Gemeinderat diskutiert Wege zu mehr Inklusion in Salzburg

Barrierefreiheit weiterdenken: Wie wird Salzburg noch inklusiver?
04.02.2026

Der Gemeinderat der Stadt Salzburg hat sich in seiner heutigen öffentlichen Sitzung intensiv mit der Weiterentwicklung von Barrierefreiheit und Inklusion befasst. Auf Antrag der SPÖ-Gemeinderatsfraktion stand das aktuelle Thema „Barrierefreiheit weiterdenken: Wie wird Salzburg noch inklusiver?“ im Mittelpunkt der Sitzung.

Dabei wurde Barrierefreiheit bewusst ganzheitlich verstanden – nicht nur als bauliche Aufgabe, sondern auch als Frage der Zugänglichkeit zu Mobilität, Information, Dienstleistungen und städtischen Angeboten. Ziel ist es, Salzburg Schritt für Schritt so weiterzuentwickeln, dass alle Menschen, unabhängig von körperlichen, sensorischen oder sozialen Einschränkungen - möglichst selbstbestimmt am Stadtleben teilhaben können.

„Selbstverständlich barrierefrei“: Impulse aus Politik, Verwaltung und Praxis

Die inhaltliche Einführung erfolgte durch Sozialstadträtin Andrea Brandner (SPÖ). Sie betonte das Ziel einer Stadt, in der selbstbestimmtes Leben für alle selbstverständlich ist, und verwies auf das städtische Leitmotiv „Selbstverständlich barrierefrei“. Die Auszeichnung Salzburgs im Rahmen des EU Access City Award 2026 sei ein wichtiger Meilenstein, zugleich aber auch Auftrag, den eingeschlagenen Weg konsequent weiterzugehen. Brandner dankte insbesondere den Abteilungen der Stadtverwaltung und dem Team Vielfalt für die kontinuierliche Arbeit im Bereich Inklusion.

Zur fachlichen Vertiefung waren zwei Expert:innen geladen:
Christine Steger, Behindertenanwältin und langjähriges Mitglied des Behindertenbeirates der Stadt Salzburg, hob die Bedeutung dieses Gremiums als etabliertes Beratungsinstrument hervor und bezeichnete es als österreichweit einzigartiges Erfolgsmodell.
Birgit Wintersteller, Mitarbeiterin der Stadt Salzburg und von Geburt an gehörlos, schilderte sehr praxisnah, wie Barrieren im Alltag entstehen – oft fernab baulicher Hindernisse. Sie machte unter anderem auf das sogenannte „Dinner-Table-Syndrom“ aufmerksam und unterstrich die Bedeutung von Kommunikation und Bewusstseinsbildung. Wintersteller ist ausgebildete Gebärdensprach-Lehrerin.

Breiter politischer Konsens: Inklusion als Menschenrecht

In der anschließenden Debatte würdigten Vertreter:innen aller Fraktionen die bisherigen Fortschritte der Stadt Salzburg im Bereich Barrierefreiheit und Inklusion.
Christoph Ferch (SALZ) verwies auf das Spannungsfeld zwischen baulichen Maßnahmen und dem sensiblen Umgang mit historischem Bestand.
Džana Schütter (Grüne) betonte, dass trotz vieler Fortschritte weiterhin großer Handlungsbedarf bestehe – baulich wie auch „in den Köpfen“.
Gemeinderat Rupsch (NEOS) hob hervor, dass Barrieren weit mehr seien als Stufen oder Bordsteine.
Paul Dürnberger (FPÖ) ging auf konkrete Herausforderungen im Zusammenhang mit dem Führerschein für gehörlose Menschen ein.
Delfa Kosic (ÖVP) unterstrich die Vielschichtigkeit des Themas Barrierefreiheit und Inklusion.
Martina Thaler (KPÖ) verwies auf Initiativen wie den Stammtisch „Barrierefrei“ und weitere Projekte im Baubereich.
Über alle Fraktionen hinweg bestand Einigkeit darüber, dass Barrierefreiheit und Inklusion grundlegende Menschenrechte sind und weiterhin konsequent mitgedacht werden müssen.

Beschlüsse mit Bezug zu Teilhabe, Mobilität und sozialer Infrastruktur

Neben dem aktuellen Thema fasste der Gemeinderat mehrere Beschlüsse, die mittelbar zur Stärkung von Teilhabe und sozialer Infrastruktur beitragen. Dazu zählen unter anderem Anpassungen im Pflege- und Betreuungsbereich, Projekte sozialer Träger sowie Entscheidungen in den Bereichen Stadtentwicklung und Infrastruktur.
Ein weiterer Schwerpunkt lag auf der nachhaltigen Mobilität: Der Gemeinderat beschloss die Einführung des neuen Bikesharing-Systems „S-Bike“, das 2026 starten soll. Das System wird als ergänzendes, niederschwelliges Mobilitätsangebot gesehen. Zudem wird geprüft, wie Bezieher:innen der Aktiv:Karte einen möglichst günstigen Zugang zum neuen Angebot erhalten können.

Zeitgemäße Erinnerungskultur: Straßenumbenennung beschlossen 

Der Gemeinderat beschloss außerdem die Umbenennung der Hermann-Gmeiner-Straße in Barbara-Krafft-Straße. Mit diesem Schritt setzt die Stadt Salzburg ein bewusstes Zeichen für eine reflektierte Erinnerungskultur. Namensgeberin ist die in Salzburg wirkende Porträtmalerin Barbara Krafft (1764–1825), deren Werk eng mit der Stadtgeschichte verbunden ist. Die neue Straßenbezeichnung tritt mit 30. April 2026 in Kraft.

Breites Arbeitsspektrum im Gemeinderat

Darüber hinaus umfasste die Tagesordnung weitere Beschlüsse, unter anderem zu Bebauungsplänen, Tarifen, Beteiligungsberichten sowie zu organisatorischen und rechtlichen Grundlagen der Stadtverwaltung. Damit setzte der Gemeinderat seine Arbeit an zentralen Zukunftsfragen der Stadt Salzburg fort – von sozialer Verantwortung über nachhaltige Entwicklung bis hin zu einer inklusiven Stadtgesellschaft.

Jochen Höfferer MA