Schwedisch-bulgarische Künstlerin Maja Spasova ist Artist in Residence
Performances im und Objekte für den öffentlichen Raum, Installationen – fast immer verbunden mit Sound -, Zeichnungen: Egal, welche Ausdrucksformen Maja Spasova für ihre Werke wählt, ist ihnen gemeinsam, dass sie nicht der bloßen ästhetischen oder rein rationalen Betrachtung, sondern der Erfahrung von Kunst auf verschiedenen Wahrnehmungsebenen dienen.
In der Tradition der Konzeptkunst stellt sie mit ihren Arbeiten die Frage nach den Grundbedingungen des Lebens – Liebe und Glück, Zeit und Vergänglichkeit, Tod, Schuld und Versöhnung. Ihr Blick auf die „Welt, wie wir sie kennen“ wirkt zwar poetisch, erweist sich aber als skeptisch bis ironisch – und macht gerade dadurch sichtbar, dass die alltägliche Wirklichkeit unserer Gesellschaft von seltsamen, ja absurden Konventionen geprägt ist.
Bürde statt Geborgenheit
In der Performance „House and Chain“ geht Maja Spasova einer solchen hochaktuellen Zwiespältigkeit auf den Grund: Das Haus gilt als unser Archetypus für ein Zuhause; es symbolisiert einen sicheren Ort für die Erfüllung der Grundbedürfnisse, für Erinnerungen und Träume. Seine schützende Funktion befreit von existentiellen Ängsten. Seit der Wirtschaftskrise hat sich dies jedoch für viele Menschen ins Gegenteil verkehrt – immer höher steigende Preise, schwer oder nicht rückzahlbare Kredite, die Angst vor dem Verlust lassen Das Haus für viele zur Last werden.
Dieser Bürde verleiht Maja Spasova durch ein 24 x 20 x 22 Zentimeter großes Haus aus Eisen Realität. An einer Stahlkette hängt es mit seinem Gewicht von rund 7 kg während der Performance „House and Chain“ an ihrem Knöchel. Vom Mozartplatz durch die Gassen der Innenstadt, über eine der Brücken in die rechte Altstadt und im Bogen zurück an den Ausgangspunkt, schleppt die Künstlerin das Objekt House-and-Chain als Symbol der Unfreiheit – wie Gefangene und Sklaven ihre Kugeln an der Kette – mit sich. Das Publikum lädt Maja Spasova auf diesem Weg zur Teilnahme ein – in welcher Form auch immer.
House-and-Chain könne genauso aber als Metapher für unsere Existenzbedingung gesehen werden – als Inneres Haus unserer Gedanken, Ideen und Überzeugungen, die wir alle ein Leben lang mit uns tragen, meint Maja Spasova: „Often this inner house prevents us not only from flying, it makes even running impossible.“
Ausdrücklich will sie mit ihrer Kunst Menschen außerhalb des professionellen Kunstsystems erreichen. Daher auch der öffentliche Raum, städtische (Lebens-)Umgebungen als bevorzugter Ort, um Betrachter an ihren künstlerischen Interventionen teilhaben zu lassen.
***Maja Spasova
kam in Bulgarien zur Welt, studierte an der Kunstakademie Sofia und an der Königlichen Kunstuniversität Stockholm. Seit Mitte der 1980er Jahre lebt sie in Stockholm, Paris, London und Berlin; Projekte und Arbeitsaufenthalte führten sie u.a. mehrfach in die USA, nach Nepal, Finnland, Spanien, Malta, in die Niederlande, nach Frankreich und Deutschland – hier u.a. an die Akademie Schloss Solitude (Stuttgart).
Ihre Werke wurden bei internationalen Ausstellungen und Festivals wie der Biennale Venedig, bei der ARTEC Nagoya, Dak’art Senegal u.v.m. gezeigt. Mit mehr als 100 Solo-Ausstellungen war Maja Spasova bereits in Museen und Galerien in Europa und Übersee präsent; mit ihren Objekten und Projekten ist sie zudem in öffentlichen du privaten Sammlungen international vertreten.
Im Rahmen des AIR programme der Stadt Salzburg ist Maja Spasova seit Anfang August bis 12. September im Stadt-Atelier im Künstlerhaus zu Gast. Hier arbeitet sie an ihrem Langzeit-Filmprojekt „1001 Moments of Eternity“, zeichnet und schreibt für ihr nächstes Künstler Buch mit dem Arbeitstitel „Ode to the Hands“ und geht mit ihrer Performance „House and Chain“ in den öffentlichen Stadtraum.
***„House and Chain“
Performance von und mit Maja Spasova im öffentlichen Stadtraum
Donnerstag, 23. August 2018, 17 Uhr
Treffpunkt und Start: Mozartplatz
Ersatztermin bei Schlechtwetter: Do, 30.8., 17 Uhr
kultur.stadt-salzburg.at
www.facebook.com/Art.MajaSpasova
Cay Bubendorfer