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Felssicherung

Bergputzer, die Historie

Bild vergrößernBergputzer 7 2014; Quelle: Honorarfreies Pressebild: Stadt Salzburg / Johannes Killer

Bergputzer 7 2014; Quelle: Honorarfreies Pressebild: Stadt Salzburg / Johannes Killer

Bild vergrößernBergputzer im Einsatz; Quelle: honorarfreies Pressebild: Stadtgemeinde Salzburg, J. Killer

Bergputzer im Einsatz; Quelle: honorarfreies Pressebild: Stadtgemeinde Salzburg, J. Killer

Bild vergrößernAbklopfen des Gesteins; Quelle: Honorarfreies Pressebild: Stadt Salzburg / Johannes Killer

Abklopfen des Gesteins; Quelle: Honorarfreies Pressebild: Stadt Salzburg / Johannes Killer

Seit Jahrhunderten sichern die Salzburger Bergputzer den Fels von Mönchsberg, Kapuzinerberg, Rainberg, Festungsberg  und Hellbrunner Berg, das sind insgesamt Flächen von 250.000 bis  300.000m² Fels. 

Die Stadt Salzburg besitzt mit ihren aufragenden Stadtbergen mitten in der Altstadt einen einzigartigen weitläufigen Grünraum. Die Abhänge der Berges stellen aber auch eine Gefahr dar. Bergstürze am Mönchsberg und am Kapuzinerberg sind seit dem Mittelalter bekannt. Besonders gefährlich und stark mit Klüften durchsetzt war seit jeher der Fels des Mönchsberges zwischen dem Sigundstor (Neutor) und dem Klausentor. Auch der brüchige Kapuzinerberg-Dolomit birgt vor allem im Nordabfall und Westabfall seit Jahrhunderten besondere Gefahren.

Felssturz vom 16. Juli 1669 - schwersten Bergsturzkatastrophe
Zwischen 2 und 3 Uhr morgens lösten sich damals riesige Felsmassen von den steilen Felswänden im Nordosten des Mönchsberges und zerstörten die Markuskirche, das „Seminarium Alumnorum", die Lieb-Frauen-Kapelle, auch Berglkirche genannt und 13 Häuser „in der Gstätten", wie die Häuser der heutigen Gstättengasse und am Ursulinenplatz damals genannt wurden. Insgesamt kamen bei diesem schrecklichen Unglück 230 Menschen ums Leben. Viele der Toten waren Bürger, die damals unverzüglich begannen, mögliche Überlebende zu bergen, aber dabei selbst von einem nachfolgenden Bergsturz verschüttet wurden. Alle diese Toten wurden damaligen Bürgerspitalfriedhof nächst der Bürgerspitalkirche beerdigt.
Ursache des Unglücks war einerseits das besonders kluftreiche Konglomeratgestein und andererseits wurde festgestellt, dass zu viele Keller, Gewölbe und Kammern dicht nebeneinander in den Fels führten und der Berg dadurch so ausgehöhlt worden war und dass die darüber hängenden Felsmassen nachgaben. Poröses Gestein, Eis, Wasser, Hitze und Kälte taten das Ihre.

Angeblich war nach dem Bergsturz der Schuttberg so hoch, dass man fast bis auf den Plateauberg hinauf gelangen konnte. Die Stadt brauchte zehn Jahre, um den riesigen Schuttberg ganz zu entfernen. Lange blieb der dortige Raum unbebaut, zu groß war die Furcht vor neuen Bergstürzen.

Erstmals urkundlich erwähnt wurde diese Felsputzarbeit als 'Säubern' des Felses bereits im Jahr 1574. Also schon vor 1669 wurde der Fels im Auftrag der Bürgerschaft mehrfach von Bergputzern gesäubert, die damals meist Bergskarpierer oder allgemein Steinbrecher genannt wurden. Seit 1669 werden die Felsen der inneren Stadtberge regelmäßig geputzt. An der Außenmauer der Ursulinenkirche in der Gstättengasse erinnert heute eine Marmortafel an das schreckliche Unglück. Im 19. Jahrhundert bürgerte sich der heutige Name des 'Bergputzers' ein. Mit der gefährlichen Arbeit beauftragte man in der Regel bergkundige Steinbruch-Arbeiter, wie sie in der Stadt an verschiedenen Orten tätig waren oder aber der Bergknappen vom Dürrnberg.

Nachdem in einem einem gewaltigen Bergsturz in der Christnacht des Jahres 1768 der gesamte Hundstein-Gipfel  im Lungauer Lignitztal ins Tal gedonnert und dort weite Almflächen verschüttet hatte, wurde in  einer eigenen „Hofrathsverordnung“  des Jahres 1778 festgelegt, dass der Berg jährlich zu besichtigen, zu befahren und zu säubern ist. Zuerst hatte dabei die Stadtgemeinde ein Drittel der Kosten zu tragen.
Bereits seit 1870 ist der Magistrat Salzburg allein für die Betreuung der Stadtberg-Felsen zuständig.

Dr. Reinhard Medicus

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Stand: 18.1.2017, Richilde Haybäck