STRASSENNAMEN
Kriterien und Kategorien

Kriterien und Kategorien für Straßennamen nach NS-belasteten Personen:

Die mahnende Erinnerung an die NS-Zeit spielte nach 1945 bei Straßenbenennungen – abgesehen von einer kurzen Phase nach Kriegsende – keine Rolle. Bis in die 1980er Jahre legten Stadtregierung und Gemeinderat andere politische und moralische Maßstäbe an, denen zufolge es offensichtlich unhinterfragte Praxis war, Straßen auch nach NS-belasteten Personen zu benennen. Es fehlte zudem das Bewusstsein, für einen Namensvorschlag den gesamten Lebenslauf zu berücksichtigen. Darüber hinaus ermöglichten erst die Öffnung der Archive und wissenschaftliche Forschungen der letzten Jahre das – oft bewusst verschwiegene oder geschönte – Handeln der Menschen im Nationalsozialismus umfassender zu rekonstruieren.
In diesem Wissen würden heute etliche Verkehrsflächen in der Stadt Salzburg nicht mehr nach Personen benannt werden, die eine enge Verbindung zum NS-Regime aufwiesen. Dies bedeutet jedoch im Umkehrschluss nicht, dass alle diese Straßen umbenannt werden sollten.
Der Fachbeirat für Straßennamen sieht es als seine Aufgabe an, basierend auf wissenschaftlichen Biografien von NS-belasteten Straßennamensgeber/innen, die vom Stadtarchiv Salzburg erarbeitet werden, der Politik Entscheidungshilfen für weiterführende Maßnahmen zu geben.

In die Bewertung der Personen sind im Verhältnis zur Gesamtbiografie
A)   die Haltung und Äußerungen zum Nationalsozialismus und der Umgang mit der eigenen NS-Vergangenheit nach 1945 sowie
B)    besondere Verdienste und/oder überregionale Bedeutung für die Stadt Salzburg
miteinzubeziehen.

Folgende Kriterien dienen zur Beurteilung und Einordnung gravierender Fälle, die intensiverer Diskussion bedürfen:

1. Verantwortung für physisches und/oder psychisches Leid im Sinne von „Verbrechen gegen die Menschlichkeit“ (§ 321a Strafgesetzbuch) und/oder Kriegsverbrechen  

2. Beteiligung an verbrecherischen Handlungen wie Zerstörungen, Plünderungen oder Vermögensentzug (Enteignung, „Arisierung“, Kunstraub etc.)

3. Propagierung der NS-Ideologie (besonders Antisemitismus, Rassismus etc.) und/oder intensive Förderung des Regimes von führender (politischer, künstlerischer, wirtschaftlicher bzw. wissenschaftlicher) Position aus

Nach Berücksichtigung dieser Kriterien und Bewertungen werden NS-belastete Personen, nach denen Straßen benannt sind, nach drei Kategorien klassifiziert:

Kategorie 1: Das Ausmaß der NS-Verstrickung ist im Verhältnis zur Gesamtbiografie nicht derart gravierend, dass diese im Kurztext der Erläuterungstafel angeführt, sondern nur auf der Website der Stadt Salzburg im Eintrag im digitalen Stadtplan (www.stadt-salzburg.at/strassennamen) und im Fall von wissenschaftlichen Neuerkenntnissen zur Person in der NS-Zeit auf der NS-Homepage thematisiert wird.

Kategorie 2: Die NS-Belastung wird auf der Erläuterungstafel angeführt, auf der Website der Stadt Salzburg im Eintrag im digitalen Stadtplan (www.stadt-salzburg.at/strassennamen) ausführlich erläutert und auf der Website des NS-Projekts der Stadt Salzburg (www.stadt-salzburg.at/ns-projekt) wissenschaftlich fundiert dargestellt.

Kategorie 3: Aufgrund der gravierenden NS-Verstrickung besteht Diskussionsbedarf für die politischen Entscheidungsträger/innen, ob mit einer Erläuterungstafel das Auslangen gefunden wird oder eine Umbenennung in Erwägung gezogen werden soll. Im Falle einer Umbenennung wird mit einer Erläuterungstafel auf diese Vorgangsweise hingewiesen.

 

Weitere Informationen

Stand: 18.4.2018, Hans-Peter Miller