künstlern wurden im September 1938 die Salzburger Kunstpreise vergeben. Die Jury, die sich aus einem Vertreter des Landeskulturwalters – also einem politischen Funktionär – sowie einem Vertreter der Stadtgemeinde Salzburg und dem kommissarischen Leiter des Salzburger Kunstvereins zusammensetzte, erkannte Alois Lidauer neben Luise Spannring, Karl Weiser, Alberto Susat und Elfriede Mayer einen von fünf Geldpreisen des Kunstvereines zu.

In den Salzburger Zeitungen wird Alois Lidauer in den kommenden Jahren nicht mehr aufgrund seines künstlerischen Schaffens erwähnt, wenige Monate nach der Kunstvereinsausstellung jedoch in seiner Funktion als HJ-Führer. Damit „die kunstbegeisterte Jugend an den großen Salzburger Kunstdarbietungen Anteil nehmen“ könne, rief der Salzburger Gauleiter Friedrich Rainer im Juli 1939 das Werk „Jugend zur Kunst“ ins Leben. Um den NS-ideologischen Einfluss zu garantieren, übertrug er die Leitung der Salzburger HJ. Und auch die Adressatinnen und Adressaten wurden klar benannt: „Der Kreis der Berechtigten besteht aus der gesamten Salzburger HJ., ferner aus der kunstbegeisterten HJ. der übrigen Gaue, der Jugend des männlichen und weiblichen Arbeitsdienstes und insbesondere auch aus Kunstschülern sowie aus jung gebliebenen Künstlern, die mit der HJ. in Verbindung stehen.“ Bei einer Besprechung im Bischofssaal der Residenz erklärte HJ-Bannführer Eduard Danzinger, „dass er innerhalb der Kulturabteilung des Gebietes Salzburg ein Referat ‚Jugend zur Kunst‘ errichtet und den Kulturabteilungsleiter Hauptgefolgschaftsführer Loisl Lidauer mit der Leitung dieses Referates beauftragt“ habe. Unklar ist, ob Lidauers Wirken als Kulturabteilungsleiter der Salzburger HJ eine hauptberufliche Tätigkeit war. Im NS-Registrierungsbogen gab er als Beschäftigung vom 1. Juli 1938 bis zum 14. Mai 1940 „Kulturreferent der H.J.“ an und die Salzburger Adressbücher 1940 und 1942 führen ihn als „Beamten“, es finden sich jedoch keine Hinweise auf ein Dienstverhältnis mit dem Gau Salzburg. Ob Alois Lidauer tatsächlich das Werk „Jugend zur Kunst“ leitete, bleibt fraglich. In den Zeitungsberichten über die Veranstaltungen, die fast ausschließlich von musikalischen Darbietungen des Mozarteumorchesters unter der Leitung von Willem van Hoogstraten im Großen Saal des Mozarteums und gelegentlich von Vorstellungen im Landestheater berichten, taucht der Name Alois Lidauer nicht auf. Im Juni 1940 stand im Salzburger Volksblatt zu lesen, Oberstammführer Hans Stöger habe zu Beginn der letzten Veranstaltung der Saison 1939/40 darauf hingewiesen, dass den sechs Orchesterkonzerten und sechs Theaterabenden insgesamt 12.000 Jugendliche beigewohnt haben. Ob dies bedeutet, dass Stöger, Blutordensträger und Leiter der Presseabteilung der HJ-Gebietsführung, Alois Lidauer ersetzt hat, bleibt zu klären.

Den Angaben von Alois Lidauer im Zuge der NS-Registrierung zufolge trat er vier Tage nach Beginn des Westfeldzugs am 14. Mai 1940 seinen Dienst in der Wehrmacht an. Er gehörte der Luftwaffe an und avancierte bis zum Feldwebel, einem mittleren Unteroffiziersrang. Am 21. Juni 1945 wurde er offiziell aus der Wehrmacht entlassen. Über seine Zeit als Soldat im Zweiten Weltkrieg ist nichts bekannt.

