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Sexy und sexistisch ist ein Unterschied

Stadt Salzburg setzt sich für sexismusfreie Werbung ein
 
Mo, 27. Juni 2016

In Deutschland bereitet das Justizministerium ein Gesetz zum Verbot sexistischer Werbung vor. „Auch in Österreich sollten wir eine bundesweite Regelung für eine Werbewelt frei von Sexismus haben. Es geht dabei nicht um das Verbot, dass etwas ,sexy´ ist und auch nicht um ein Verbot von selbstbestimmter Sexualität, wie manche befürchten“, sagt Anja Hagenauer, Bürgermeister-Stellvertreterin.

„Sexismus hat wenig mit sichtbarer nackter Haut zu tun. Es ist ein Irrtum, dass Nacktheit gleich Sexismus ist. Entscheidend ist der Zusammenhang. Es gibt tolle
Bilder von unbekleideten Menschen, die überhaupt nicht sexistisch sind“, so Hagenauer weiter. Die Frage sei: Hat ein Bild mit dem Produkt zu tun? Ist die Pose, der Gesichtsausdruck, die Blickrichtung selbstbestimmt und auf Augenhöhe mit der betrachtenden Person? Ist ein Körper ,beschnitten´ und zeigt nur sexualisierte Körperteile oder den Torso – ohne Kopf? Oder zeigt das Bild eine abhängige, bedürftige, sich unterordnende oder unterdrückte Person? „Spärliche Bekleidung ist nicht das Kriterium. Dass eine Badehose oder ein Duschgel mit wenig bekleideten Menschen beworben wird, ist ok. Es kommt auf die konkrete Darstellung an“, so Hagenauer.

„Sexismus ist nicht ,Geschmackssache´, sondern eindeutig aus sachlichen Kriterien ableitbar“, sagt Alexandra Schmidt, Frauenbeauftragte der Stadt Salzburg. So kann ein Bild überprüft werden:

• Verstärkt eine Darstellung gängige Geschlechterklischees und Rollenbilder?
• Zeigt das Bild einen sexualisierten (Frauen)-Körper oder Körperteile? Oder halbgeöffnete Lippen, den weibliche Busen, geöffnete Beine und damit eine abwertende Darstellungen als verfügbares Objekts als wäre es ein Konsumartikel?
• Sind Körper und Körperteile unrealistisch, untergewichtig, makellos und übersexualisiert dargestellt und verfestigt die Körpersprache überkommene Rollenklischees wie Schwäche und Unterlegenheit?
• Wird im Bild Gewalt angedeutet und verharmlost? Sind Frauen unterwürfig und passiv dargestellt?
• Enthält das Bild Mehrfachdiskriminierungen? Wird die Mann-Frau-Beziehung als einzig mögliche dargestellt? Wie finden sich ethnische Herkunft oder Behinderung in den Bildern wieder?

In Österreich gibt es in Graz, Salzburg und Wien eine „Watchgroup gegen sexistische Werbung“. Diese Watchgroups bewerten sexistische Werbungen und konfrontieren Unternehmen und Werbeagenturen mit der Kritik.

Aktuell hat die Watchgroup die bet-at-home-Werbung anlässlich der Fußball-WM aufgrund von Beschwerden analysiert und die Kritik veröffentlicht. Auch bei der Wiener Watchgroup sind viele Bewerden dazu eingegangen.

Auf den Homepages der Watchgroups sind die Kriterien ausführlich und sachlich untermauert zu finden. Und Beispiele für sexistische Werbung mit der konkreten Begründung, warum sie sexistisch sind. Viele dieser Beschwerden und eine enge Kooperation mit dem österreichischen Werberat haben bereits spürbar zur Verbesserung der Situation beigetragen.

Als Give-away rund um die Fußball-EM gibt es nun Fächer mit der Aufschrift „Fair play – mein Recht“. „Diese Fächer sorgen nicht nur für Kühlung, sie sollen zeigen: Jede Person hat das Recht auf Selbstbestimmung über den eigenen Körper. Fair play heißt: Grenzen respektieren, ein NEIN als solches verstehen und Klarheit darüber, dass es dabei nicht um Werte oder Übereinkünfte geht, sondern um Rechte. Das ist uns in Österreich bei der Verbesserung des Sexualstrafrechts gelungen. Jetzt wollen wir auch ein Gesetz für sexismusfreie Werbung“, sagt Anja Hagenauer.

Es gibt inzwischen tausende Seiten empirischer Forschung zur negativen Wirkung von sexistischen Bildern auf das negative Körperempfinden oder auf die Entstehung krankhafter Essgewohnheiten vieler Menschen – vor allem junger Frauen. Eine gesetzliche Regelung für eine sexismusfreie Werbung ist zeitgemäß und bewirkt auch eine öffentliche Diskussion über Sexualität. Ein Gesetz zeigt, was eine Gesellschaft nicht will – und damit auch, was sie begrüßt: selbstbestimmte Menschen, die ihre Sexualität, ihr Körperbewusstsein und ihre Geschlechteridentität frei und auf Augenhöhe in ihrer ganzen Vielfalt leben können. „Damit sagen wir auch, dass sich niemand schämen muss für einen nicht perfekten Körper oder wenn die Person nicht den Bildern in der Werbung entspricht. Dass sich jede Person sexy fühlen kann, auch sexy anziehen – niemand darf sie deswegen runtermachen oder mit unrealistischen Bildern vergleichen“, so Alexandra Schmidt.

www.watchgroup-salzburg.at
www.werbewatchgroup-wien.at
www.watchgroup-sexismus.at  (Graz)

Rückfragen:
Anja Hagenauer, Bügrermeister-Stellvertreterin, Tel. 0 662/8072-2940, bgmstv.Hagenauer@stadt-salzburg.at

Alexandra Schmidt, Frauenbeauftragte der Stadt Salzburg, Tel. 0 662/8072-2044, alexandra.schmidt@stadt-salzburg.at


www.stadt-salzburg.at
Machen sich für sexismusfreie Werbung stark Machen sich für sexismusfreie Werbung stark
© Honorarfreies Pressebild: Stadt Salzburg / Johannes Killer
Stand: 28.6.2016, Sabine Möseneder