Betriebliche Gesundheitsförderung: „Handwerk Bewegt“
Gesundheit am Bauhof im Fokus
v.l.: Christoph Walkner-Schwarzl (Physiotherapeut), Karin Enzinger (Betriebliche Gesundheitsförderung/Stadtgesund), Bürgermeister Bernhard Auinger, Herbert Seebauer (Dienststellenleiter Bauhof), Jasmin Rieger (Öffentliche Beleuchtung) und Magistratsdirektor Maximilian Tischler
Mit dem Projekt „Handwerk Bewegt“ setzt die Stadt Salzburg im Rahmen der Betrieblichen Gesundheitsförderung (BGF) seit 2022 einen Schwerpunkt auf die Gesundheit der Mitarbeiter:innen im handwerklichen Bereich. Im vergangenen Jahr war das Projekt am städtischen Bauhof zu Gast. Zentrales Element: Physiotherapeut:innen kommen direkt an die Dienststelle und arbeiten gemeinsam mit den Teams vor Ort daran, körperlich belastende Arbeitssituationen zu erkennen und zu verbessern.
Bürgermeister Bernhard Auinger zeigt sich vom Projekt überzeugt: „Mit „Handwerk Bewegt“ bringen wir Gesundheitsförderung dorthin, wo sie wirken muss: direkt in den Arbeitsalltag. Unsere Mitarbeiter:innen im handwerklichen Bereich leisten Tag für Tag einen unverzichtbaren Beitrag für die Stadt – wir wollen sie dabei bestmöglich unterstützen, gesund zu bleiben.“
Täglich anfallende Tätigkeiten analysiert und verbessert
Bei „Handwerk Bewegt“ werden typische, täglich anfallende Tätigkeiten – etwa Schiebe- und Ziehtätigkeiten in schrägem Gelände – analysiert und Verbesserungsmöglichkeiten erarbeitet. In Workshops lernen die Teilnehmer:innen Ausgleichsübungen, die rasch im Arbeitsalltag umgesetzt werden können. Zusätzlich werden Themen wie Ernährung, Schlaf, mentale Gesundheit, Schmerzursachen und Lebensstil behandelt, um Gesundheit ganzheitlich zu betrachten. Ein praktischer Teil zeigt ein Training, das Beweglichkeit, Kraft, Koordination und Gleichgewicht stärkt und damit die Belastbarkeit im Arbeitsalltag unterstützt.
Magistratsdirektor Maximilian Tischler unterstützte das Projekt von Anfang an: „Die Stadt Salzburg als Dienstgeberin nimmt mit „Handwerk Bewegt“ die Fürsorgepflicht gegenüber ihren Mitarbeiter:innen wahr. Denn gerade bei körperlich anspruchsvollen Arbeiten ist es entscheidend, Belastungen früh zu erkennen und gesunde Bewegungsabläufe zu stärken. „Handwerk Bewegt“ hilft den Mitarbeiter:innen dabei, ergonomisch richtig zu arbeiten, Ausgleichsbewegungen kennenzulernen und die eigene Fitness gezielt aufzubauen. Das wirkt langfristig und macht die eigene Gesundheit zum Thema.“
Projekt an Bedürfnisse des Bauhofs angepasst
Nach den Stadtgärten und dem Abfallservice (MA 7) in den vergangenen Jahren wurde das Projekt auf den Bauhof ausgerollt, weil auch hier das Handwerk die tägliche Arbeit dominiert. Am Bauhof arbeiten rund 300 Mitarbeiter:innen in unterschiedlichen Bereichen. Sie halten unter anderem im Winter 450 Kilometer Straßen sowie 190 Kilometer Geh- und Radwege eis- und schneefrei, setzen die Straßenbeleuchtung instand und sorgen mit Reinigungs- und Saugdiensten dafür, dass die Stadt im Alltag funktioniert.
Planung, Vorbereitung und Skripterstellung nahmen ca. drei Monate in Anspruch, der Durchführungszeitraum am Bauhof war von März bis April 2025. Es fanden zudem noch drei Workshops im September statt.