Warum Alois Lidauer nach seiner Entlassung aus der Wehrmacht nach Obertrum, Au 47, zog, ist bislang unklar. Anzunehmen ist, dass sich seine Ehefrau Gertrude mit den beiden Söhnen und dem neugeborenen Säugling ebenfalls in der Flachgauer Gemeinde aufhielt. Am 3. November 1948 meldete sich Alois Lidauer jedenfalls von Obertrum kommend wieder in der Stadt Salzburg an. Als Wohnorte gab er einerseits die Paracelsusstraße 6, also die alte Wohnadresse, andererseits die Hellbrunnerstraße 3, also das Künstlerhaus, an, wo er seit 1947 bereits wieder ein Atelier unterhielt. Er war demzufolge bereits kurz nach Kriegsende erneut als Künstler in seiner Heimatstadt tätig. Der Großteil der Werke von Alois Lidauer, der nach dem Krieg wieder in die katholische Kirche eintrat, sind nach 1945 der religiösen Kunst zuzuordnen. Dazu zählen beispielsweise ein Kreuzweg in der Pfarrkirche Lend (1954), aber auch eine Eichenbüste des Wiener Kardinals Theodor Innitzer (1952). Außerdem schuf Lidauer Kriegerdenkmäler u. a. in Dorfgastein (1950) oder bei der Evangelischen Pfarrgemeinde in Salzburg (1952). Eines der bekanntesten Werke des Salzburger Künstlers ist das denkmalgeschützte monumentale Reiterstandbild bei Dürnstein in der Wachau (1958), das an jener Stelle platziert wurde, an der die Donau im Mittelalter durchquerbar war. Weitere nicht-sakrale Skulpturen in der Stadt Salzburg sind etwa jene des Paracelsus mit Schwert (1959) vor dem Haus Kaigasse 8, in dem der Arzt 1541 drei Tage vor seinem Tod sein Testament aufgesetzt hat, oder die Bronzefigur des Flötenspielers (1962) in der Orangerie des Schlossgartens Mirabell. Der freischaffende Bildhauer Alois Lidauer übernahm nach dem Tod von Prof. Rigobert Funke 1960 die Funktion als Präsident der Berufsvereinigung bildender Künstler Österreich, Landesverband Salzburg. Er blieb dies bis zu seinem Tod. In seinem letzten Lebensjahrzehnt erhielt Lidauer zwei Aufträge für Skulpturen von Kirchen in den USA. Am 5. August 1966 meldete er sich behördlich in Salzburg ab, um für die Trinity Lutheran Church in Camp Hill (Pennsylvania/USA) seine Statue The Instructive Christ zu realisieren. Ein Bericht der Kirche wusste über die Genese dieses Auftrags zu berichten:„A member of the church saw some of the artist’s work while in Austria, and he and several others paid to bring him to the United States. Lidauer sent a small model of the statue to the church, and after it won approval came to do the job.” Auch ein Interview wurde mit dem Künstler geführt, in dem er den US-amerikanischen Auftraggebern einen klaren Einblick in seine antimodernistische Kunstauffassung gewährte: “Most of the artist’s works are religious. ‘For the responsible artist, his creation is also a religious undertaking,’ Lidauer says. ‘I think the artist has the same task as a priest or a pastor in his work – he gives the people a sermon. (…) We should not let ourselves be misdirected by the deformations, distortions and misshapings which press upon us from a large part of contemporary, so-called ‘modern’ art.” Nach Fertigstellung der Skulptur kehrte Alois Lidauer nach Salzburg zurück und meldete sich am 23. August 1967 schließlich wieder bei der Stadtgemeinde an. Als Adresse gab er erneut das Künstlerhaus in der Hellbrunnerstraße 3 an. 1974 ging er ein weiteres Mal in die USA, wo er für die Trinity Lutheran Church mit der Skulptur The Good Shepherd sein letztes vollendetes Werk schuf.

