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Presse

Stadt übernahm Grab des KZ-Verbandes als „Ehrengrab“

Widerstandskämpfer bezahlten Engagement für Freiheit Österreichs mit Leben
 
Fr, 8. Mai 2015

„Am 8. Mai vor siebzig Jahren trat um 23.01 Uhr die bedingungslose Kapitulation der deutschen Wehrmacht in Kraft. Damit war nicht nur der verlustreichste und grausamste Krieg, den die Welt je gesehen hatte, zu Ende, sondern auch die nationalsozialistische Herrschaft – deren Vernichtungswille alles Bisherige in den Schatten stellte“, sagte Gemeinderat Michael Wanner in Vertretung von Bürgermeister Heinz Schaden beim feierlichen Festakt.

„Die Stadt Salzburg übernimmt dieses Grabdenkmal des KZ-Verbandes als Ehrengrab und drückt damit den Respekt und auch den Dank an jene aus, die ihr Engagement für die Freiheit Österreichs mit dem Leben bezahlt haben“, betonte Wanner. Der Beschluss dazu im Stadtsenat fiel einstimmig.

Gewidmet ist das Ehrengrab dem Gedenken an die vom Volksgerichtshof in Salzburg zum Tode verurteilten und in München 1943 hingerichteten Widerstandskämpfer. Elf Opfer wurden Anfang der 1950-er Jahre auf dem Forstfriedhof in München-Perlach exhumiert, sechs davon in dem Grab des KZ-Verbandes auf dem Kommunalfriedhof bestattet; maßgeblich beteiligt dabei: der Gnigler Pfarrer Franz Dürnberger. Fünf weitere der Ermordeten fanden in Familiengräbern ihre letzte Ruhe.

Insgesamt wurden mehr als siebzig Aktivistinnen und Aktivisten des kommunistischen und sozialdemokratischen Widerstandes aus Salzburg von NS-Schergen hingerichtet, kamen in Konzentrationslagern und Haftanstalten ums Leben oder starben nach der Befreiung an den Haftfolgen.

Historischer Abriss

Nach dem Abklingen einer gewissen „Anschluß“-Euphorie begann sich 1939/40 vor allem in den nördlichen Arbeiter- und Eisenbahner Vierteln rund um langjährige kommunistische Parteigänger kleine Zellen widerständiger Menschen zu bilden. Bis 1940 entstanden in der Stadt Salzburg sieben Zellen: die Ortsgruppen Itzling, Gnigl, Salzburg-Stadt und Maxglan sowie die Betriebsgruppen Oberascher, Gaswerke und Eisenbahn.

Die politische Tätigkeit bestand im Zahlen von Mitgliedsbeiträgen, in der Unterstützung von Angehörigen politisch Gemaßregelter und Verfolgter, in der Weitergabe – im Matrizenverfahren erzeugter – politischer Schriften sowie im Werben von Mitgliedern. Dabei verzichtete man auf öffentliche Propaganda. Das geheime Organisationnetz wurde bis 1942 allmählich ausgeweitet, Gruppen auf dem Land einbezogen, auch Jugendgruppen entstanden. Die Grenzen zum sozialdemokratischen Widerstand waren fließend.

Die Fäden liefen bei Franz Ofner zusammen, 1940 gelang ihm die Gründung einer KPÖ-Landesleitung mit einer zentralisierten Unterorganisation. Durch einen Spitzel flog die illegale Organisation im Frühjahr 1942 auf. Der Volksgerichtshof verurteilte zahlreiche Aktivisten meist wegen Vorbereitung zum Hochverrat oder Wehrkraftzersetzung zum Tode. Sie wurden in München-Stadelheim hingerichtet. Noch während der Vorbereitung der Gerichtsverfahren, wurden die Frauen mehrerer Angeklagter von der Gestapo verhaftet und nach Auschwitz deportiert.

