Räumliche Energieplanung

Seit dem Beginn des Masterplans 2012 arbeitet die Stadt Salzburg strukturiert an der Entwicklung aller notwendigen Grundlagen für die Einführung einer räumlichen Energieplanung. Die räumliche Energieplanung hilft der Stadt dabei die erneuerbare Energieaufbringung an strategisch richtigen Orten zu ermöglichen und die Verteilung so effizient wie möglich zu gestalten. Vor allem im Bereich der Wärmeversorgung spielt das eine große Rolle, da sie noch vor der Mobilität der größte Verursacher von Treibhausgasemissionen ist – trotz der erreichten Reduktionen im Gebäudesektor. Für die städtische Wärmewende spielt die Fernwärme eine zentrale Rolle. Wärmenetze werden als Schlüssel zur Integration erneuerbarer Energieträger in die Wärmeversorgung gesehen. Die Forcierung von Wärmenetzen, deren intelligente Planung und Ausbau im Raum sowie deren Versorgung mit erneuerbaren Energiequellen sind Kernaktivitäten im Bereich der räumlichen Energieplanung.

Zwei Gründe sprechen dafür:
 

1. Wärmenetze bilden die Basis

Wichtige nachhaltige Energiequellen wie beispielsweise Abwärme können nur über Netze erschlossen werden. Wärmenetze bieten darüber hinaus Vorteile bei der gleichzeitigen Integration verschiedener erneuerbarer Energiequellen und erlauben so eine Minimierung des Bedarfs an fossilen Brennstoffen über den Jahresverlauf. Zentrale Wartung und intelligente Steuerung erschließen zusätzlich Effizienzpotenziale und bieten Komfortvorteile und Versorgungssicherheit für die Nutzer.

2. Optimierte Verteilung von erneuerbarem Energiepotential braucht räumliche Planung

Das heißt beim Einsatz von Wärmepumpen oder Erdsonden sind bestimmte Abstände einzuhalten, damit die Technologien einwandfrei arbeiten. So muss die Nutzung der sogenannten Umgebungswärme aus dem Grundwasser und Erdreich unbedingt räumlich geplant werden. 

Ziel der Smart City ist es, in den nächsten Jahren ausgewählte Instrumente der Energieraumplanung in Stadtplanungsprozessen zu etablieren. Energieraumplanung soll dort angewendet werden, wo sie ökologisch und ökonomisch direkten Nutzen stiftet.

In Pilotentwicklungen werden bereits Energieraumanalysen angewendet. Die Energieraumanalyse ist eine spezielle Standortbewertung die detaillierte Auskunft über die Gegebenheiten am jeweiligen Projektstandort und dem umliegenden Gebiet gibt. Sie umfasst unter anderem Information über die Wärmeverbrauchsdichte, Wärmequellen, Solarpotenziale, Gas- und Fernwärmenetze, Sanierungspotenzial der Umgebung, ölversorgte Gebäude oder Potentiale weiterer Energieträger. Seit 2021 stehen sie automatisiert für jedes einzelne Grundstück der Stadt zur Verfügung stehen. Bei Interesse kann eine Energieraumanalyse für größere Projekte bei der Smart City Salzburg angefragt werden. Zeitgleich wurden im neuen „Räumlichen Entwicklungskonzept“ (REK) der Stadt Salzburg Leitlinien für die künftige Wärmeversorgung beschlossen. Mit dem innovativen Ansatz der Energieraumplanung liefert die Smart City einen weiteren Baustein zur smarten Stadtentwicklung.

Projekt: Stadtwerk Lehen – nachhaltige Stadtteilentwicklung mit neutraler CO2-Bilanz

Faktenbox

  • 2.047m² thermische Solaranlage
  • Speicherung der Wärme in einem zentralen 200.000 Liter Puffer
  • Ca. 15 Prozent mehr Ertrag der Solaranlage durch eine integrierte Wärmepumpe
  • 20,16 kWp PV-Dachanlage für die Stromversorgung von Lüftung, Wärmepumpe, Tiefgaragenbeleuchtung etc.
  • 30 kWp PV-Anlage der Salzburg AG im näheren Umfeld
  • Jede Wohnung verfügt über eine Wärme-Übergabestation + Bedarfszählung von Heizung und Warmwasser
  • Eine gut sichtbare LED-Anzeigetafel informiert über den Energieverbrauch
  • 30 Prozent weniger Energiebedarf durch Niedrigenergiebauweise
  • 68% der Primärenergie und 76% CO2-Einsparungen im Vergleich zu ölbeheizter Wohnanlage
  • Testanlage für Smart Meter
  • Projektlaufzeit: 2008 – 2013[MN1] [M2] 

Kooperationspartner:innen:

Energieversorger: Salzburg AG (Betreiber Fernwärme und Großsolaranlage)

Bauträger[MN3] : gswb gemeinnützige Salzburger Wohnbaugesellschaft mbH. (Errichtung Wohnbauteile A – F, Kindergarten)
HÖ–Heimat Österreich, gemeinnütz. Wohnungs- und Siedlungsges.mbH. (Errichter Wohnbauteil G – J, Studentenheim)

Architekten:Transparadiso ZT KG (Barbara Holub, Paul Rajakovics), Wien / Arch. DI. Bernd Vlay, Wien /  Arch. DI. Christoph Scheithauer, Salzburg / Arch. DI Dietmar Feichtinger, Wien

Externe Berater:  SIR – Salzburger Institut für Raumordnung& Wohnen – Koordination EU-Projekt, Leitung begleitende Forschung und Dokumentation
STZ – Steinbeis Transferzentrum Energie-Gebäude und Solartechnik (D-Stuttgart) – Projektierung, Simulation und Monitoring Solaranlage.

 

Dieses Projekt wurde aus Mitteln der Europäischen Union im Rahmen der Initiative „Concerto II / Green Solar Cities“ gefördert.

Fazit:

287 geförderte Mietwohnungen, ein Studentenheim mit 97 Betten, ein fünf-gruppiger Kindergarten, die neue Stadtgalerie, sowie Räume in der Sockelzone für Geschäfte, Gemeinschaftsräume und soziale Stellen machen in Summe das Stadtwerk Lehen aus. Ein Stadtteil, der mit energiesparender Bauweise und einem hohen Anteil an Sonnenenergie-Nutzung in wirtschaftlicher und nachhaltiger Weise in einem fernwärmeversorgten Gebiet umgesetzt wurde. Ein europaweit beachtetes Beispiel für nachhaltige Stadtteilentwicklung mit neutraler CO2-Bilanz.

Kontakt:
Inge Straßl, SIR