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Kultur
 
Kulturservice und Förderung
Kulturplakatpreis

Preisverleihung 2015

Am 16. September wurde der Kulturplakatpreis 2015 im ORF Landesstudio Salzburg zum 9. Mal vergeben von Kulturlandesrat Dr. Heinrich Schellhorn, Bürgermeister Stellvertreterin Mag. Anja Hagenauer, ORF  Chefredakteur Gerd Schneider, Fred Kendlbacher und Dominik Sobota, Geschäftsleiter der Progress Werbung.
Alle waren restlos begeistert, die Sujets waren groß ausgestellt, Agenturen und Auftraggeber nahmen die Trophäen entgegen. „Ich bin stolz auf diese Intitiative“, so Progress Werbung Geschäftsführer Fred Kendlbacher, „und stolz auf die Salzburger Kreativszene. Das ist Weltniveau.“
Dem pflichtet auch Bürgermeister Stellvertreterin Mag. Anja Hagenauer bei: „Plakate, die provozieren, Stellung beziehen, politisch im besten Sinne des Wortes.“
„Was draußen ist, ist diskursfähig“, ergänzt Kulturlandesrat Dr. Heinrich Schellhorn und weist auf die soziale Funktion der Außenwerbung hin: „Sie macht auf Kunst aufmerksam.“

Der Kulturplakatpreis besteht aus zwei Komponenten: Geldpreis (3.000, 2.000 und 1.000 Euro) sowie Sachpreis in Form von Freiflächen für das kommende Jahr (300, 200 und 100). 

Fazit: ein gelungenes Fest im ORF Landesstudio Salzburg, beste Stimmung, herausragende Plakatkunst – und ein spannender Vortrag von Dr. Marc Bieling, Geschäftsführer von den Draussenwerbern Berlin zu einem besonderen Jubiläum: 160 Jahre Litfaßsäule. „Dagegen sind wir ein jugendliches Medium“, scherzt ORF Landesdirektor Roland Brunhofer: „aber Außenwerbung zeigt, dass sie sich immer neu erfunden hat. Wie Fernsehen auch.

PREISTRÄGER/INNEN 2015 - 9. SALZBURGER KULTURPLAKATPREIS

1.Preis

“Invisible Violence“
Ausstellungsplakat des Salzburger Kunstvereins

„Invisible Violence“ lautete das Ausstellungsthema des Salzburger Kunstvereins im Frühjahr dieses Jahres. Die Gestaltung des Plakates verweist auf die inhaltliche Thematik des Ausstellungsprojektes. Zentraler Ausgangspunkt ist nicht die augenscheinliche, offensichtliche Folge von Gewalt, sondern ihre oft nicht vordergründige Auswirkung auf bestehende Systeme, ob nun gesellschaftlicher Natur, oder wie hier sinnbildhaft in gestalterischer Form.
Der Ausstellungstitel wird in 6 verschiedenen Sprachen angeführt, davon ist neben Englisch, Deutsch und Spanisch auch Irisch, Serbisch und Baskisch vertreten. Damit wird auf drei europäische Regionen verwiesen, die seit langer Zeit mit dem Stereotyp von Gewalt und Terror verknüpft werden.
Subtil werden die Wörter gleichsam gestalterischer Gewalt ausgesetzt:„E“ wird aus den Wörtern herausgerissen und durch die Platzhalter „Unterstrich“ die Fehlstellen markieren, in rot ersetzt. Andere rote „E“ erscheinen wiederum in deformierter Form, als ob sie mit den fehlenden “E“ unter Druck zusammengefügt worden wären.
Letztendlich verweist auch die grafische Gestaltung des Stuhls des auf das Resultat von unsichtbarer, nachwirkender Gewalt: egal ob man sich selbst das Bein stellt, oder es gestellt bekommt… das Resultat bleibt gleich: man verliert den Halt…