Kurzbiografien

Josef Wartinger, geboren am 6. Februar 1897 in Kirchberg-Thening bei Linz, verheiratet, wohnhaft in Itzling, Leiter des Republikanischen Schutzbundes in Itzling, Funktionär der Sozialdemokratischen Arbeiterpartei und der Freien Gewerkschaft bis zu ihrem Verbot im Februar 1934, zunächst bei den Revolutionären Sozialisten engagiert, dann Leiter der Kommunistischen Ortsgruppe Itzling, am 10. Februar 1942 verhaftet, am 3. März 1943 vom in Salzburg tagenden Volksgerichtshof wegen „Vorbereitung zum Hochverrat“ und „Feindbegünstigung“ zum Tode verurteilt, am 30. Juli 1943 in München-Stadelheim hingerichtet.

Anton Schubert, geboren am 19. September 1910 in Groß-Kunzendorf, Elektroingenieur und Gewerbefachlehrer, verheiratet, wohnhaft in Schallmoos, Mitglied der Sozialdemokratischen Arbeiterpartei und des Republikanischen Schutzbundes bis Februar 1934, später Beitritt zur KPÖ, organisiert in der Eisenbahnergruppe der KP, gründet und leitet die Gnigler Ortsgruppe, ab 1940 Gebietsleitung Salzburg, verhaftet am 17. Jänner 1942, am 6. April 1943 vom in Salzburg tagenden Volksgerichtshof wegen „Wehrkraftzersetzung“, „landesverräterischer Begünstigung des Feindes“ und „Vorbereitung zum Hochverrat“ zum Tode verurteilt, am 22. Juli 1943 in München-Stadelheim hingerichtet.

Heinrich Auer, geboren am 21. September 1909 in Maxglan, Heizer bei den städtischen Gaswerken, ledig, wohnhaft in Schallmoos, Leiter bei der Kreisleitung Salzburg eingerichteten Literaturstelle der KP, produzierte Schulungsbriefe und Informationsblätter der KP, verhaftet im Jänner 1942, am 24. August 1942 ins KZ Dachau deportiert, am 6. April 1943 vom Volksgerichtshof wegen „Wehrkraftzersetzung“, „landesverräterischer Begünstigung des Feindes“ und „Vorbereitung zum Hochverrat“ zum Tode verurteilt, am 30. Juli 1943 im München-Stadelheim hingerichtet.

Rudolf Smolik, geboren am 14. April 1902 in Thomasroith, Kaufmann und Radiotechniker, wohnhaft in Maxglan, verheiratet, leitet die Ortsgruppe Maxglan der KP, verhaftet am 24. Februar 1942, am 3. März 1943 vom Volksgerichtshof Salzburg wegen „Wehrkraftzersetzung“, „landesverräterischer Begünstigung des Feindes“ und „Vorbereitung zum Hochverrat“ zum Tode verurteilt, am 30. Juli 1943 in München-Stadelheim hingerichtet.

Karl Schallmoser, geboren am 8. Oktober 1906 in Kirchberg bei Mattighofen, wohnhaft in Bergheim-Lengfelden, verheiratet, sozialdemokratischer Gewerkschafter bis zum Februar 1934, danach illegale KP, am 27. Jänner 1942 verhaftet, am 6. April 1943 in Salzburg vom Volksgerichtshof wegen „Wehrkraftzersetzung“, „landesverräterischer Begünstigung des Feindes“ und „Vorbereitung zum Hochverrat“ zum Tode verurteilt, am 22. Juli 1943 in München-Stadelheim hingerichtet.

Franz Pöttinger, geboren am 8. Januar 1907 in Neukirchen an der Enknach, wohnhaft in Schallmoos, Telegrafenbauarbeiter bei der Deutschen Reichspost, Anfang 1941 der KPÖ beigetreten, am 7. April 1942 verhaftet, am 3. November 1942 vom Volksgerichtshof wegen „Vorbereitung zum Hochverrat“ zum Tode verurteilt, am 19. April 1943 in München-Stadelheim hingerichtet.

Weitere Informationen: www.stolpersteine-salzburg.at, www.kz-verband-salzburg.at



www.stadt-salzburg.at
Stand: 8.5.2015, Karl Schupfer