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Ehrenbürgerschaft für Hofrat Marko M. Feingold

Bürgermeister Heinz Schaden zeichnete Salzburger Persönlichkeit bei Festakt im Marmorsaal von Schloss Mirabell aus
 
Fr, 18. Jänner 2008

Bürgermeister Heinz Schaden zeichnete Salzburger Persönlichkeit bei Festakt im Marmorsaal von Schloss Mirabell aus

„Hofrat Marko Feingold ist ein würdiger Ehrenbürger der Stadt Salzburg. Er ist ein Mensch, der durch die Hölle gegangen ist und dessen Handlungen und Grundhaltung dennoch immer von ungebrochener Versöhnungsbereitschaft und erstaunlicher Toleranz geleitet waren.“ Mit diesen Worten charakterisierte heute Donnerstag, 17. Jänner 08, Salzburgs Bürgermeister Dr. Heinz Schaden eine der bekanntesten Salzburger Persönlichkeiten. Anlässlich des heutigen „Tags des Judentums“ überreichte er in einem Festakt im Marmorsaal des Schlosses Mirabell Feingold die Ehrenbürgerschaft der Stadt Salzburg. „Ich habe größten Respekt und Ehrfurcht vor Marko Feingold und seiner Biographie, und ich bin froh darüber, dass Salzburg seine Heimat geworden ist“, so das Stadtoberhaupt weiter.


Marko M. Feingold wurde am 28. Mai 1913 in Neusohl in der heutigen Slowakei geboren, das damals im Gebiet der K.K. Österreichisch-Ungarischen Monarchie lag. Er besuchte in Wien die Volks-, Bürger- und Handelsschule und war dort anschließend als Handelsangestellter tätig. Nach dem Anschluss Österreichs an das Deutsche Reich flüchtete er 1938 in die Tschechoslowakei. Am 6. Mai 1939 wurde er von der Gestapo in Prag verhaftet. Es folgten Gefängnis und Konzentrationslager in Auschwitz, Neuengamme bei Hamburg, Dachau und Buchenwald, von wo er am 11. April 1945 durch die US-Armee befreit wurde.

Seit Mai 1945 lebt Hofrat Feingold in der Stadt Salzburg. Gleich nach seiner Ankunft stellte er sich in den Dienst der politisch Verfolgten. 1948 gründete er mit Eduard Goldmann, der gleich-falls aus dem KZ Buchenwald kam, ein Modengeschäft, das er bis 1977 als selbständiger Kauf-mann führte. Gleichzeitig hatte er es sich selbst zur Aufgabe gemacht, weiterhin den aus den Konzentrationslagern befreiten Menschen und den zahlreichen Flüchtlingen aller Religionszugehörigkeiten zu helfen. Speziell jüdischen Überlebenden verhalf er - manches Mal unter abenteu-erlich anmutenden Bedingungen - zur Auswanderung.

Ausführlich berichtet Feingold darüber in seiner im Jahr 2000 veröffentlichten Autobiographie „Wer einmal gestorben ist, dem tut nichts mehr weh. Eine Überlebensgeschichte“ (erschienen im Picus Verlag).
In den Jahren 1946 und 1947 sowie seit 1978 war und ist er Präsident der Israelitischen Kultus-gemeinde in Salzburg. Nach dem Wiederaufbau der Synagoge 1958 wurde 2001 feierlich das 100jährige Jubiläum begangen.

Es ist sein großes Verdienst, in Salzburg äußerst sensibel und sehr effizient für die christlich-jüdische Verständigung gearbeitet zu haben. Dank seiner energischen Persönlichkeit und seines großen Einsatzes hat er immer wieder in einem durchaus humanistisch zu verstehenden Sinn auf die ältere und neuere Geschichte der jüdischen Gemeinde in Salzburg hingewiesen und so einen wesentlichen Beitrag zur umfassenden Aufarbeitung der historischen und aktuellen Ereig-nisse geliefert. Er tat dies unter anderem in zahlreichen Vorträgen vor Schülern, Studenten und Journalisten. 1993 erschien im Böhlau Verlag das von ihm herausgegebene Buch „Ein Ewiges Dennoch – 125 Jahre Juden in Salzburg“.

