Kapuzinerberg

Höchster Stadtberg

Der Kapuzinerberg  erhebt sich  am rechten Ufer der Salzach 210 m hoch über die Stadt Salzburg und umrahmt  gemeinsam mit dem Mönchsberg und dem Festungsberg die Altstadt der Stadt Salzburg. 
Er ist mit seinen steilen Flanken und seiner breiten Bergkuppe Großteils aus grob geschichtetem Dachsteinkalk aufgebaut. Die Nordflanke des Kapuzinerberges und sein östlicher Ausläufer, der Fürberg bestehen weitgehend aus einem kluftreichen und oberflächlich brüchigen Hauptdolomit. Der Berg hat für die Stadt vielfältige Bedeutungen.

Dder Kapuzinerberg im Winter mit Altstadtblick
Kapuzinerberg im Winter mit Alststadtblick

Stadtjäger und Stadtförster, Forst- und Jagdexperte
Amt für öffentliche Ordnung
Adresse: Schwarzstraße 44, 5024 Salzburg
Tel: +43 662 8072 3142
Fax: +43 662 8072 2068
E-Mail: ordnungsamt@stadt-salzburg.at
Ing. Manuel Kapeller
Josef Brawisch

Wege auf den Kapuzinerberg

Ein weg welcher von Linzergasse auf den Kapuzinerberg führt
Weg von der Linzergasse auf den Kapuzinerberg

Der Fahrweg auf den Berg und die elf Kalvarienbergkapellen
1596 ließ Fürsterzbischof Wolf Dietrich einen besseren Weg auf den Berg errichten, um die Zufahrt zum künftigen Kapuzinerkloster schon während der Bauzeit zu erleichtern. Die seitlichen Treppen, teils aus dem Fels gehauen, teils aus Untersberger Marmor gefertigt, wurden in den Jahren nach 1744 für den Kalvarienberg errichtet.
Die elf Kalvarienbergkapellen auf dem Kapuzinerberg sind ein volksnahes Zeugnis der Religiosität des 18. Jahrhunderts.
Die Figuren dieser Kapellen wurden nach 1740 von namhaften Salzburger Künstlern geschaffen, etwa von Lorenz Hörmbler und von Josef Bergler dem Älteren. Der größte Teil der eindrucksvollen Figuren stammt aber von Joseph Anton Pfaffinger, von dessen Hand auch andernorts in Salzburg nicht wenige Figuren erhalten sind.
Die Andachtsorte gliedern sich in drei Gruppen von je drei Kapellen, zwischen die sich die Kerkerdarstellung der Felixpforte und die große offene Kreuzigungskapelle mit ihren besonders eindrucksvollen Skulpturen einfügen. Drei weitere Kapellen wurden im Umfeld der Kalvarienkapellen errichtet, von denen zwei erhalten sind, sodass dort ursprünglich 14 Kapellen vorhanden waren.
Drei Wege führen von der Stadt auf den Berg:

  • der Basteiweg als Fahrweg vom Franziskustor in der Linzergasse aus mit denelf Kalvarienbergkapellen und
  • im Nordosten der Doblerweg von der Fürbergstraße aus.
  • die Imbergstiege von der Steingasse aus,

Basteiweg
Der Basteiweg an der Südseite des Berges wurde vom Salzburger Stadtverein in den Jahren nach 1929 errichtet. Ursprünglich bestand hier ein Weg für die Soldatenschaft. Der Weg bietet an einigen Stellen eine gute Aussicht auf die Altstadt.
Doblerweg
Dieser Weg führt seit 1883 vom östlichen Ausläufer des Fürberges - vorbei an den letzten Resten der einstigen Lodronschen Wehranlage - zum Franziskischlössl. Der obere Teil des Wanderweges führt dort aufwärts, wo sich in fürsterzbischöflicher Zeit eine Soldatenstiege befand. Benannt ist der Weg nach einem von 1815-1879 dort wohnhaften Metzgermeister. Über die Verdienste des Metzgers für die Kapuzinerberg-Wege ist wenig bekannt.

Imbergstiege: Aufgang Kapuzinerberg von der Steingasse
Imbergstiege: Aufgang Kapuzinerberg von der Steingasse

Die Imbergstiege bestand schon im Mittelalter, im Jahr 1671 wurde sie von Fürsterzbischof Max Gandolf als hölzerne Treppe mit einem Holzdach erneuert.
Die Seitenwände der Treppe waren innen einst mit zahlreichen Votivbildern und Andachtsbildern versehen und besaßen auch zwei Kapellen.