Alois Lidauer hielt zumindest bis in die 1960er Jahre Kontakt zu Gerhard Roßbach und den ehemaligen Schilljungen sowie den Mitgliedern der Spielschar Ekkehard, die sich nach dem Zweiten Weltkrieg wieder zusammengefunden hatten und sich regelmäßig trafen. Anlässlich des 70. Geburtstags von Gerhard Roßbach 1963 wurde der Künstler mit der Erstellung einer Bronzebüste des Schilljugend-Gründers beauftragt, für die Roßbach dem Salzburger Bildhauer in Hamburg und Salzburg Modell saß. Im Rahmen einer Feier überreichte Lidauer dem alten Freund und Anführer dieses Werk und führte in seiner Rede aus, „daß wir, deine alten Jungen und Mädel, als Männer und Frauen dir treugeblieben sind, dir danken für das, was du uns für unser ganzes Leben mitgegeben hast, und daß wir dich auch heute ebenso verehren wie eh und je“.

Während der Arbeiten an einer Bronzeplastik für das österreichische Parlament und an einem Brunnen für eine deutsche Stadt starb Alois Lidauer am 24. Mai 1975 in Salzburg, er wurde am Salzburger Kommunalfriedhof beigesetzt. Die Stadt Salzburg und die Trinity Lutheran Church veranstalteten vom 20. Juni bis 3. Juli 1977 parallel eine Gedenkausstellung für den Verstorbenen in den USA und in Salzburg.

Den Bildhauer Alois Lidauer und sein Werk sucht man in den einschlägigen Lexika vergebens. Weder im von Hans Vollmer herausgegebenen Allgemeinen Lexikon der bildenden Künstler des XX. Jahrhunderts noch in den beiden Auflagen des Salzburger Kulturlexikon sind entsprechende Artikel zu finden. Durchwegs negativ fällt das Urteil von Anton Gugg über Alois Lidauers Kunstwerke nach 1945 aus: „Lidauers Auffassung von Plastik kommt einer Reduktion auf die trivialsten Aspekte der inhaltlichen und formalen ‚Verständlichkeit‘ gleich. Seine Heiligen, ‚Guten Hirten‘, Legenden- und Sagengestalten, die an Brückenpfeilern, an Wänden, vor Naturkulissen denkmalhaft-starr ihre feierliche Botschaft verkünden, sind weit eher Signale im plakativsten Sinn als ernstzunehmende Kunstwerke. Kaum ein anderer Künstler hat das Bildhauerische so in Stereotype von Haltung, Gebärden, Gesichtern enden lassen. Das Pseudo-Monumentale, das die großformatigen Figuren wie aus dem Katalog eines Steinmetzes erscheinen läßt, weicht bei den Kleinfiguren in Holz und Bronze einer kaum weniger schablonisierten Lieblichkeit und Frömmigkeit. Letztere steigert sich zum Beispiel in der Josefsgruppe der Salzburger Loretokirche (1951) zu sakralem Kitsch in Rokoko-Manier.“

Im Oktober 1975 bat die Kulturverwaltung der Stadt Salzburg die Berufsvereinigung der bildenden Künstler Österreichs, Landesverband Salzburg, um Informationen zu Alois Lidauers Lebensweg und Werk, da die Stadtgemeinde beabsichtigte, eine Straße „in einem Neubaugebiet“ in Salzburg-Aigen nach dem Künstler zu benennen. In seiner Antwort vom 4. November bedankte sich der Landesverband für diese Ehrung ihres ehemaligen Präsidenten. Angeschlossen waren dem Brief ein ausführlicher Lebenslauf (unter Aussparung von Alois Lidauers Tätigkeit für die HJ) und ein Werkverzeichnis (unter Aussparung von Alois Lidauers NS-verherrlichenden Kunstwerken). Die Benennung der Alois-Lidauer-Straße wurde am 1. Dezember 1975 in der Gemeinderatssitzung beschlossen.

Weitere Informationen

Stand: 6.9.2017, Hans-Peter Miller