„Handwerk Bewegt“ wirkt längerfristig
Herbert Seebauer, Leiter des städtischen Bauhofs, freut es besonders, dass der Bauhof letztes Jahr für „Handwerk Bewegt“ ausgewählt wurde: „Am Bauhof sind fast alle handwerklichen Berufe vertreten – und viele Aufgaben zwingen in Haltungen, die auf Dauer nicht gesund sind. Es ist wichtig, dass wir diese Belastungen offen ansprechen und gemeinsam Lösungen finden. Mir war wichtig, dass wir als Führungskräfte sichtbar dahinterstehen. Und ebenso wichtig ist die Selbstverantwortung: Ziel ist, dass Mitarbeiter:innen auch langfristig etwas für ihre Gesundheit tun – nicht als Einmal-Aktion, sondern als Veränderung im Alltag.“
Das Projekt wurde organisatorisch so aufgesetzt, dass es zur Realität am Bauhof passt. Die Workshops konnten erst nach dem Ende des Winterdiensts starten, konkret ab Mitte März 2025. Die Einheiten erfolgten von 7.30 bis 10 Uhr, parallel dazu musste die Einteilung so gestaltet werden, dass die Arbeitsbereiche weiterhin ausreichend besetzt blieben.
Hohe Beteiligung
Im Durchführungszeitraum März bis September 2025 wurden insgesamt 21 Workshops angeboten – die Teilnahmequote lag bei 94 Prozent. Am Feedback beteiligten sich 64 Prozent der Mitarbeiter:innen. Als Folge daraus wurde seit Herbst 2025 ein zusätzlicher Rückenkurs im Sportzentrum Nord etabliert. Weitere gesundheitsförderliche Maßnahmen wie Ernährungsvorträge, ein Vortrag zum Thema „Männergesundheit“ sowie Vorsorge-Angebote direkt am Bauhof sind in Planung.
Projektverantwortliche Karin Enzinger: „Das Besondere an „Handwerk Bewegt“ ist die Arbeit vor Ort: Physiotherapeut:innen schauen sich die Anforderungen direkt an der Dienststelle an – und die Mitarbeiter:innen bringen als Expert:innen für ihre Tätigkeiten ihr Wissen ein. Das schafft Praxisnähe und Identifikation,“ und führt weiter aus: „Eine so hohe Teilnahmequote erreicht man nicht zufällig. Die Workshops mussten zeitlich zur Organisation am Bauhof passen – und die Unterstützung durch die Führungskräfte war ein wesentlicher Erfolgsfaktor. Uns geht es um nachhaltige Wirkung: Die Rückmeldungen zeigen, dass viele Mitarbeiter:innen dranbleiben wollen. Darauf bauen wir auf – mit weiteren Angeboten und Maßnahmen, die Gesundheit langfristig im Alltag verankern.“
Physiotherapeut Christoph Walkner-Schwarzl, der das Projekt am Bauhof als Experte begleitete, abschließend: „Körperliche Arbeit macht nicht automatisch krank. Beschwerden entstehen oft durch Überbelastung, monotone Tätigkeiten oder langanhaltende Arbeitshaltungen – und genau dort setzen wir mit „Handwerk Bewegt“ an. Wir haben die Haupttätigkeiten am Bauhof erhoben und analysiert. In den Workshops geht es dann um ergonomisch richtiges Arbeiten, um bessere Körperwahrnehmung und um Ausgleichsübungen, die sich rasch in den Arbeitstag einbauen lassen. Training ist ein wirksames Mittel zur Vorbeugung. Deshalb zeigen wir ein Aufbautraining, das den Bewegungsapparat stärkt – und motivieren dazu, auch in der Freizeit aktiv zu bleiben, um für die Belastungen im Arbeitsalltag gut gerüstet zu sein.“
Zur Betrieblichen Gesundheitsförderung „Stadtgesund“
Die Betriebliche Gesundheitsförderung gibt es in der Stadt Salzburg seit 2012. Bei den Mitarbeiter:innen ist die Betriebliche Gesundheitsförderung unter der Dachmarke „Stadtgesund“ bekannt. Jährlich gibt es rund 60 Gesundheits-Angebote (z. B. Bewegungskurse, Präsenz- und Online-Vorträge, Vorsorgeangebote, Teilnahme an Firmenevents wie Firmentriathlon und Businesslauf, Radservice-Tage sowie Projekte wie „Handwerk Bewegt“ oder „Büro Bewegt“). In diesem Jahr wird der Stadt Salzburg zum vierten Mal das Gütesiegel der Betrieblichen Gesundheitsförderung für weitere drei Jahre (2026 – 2028) verliehen.
Nicole Salamonsberger