Vor allem zu Ostern, zu Weihnachten und zu Christi Himmelfahrt, aber auch in der Fastenzeit, zu Dreikönig und am Sonntag nach dem Portiuncula-Tag (am 2. Oktober jeden Jahres wurde des Heiligen Franziskus und dessen Kapelle in Portiuncula gedacht) kamen in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts zahlreiche Wallfahrer hierher, wobei am Ende stets die Andacht in der Kapuzinerkirche stand.

Eine Gedenktafel an der Imbergstiege verweist darauf, dass im Jahr 1756 anlässlich des Portiuncula-Ablasses, die hölzerne Treppe der Belastung durch die vielen Gläubigen nicht stand hielt und damals sechs Personen erdrückt wurden.

Erholungsraum

Eine Sitzbank im Erholungsgebiet der Stadtberge umgeben von Bäume
Erholungsgebiet Stadtberge

Der Erholungsraum wird für die Bevölkerung und als zusätzliche Attraktion für Touristen, für Generationen gesichert.
Der Kapuzinerberg mit seinem weiten Plateau ist ähnlich wie der Mönchsberg ein Berg der Naherholung, ein Berg der Wanderer, der Sportler und der Hundebesitzer.
Auch viele Touristen besuchen den Berg - vor allem die Kapuzinerkirche, die Kalvarienbergkapellen und das Mozartdenkmal.
Ein guter Teil der Besucher wandert aber weiter bis zum Franziskischlössl.
Der Kapuzinerberg weist kleinklimatische Verhältnisse wie im Hochgebirge auf. Durch die Nordseite und den 420 bis 640 m Seehöhe ist der Kapuzinerberger eher schattig, kalt, felsdurchsetzt, steinig und mit Fichte, Latsche, Bergahorn und Buche und auch Heidelbeeren bewachsen.
Neben den Gämsen auf dem Kapuzinerberg gibt es in den Stadtwäldern Rehe, Dachse, Marder und Eichhörnchen.
Auch Uhus oder Bussarde finden hier einen guten Lebensraum vor.
Beim einstigen landschaftlichen Wächterhäuschen oberhalb des Klosters teilen sich die altstadtseitigen Wege in Richtung Franziskischlössl. Der breite Fahrweg führt auf direktem Weg zum Franziskischlössl, der nördliche Seitenweg führt über Stufen nahe der Felskante zum gleichen Ziel und ein dritter Weg leitet am Südrand des Plateaus an den dortigen Wohnhäusern vorbei zum Schlösschen.
Ein weiterer Weg mit den bekannten Ausblicken auf die Altstadt und die Festung führt von der Hettwerbastei unterhalb des Klosters entlang der Wehrmauern aufwärts.

Gamswild als 'Wahrzeichen'

Gämse am Kapuzinerberg
Gamswild als 'Wahrzeichen'

Wahrzeichen für die Naturnähe und die Ursprünglichkeit der Stadt Salzburg
Diese wohl weltweit einzigartige Kolonie mitten in einer Stadt wird gehegt und gepflegt.
1948 verirrte sich ein Gamsbock auf den Kapuzinerberg. Ob er vom Untersberg, wie erzählt oder doch vom nahegelegenen Kühberg kam, weiß man nicht so genau.
Heute leben rund ein Dutzend Gämsen auf dem Kapuzinerberg
Die vertrauten Salzburger Bergputzer sehen unsere Gämsen täglich, die aufmerksamen Waldbesucher müssen sich schon etwas ruhig verhalten.
Als Sachverständiger für die Jagd hat Kapeller behördliche Aufgaben zu erfüllen. Seine Herzensangelegenheit sind aber freilich auch die Gämsen auf dem Kapuzinerberg. „Zwei bis dreimal pro Woche fahr ich rauf und kümmere mich um sie.“ Die Gämsen werden mit Heu und Laub versorgt. Im Winter gibt‘s zusätzlich eine Getreidemischung zur Fütterung. „Das sind sie ja gewohnt“, meint  der Stadtjäger.
Stadtförster Manuel Kapeller: Mein Ziel ist die Erhaltung dieser einzigartigen Tierpopulation auf dem Salzburger Hausberg. Der Ist-Stand der Tiere wird jährlich erhoben. Es dürfte sich insgesamt um rund ein Dutzend Gämsen handeln. Gemeinsam mit dem Land und dem Zoo wolle die Stadt weiterhin dafür Sorge tragen, dass ein gesunder Gamswildbestand auf dem Stadtberg beheimatet ist.