Durch sein großes Engagement hatte Feingold zahlreiche öffentliche Ämter inne: Er war Präsident der israelitischen Kultusgemeinde Salzburg, Ehrenpräsident aller Kultusgemeinden Öster-reichs, arbeitete in der Europäischen Akademie für Wissenschaft und Künste/Abteilung Religion mit und wirkte als Präsident des Vereins Jüdisches Kulturzentrum Salzburg.


„Marko Feingold ist ein Kämpfer für die israelitische Kultusgemeinde. Die Stadt Salzburg ist sich ihrer Verantwortung gegenüber der jüdischen Glaubensgemeinschaft bewusst und hatte in Hofrat Feingold in allen Fragen die Kultusgemeinde und das Miteinander betreffend stets einen ver-lässlichen Partner“, so Bürgermeister Schaden.

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Hofrat Feingold wurde für sein engagiertes Handeln mit zahlreichen öffentlichen Auszeichnun-gen geehrt:

1977 Ehrenzeichen für Verdienste um die Befreiung Österreichs
1985 Silbernes Ehrenzeichen für Verdienste um die Republik
1985 Bürgerbrief der Stadt Salzburg
1988 Wappenmedaille der Stadt Salzburg in Gold
Goldenes Verdienstzeichen des Landes Salzburg
1991 Berufstitel Hofrat
1993 Ehrenbecher des Landes Salzburg
1998 Goldenes Ehrenzeichen des Landes Salzburg
2003 Ring der Stadt Salzburg

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Die ganze Menschlichkeit ging verloren
Auschwitz

Es war helllichter Tag, als wir in Auschwitz ankamen. Der Zug kam außerhalb des Lagers zum Stehen, denn die Rampe, die es ab 1941 gab, existierte zu diesem Zeitpunkt noch nicht. Wir wurden mit viel Geschrei und viel Lärm empfangen. SS-Leute und Hunde, ein paar Maschinen-gewehre waren entlang des Weges aufgestellt. Schießerei, Ballerei, großes Geschrei. „Aufstel-len! Fünferreihe!“ Wir stellten uns auf in Fünferreihen, ich stand neben meinem Bruder. Dann hieß es: „Rechts um!“ Dadurch kam mein Bruder vor mir zu stehen. Das Ganze dauerte vielleicht eine Stunde. Dann kam ein SS-Mann und brüllte: „Feingold, Feingold!“ Ernst und ich hoben die Hand. Er kam auf uns zu, sagte noch einmal „Feingold!“, schaute auf seine Liste, und ehe mein Bruder reagieren konnte, bekam er einen Tritt in den Bauch, und wir fielen beide um. Das war die Begrüßung. Da wussten wir schon, wie es uns ergehen würde. (…)

Inzwischen wurde es dunkel. Wir kamen weiter zu einem Duschraum. Davor war ein Raum, in dem einen ein Friseur den Kopf kahl scherte. Ratzekahl. Auch unter den Achseln. Überall. Geschlechtsteile. Überall, wo Haare sind. Man steht pudelnackt da, überall werden die Haare abrasiert oder mit der Maschine ausgeschnitten. Das ist so demütigend, man kann es schwer erklären. An keiner Stelle störte es mich so sehr wie am Kopf. Mein Bruder und ich schauten uns an, beide hatten wir Tränen in den Augen, als wir uns mit der Glatze sahen. Das war einer der schrecklichsten Momente. Man hatte ein Gefühl der Nutzlosigkeit, der Wertlosigkeit, die ganze Menschlichkeit ging damit verloren. (…)


Aus: Marko M. Feingold: Wer einmal gestorben ist, dem tut nichts mehr weh. Eine Überlebensgeschichte. Herausgegeben und mit einem Nachwort von Birgit Kirchmayr und Albert Lichtblau. Picus Verlag Wien, 2000.


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Ehrenbürgerschaft an Marko Feingold Ehrenbürgerschaft an Marko Feingold
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Ehrenbürger Feingold mit Gattin und Bgm. Schaden Ehrenbürger Feingold mit Gattin und Bgm. Schaden
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Gratulation und Beifall zur Ehrenbürgerschaft Gratulation und Beifall zur Ehrenbürgerschaft
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Stand: 3.3.2011, Cay Bubendorfer