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Mirabellgarten

Pegasus - die Bronzeskulptur

Bild vergrößernPegasus Brunnen mit Blick auf die Festung; Quelle: Stadtgemeinde Salzburg, J. Killer

Pegasus Brunnen mit Blick auf die Festung; Quelle: Stadtgemeinde Salzburg, J. Killer

Bild vergrößernPegasus Brunnen; Quelle: Stadtgemeinde Salzburg, J. Killer

Pegasus Brunnen; Quelle: Stadtgemeinde Salzburg, J. Killer

Bild vergrößernPegasus - die Bronzeskulptur; Quelle: Honorarfreies Pressebild: Stadt Salzburg / Johannes Killer

Pegasus - die Bronzeskulptur; Quelle: Honorarfreies Pressebild: Stadt Salzburg / Johannes Killer

Unzählige Male wurde das geflügelte Pferd aus Bronze als prächtiger Hintergrund von Hochzeitsfotos abgelichtet. Wenige wissen aber über die Geschichte der Skulptur oder die mythologische Bedeutung des Pegasus Bescheid.

Der Innsbrucker Metall-Kunstgießer Kaspar Gras, ein „Erzfürstlich Österreichischer Possierer“, der auch das Denkmal von Erzherzog Leopold in Innsbruck gestaltet hatte, stellte das Werk 1661 im Auftrag von Erzbischof Guidobald Graf Thun für eine Pferdeschwemme am Kapitelplatz her. Das zugehörige Wasserbecken diente einst dem praktischen Zweck, Pferde waschen und tränken zu können. Auf dem Kapitelplatz blieb das geflügelte Ross dann bis um 1700. Dann übersiedelte die Pegasus-Skulptur zur alten Pferdeschwemme auf den Mirabellplatz. Dieser Platz war damals im Westen von der barocken Fassade des Schlosses, gegenüber von einer schmucken Kaserne, der „Neuen Türnitz“ mit ihren Marställen, und im Norden und Süden jeweils von mächtigen Torbögen begrenzt. Mit der Aufwertung der dortigen Pferdeschwemme wollte der jüngere Halbbruder von Erzbischof Johann Ernst von Thun das Umfeld seiner Sommerresidenz Mirabell kunstvoller ausgestalten. 1732 wurde diese Pferdeschwemme von Felix Anton Danreiter neu gestaltet und vergrößert, wobei der Pegasus an seinem Platz blieb. Neu hinzu kamen aber die beiden Einhörner und die beiden Löwen, die vermutlich aus Schloss Klesshem stammen und heute in der Nähe des Pegasusbrunnens im Mirabellgarten zu sehen sind.

Nach dem großen Brand in der Neustadt 1818, dem nicht nur der Turm über der Hauptfassade des Schlosses, sondern auch viele Häuser am rechten Salzachufer zum Opfer fielen, musste die Pferdeschwemme mit dem Pegasus erneut weichen. Die Bronzeskulptur wurde nun vorläufig eingelagert, man vergaß sie dabei aber bald. 1836 wollte man sie beinahe versteigern, da man ihren künstlerischen Wert und die geschichtliche Bedeutung nicht erkannte.

1842 erhielt das Flügelross auf dem damaligen „Hannibalplatz“, dem heutigen Makartplatz einen neuen Standort. Schon 1859 kam aber die Figur wieder ins Depot des neugegründeten Städtischen Museums „Carolino Augusteum“.

Erst 1913 erinnerte man sich wieder der alten Pferdeskulptur und stellte Pegasus nun auf die aus Konglomeratsteinen aufgebaute Felsenbrücke in der Mitte eines alten runden Brunnenbeckens im Mirabellgarten auf.

Im Mirabellgarten passte Pegasos vortrefflich in seine Umgebung mit den übrigen Statuen und Skulpturen. Gleich westlich der Statue befand sich ja  das Vogelhaus, das damals nicht nur von verschiedenen Singvögeln und einem großen Greifvogel bevölkert war, sondern auch von einigen Wildtieren, die in winzige Tiergehegen gehalten wurden, deren traurige Gefangenschaft übrigens erst 1940 endete.

In der griechischen Mythologie ist Pegasus das Kind des Meeresgottes Poseidon (der für den Liebesakt den Körper eines Pferdes angenommen hatte) und der Medusa, jene Gorgone mit dem bekannten Schlangenhaar, deren glühender Blick jeden sofort zu Stein erstarren ließ.

Als der tapfere Perseus im Auftrag von Polydektes, dem König der Insel Seriphos, Medusa enthauptete, entsprang Pegasus dem Nacken der sterbenden Mutter. Pegasus seinerseits wurde von Bellerophontes mit einem goldenen Zaumzeug bezwungen. Das Flügelpferd diente seinem Herrn dann sehr erfolgreich im Kampf gegen die Chimäre und die Amazonen. Als Bellerophontes aber übermütig wurde und in den himmlischen Olymp getragen werden wollte, warf ihn Pegasus erzürnt ab und half fortan wieder den Göttern und trug dabei etwa für den Göttervater Zeus Donner und Blitz.

Durch den Hufschlag des Pegasos entstand nicht nur der Brunnen in Troizen. Pegasos schlug auf Geheiß von Zeus auf dem Gebirge auch die  „helikonische Quelle“. Die griechische Sage berichtet dabei, dass er vom Dienst bei Göttervater Jupiter zu Eos, der lieblichen Göttin der Morgen­röte, wechselte. Als der Berg Helikon beim Gesangswettbewerb der Musen vor Entzücken immer höher in den Himmel wuchs, brachte ihn erst Pegasus mit einem Hufschlag auf seine Spitze zur Ruhe. Dabei entsprang an dieser Stelle die Quelle Hippokrene, die jeden, der aus ihr trinkt, in Begeisterung versetzt. Als Dichterpferd, auf dessen Rücken sich Poeten in schöpferische Höhen schwingen, erscheint Pegasos erst in der Zeit der Romantik.

Die Skulptur im Mirabellgarten zeigt dabei Pegasos in jenem Augenblick, in dem er grazil in die Lüfte erhebt. So wird der Brunnen unter dem Pferd zur Quelle Hippokrene und der kleine Fels zum Berg Helikon. Diese Quelle bekam schon auf dem Kapitelplatz einen wichtigen christlichen Bezug, indem Pegasus auf das Kreuz der nahen Domkuppel hinblickte. Als Guidobald von Thun zum Kardinal erhoben wurde, entstand ein symbolträchtiges Bild im Auftrag des Fürsten, der das Horn der Wappentiere der Thun zeigt, in dem das Wasser der symbolischen Helikon-Quelle gesammelt wird, um den Strahl in einen oben geöffneten Globus zu leiten.
Damit wird Erzbischof als Bauherrn gewürdigt, es soll damit aber auch die Wohltätigkeit und tätige Frömmigkeit des Erzbischofs auf Erden dargestellt werden. Übrigens blickt auch an dem heutigen Standplatz die Skulptur des Pegasos genau auf den Dom. 
Dr. Reinhard Medicus

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Stand: 18.6.2014, Richilde Haybäck