Wehrbauten

Der alte Wehrturm am Kapuzinerberg
Wehrturm Kapuzinerberg

Schon im 13. Jahrhundert stand auf dem Kapuzinerberg ein großer Wehrturm, der Trompeterturm. Dieser breite romanische Wohnturm sicherte einst das sog. Ostertor nach Norden, das Steintor nach Süden und die Brücke über die Salzach. Diesen Wehrturm ließ Fürsterzbischof Wolf Dietrich zu einem Kloster ausbauen.

In den Jahren von 1629 bis 1632 sicherte Santino Solari im Auftrag von Paris Lodron den gesamten Berg mit neuen Verteidigungsbauten.

Wehrmauer und ihre 14 kleine Wachtürmchen, früher „Gaffen“ oder „Auslug“
Besonders wichtig war zur Sicherung des Kapuzinerberges und der Rechten Altstadt die gut 1800 m lange Wehrmauer im Süden und Südosten des Berges. Auf skarpierten Felsen aufgesetzt, war sie mit vielen vorspringenden und rückspringenden Abschnitten wehrstrategisch gut ausgestaltet. An wichtigen vorragenden Eckpunkten der Wehrmauer finden sich 14 kleine Wachtürmchen, die früher „Gaffen“ oder „Auslug“ genannt wurden. 100 m unterhalb des Franziskischlössls befand sich früher ein gut geschütztes Ausfalltor in der Wehrmauer, das heute an der Innenseite eingeschüttet ist.

Die Kavaliere und Basteien
Östlich des Franziskischlössls ist die alte Lodronsche Verteidigungsmauer und die dortigen erhöhten Wehranlagen auf dem Grat des Fürberges nur in kleinen Resten erhalten. Einst führte die Wehrmauer vom Franziskischlössl zum Gnigler Kavalier, hinunter, einer Geschützplattform, die heute ein bekannter Aussichtsort  nach Osten ist. In fürsterzbischöflicher Zeit hatte dieser Kavalier die Aufgabe, den Talraum mit dem einstigen Wehrbau der Gnigler Schanze von oben zusätzlich zu sichern.

Die größte Geschützstellung auf der Nordseite des Kapuzinerberges ist - aus dem Kalkfels herausgeschlagen - der langgestreckte Obere Kavalier. Kleine Steintafeln erinnern dort an eine Stadtbereitschaft der Freiwilligen Feuerwehr in den Jahrzehnten nach 1900. Dieser Kavalier besteht aus zwei verschieden hoch gelegenen Teilen, die mit einer Steintreppe miteinander verbunden sind. Von dort führt ein Weg zum Unteren Kavalier, der seinerseits wieder mit einer aus dem Felsen herausgearbeiteten Treppe mit der Wachstube des einstigen Linzertores verbunden war. Die beiden Kavaliere im Norden des Kapuzinerberges haben heute wichtige Bedeutung als Aussichtsplattformen. Der Untere Kavalier dient zudem Kletterern als Übungsgelände.

Den nordwestlichen Eckpunkt der Verteidigungsanlage des Kapuzinerberges bildet die Felixpforte, die über einige aneinander gereihte Basteien mit der Hettwerbastei und den darüber liegenden Basteien des Kapuzinerklosters verbunden ist. Diese Plattformen sicherten von oben her den Raum der inneren Linzergasse und der inneren Steingasse samt dem Raum um das Platzl und die Stadtbrücke.

Kapuzinerkloster und Klosterkirche

Ein wunderschöner Wintertag am Kapuzinerberg
Kapuzinerkloster und Klosterkirche

Der Brüderorden der Kapuziner, einst Franziskaner-Eremiten genannt, wurde 1529 in Rom gegründet.
Fürsterzbischof Wolf Dietrich berief im Jahr 1596 Brüder dieses Ordens nach Salzburg. Hier bewohnten sie zuerst das Benefiziantenhaus neben der Imbergkirche, bis sie 1599 in ihr neues Kloster übersiedelten. Heute ist das Kloster das erste gemeinsame Noviziat aller deutschsprachigen Kapuzinerprovinzen.
Die im inneren sehr schlicht gestaltete Klosterkirche der Kapuziner wurde 1602 fertig gestellt und geweiht, der beschauliche große Klostergarten kam wenig später hinzu. Bemerkenswert ist das zweiflügelige gotische Holztor der Kirche mit seinen Eichenholzschnitzreliefs, die im Jahr 1450 gefertigt wurden und noch aus dem alten Salzburger Münster stammen.
Die zwölf kunstvollen Felder der Türe zeigen Maria mit dem Kind, Johannes den Täufer und zehn Aposteln.