2. Preis

„Interlab Festival“
Plakat des Festivals für transdisziplinäre Leerstandsnutzung

Schon im Titel des Plakates dieses Preisträgers wird auf den Inhalt dieses außergewöhnlichen Festivals verwiesen.
Es handelt sich um eine experimentelle Laborsituation in leerstehenden Gewerberäumen mit Teilnehmern aus verschiedensten Kunst –und Kultursparten. In dieser Laborsituation kommt Transdisziplinarität als Prinzip integrativer Forschung zum Einsatz. Dieses Prinzip verbindet in seiner Methodik wissenschaftliches und praktisches Wissen.
Durch diese Herangehensweise können sich neue und spannende Verbindungen und Ansätze auftun. Dies wird in dieser gelungenen Plakatgestaltung visuell durch ein Netzwerk von Linien repräsentiert. Durch Abstufung und Farbgestaltung  dieses Netzwerks wird Leichtigkeit und Dynamik, Durchlässigkeit und Raum als Grundprinzip des Festivals überzeugend suggeriert.

3. Preis

„Dialoge Wort“
Stiftung Mozarteum

Bei dieser Veranstaltungsreihe der Stiftung Mozarteum  stand das „Wort“ im Mittelpunkt. Diese Plakatgestaltung verschränkt auf gelungene Weise zweier Gestaltungsebenen. Dies ist einmal die fotografische Darstellung eines Lernsetzkastens, in dem die Bestandteile der Wörter, die Buchstaben, wie Kostbarkeiten aufbewahrt werden. Aus diesen Buchstaben wurde das Wort „Wort“ gebildet. Gerade noch ein wenig sichtbar ist oben links und rechts der orange Einband des Deckels. Diese Farbe wird dann in der typografischen Gestaltung zum wesentlichen Gestaltungselement. Mit diesem Kunstgriff verbinden sich beide Ebene zu einer gelungenen Plakatgestaltung, bei der sich buchstäblich der Schatzkasten des Wortes auftut.

Sonderpreis Serie

Sead

Als preiswürdig wurde von der Jury die Plakatserie der Salzburg Experimental Academy of Dance, oder besser bekannt als „Sead“ erachtet.
Überzeugend werden in dieser Serie Tänzer_innen sozusagen im Zenith eines Bewegungsablaufes gezeigt Dies ist nur durch ganz bewusste und gezielte Bildauswahl möglich. Dadurch wird der Eindruck von Dynamik und Leichtigkeit bei gleichzeitig höchstmöglicher Konzentration erweckt. Die typografische Gestaltung steht meist in Beziehung zu den dargestellten Posen der Tänzer_innen, auch farblich wird hierbei zur fotografischen Abbildung Bezug hergestellt.
Diese Plakatreihe stellt die Hauptakteure des Sead. seine hervorragenden Tänzer_innen  in den Mittelpunkt und lässt im Betrachter den Wunsch aufkommen, diese in Wirklichkeit zu erleben. 

Preis für das beste Großformat

Sonderpreis Großformat „Voices“
Salzburg Biennale Festival für neue Musik

Anfänglich kann man kaum entschlüsseln um was es sich bei diesen schwarzen Verästelungen handelt. Man glaubt Insekten zu erkennen die vom Rand hereinlugen, oder sind es doch diese eigenartigen Figuren die entstehen, wenn man Tusche mit Strohhalmen verbläst?
An einem bestimmten Aufstellungsort der Litfaßsäule am Salzachkai ließ sich dann die visuelle Grundlage dieser schwarzen, grafischen Gestaltungselemente entdecken – die Verästelungen der Platanen.
Die Gestalter ließen sich von diesem visuellen „Fundstück“ inspirieren und entwickelten sozusagen eine eigene der Natur entwachsene Typografie und Gestaltungselemente, die sich elegant über die in rot gehaltene strenge typografische Gestaltung legen.

(Eva Möseneder)

Stand: 13.4.2016, Karin Schierhuber