Paschingerschlössl, Anwesen Spaur, Wasserbehälter

Außenansicht des Kapuzinerklosters
Kapuzinerkloster

Das Paschingerschlössl (Stefan Zweig Villa)
Das Schlösschen ist urkundlich erstmals 1639 genannt. Es wechselte häufig seinen Besitzer und wurde mehrfach umgebaut. Die einheitliche Fenstergliederung erhielt das Gebäude im 19. Jahrhundert. Ein Gedenkstein im Garten erinnert an einen Besuch von Kaiser Franz Josef. In dem Schlösschen wohnte zwischen 1919 und 1934 der Dichter Stefan Zweig, nach dem auch der Hauptweg zum Franziskischlössl benannt ist.  Auch eine Büste vor dem Kapuzinerkloster erinnert an den großen österreichischen Dichter und Denker.

Das Anwesen Spaur
1860 gelang es dem k. k. Oberleutnant Phillip Graf Spaur, vom Militär-Ära der Monarchie größere Grundflächen auf dem Kapuzinerberg zu kaufen. Die Spaur-Villa wurde um 1865 erbaut und nach 1900 umgebaut. Das alte Militär-Backhaus wurde zu einem Gesindehaus umgestaltet, die alte Zisterne zu einem Kellerraum. Das 1871 errichtete Palmenhaus wurde in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts zu einem Atelier umgestaltet, und im Zweiten Weltkrieg schwer beschädigt 1950 neu errichtet. Das oberste Haus, das einstige Gärtnerhaus, war in der Zwischenkriegszeit zeitweise als Gasthaus bzw. als Jugendherberge genutzt.  

Die Hochbehälter
im Raum des Kapuzinerberges wurden drei große Wasserbehälter errichtet. Der älteste Behälter aus dem Jahr 1875 fasste 715 m³, der zweite, der Gersberg-Hochbehälter aus dem Jahr 1890 war 1000 m³ groß. Diese beiden Hochbehälter befinden sich nächst dem Unteren Kavalier an der Nordseite des Berges. Der neue Großbehälter am Kapuzinerberg besitzt einen Eingang von der Fürbergstraße aus, er wurde bereits im Jahr 1974 eingereicht, konnte aber erst 1991 fertig gestellt werden. Er fasst 25.000 m³ und ist damit gleich groß wie der Großbehälter im Mönchsberg. Mit dem Bau der neuen Speicher wurden die beiden älteren Behälter des Kapuzinerberges stillgelegt.

Lebensraum seltener Tiere und Pflanzen

Bei einem Spaziergang auf dem Kapuzinerberg wildtiere gesichtet
Wild am Kapuzinerberg auf Spazierweg

Der größte Teil des Waldes wird am Kapuzinerberg von Rotbuchenbeständen bedeckt, in denen Pflanzen wie das Langblättrige Waldvögelein (eine Orchideenart) und das Alpenveilchen gedeihen. Der Südhang des Kapuzinerbergs wird Groß­teils von einem trockenen Buchenwald mit eingestreuten Edellaubhölzern wie Stieleiche, Winterlinde, Feldulme, Esche und Bergahorn bedeckt.
Als Rest der einstigen Weideflora ist hier an sonnigen Stellen noch der Färber-Ginster zu finden, eine sehr selten gewordene Pflanze extensiver Weidelandschaften.  In den kühlen Felswänden im Norden, gedeihen einige Alpenpflanzenarten, die sonst nur in Höhen über 1600 m vorkommen. Eine der bekanntesten Pflanzen ist hier die Behaarte Almrose und deren  kleine Schwesternart, die Zwerg-Almrose. Direkt über der Einfahrt zur Glockengassen-Garage wächst in Felsritzen die Alpen-Aurikel.
1948 verirrte sich vom Kühberg kommend ein Gämsbock auf den Kapuzinerberg.
Vier Jahre später wurde diesem einsamen Tier eine halbzahme Geiß aus der Steiermark zugesellt. Diese beiden Tiere begründeten die Kapuzinerberg-Gämsenkolo­nie, die heute auf 10 bis 14 Stück angewachsen ist.
Eine Besonderheit der Kapuzinerbergfelsen ist weiteres der Kolkrabe, ein typischer Bewohner der Alpen. Von besonderer Bedeutung für die Amphibienwelt am Kapuzinerberg sind drei Tümpel, die Jahrhunderte lang als Wasserspeicher für den Klostergarten der Kapuziner genutzt wurden. Im näheren und weiteren Umfeld der Tümpel leben die Erdkröte, der Feuersalamander und der Alpenmolch.