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Bildungs-Campus Gnigl: Entwurf für eine „Schule neuen Typs“ prämiert

Entwurf von „Storch, Ehlers & Partner“ ausgewählt – Baubeginn 2014
 
Fr, 18. Jänner 2013

Kindergarten und Volksschule rücken für eine gemeinsame Bildungseinrichtung der Drei- bis zehnjährigen Kinder zusammen, Einrichtungen der Nachmittagsbetreuung sind integriert – „an der Minnesheimstrasse wird die Stadt Salzburg mit dem „Campus Gnigl“ eine Schule errichten, wie es sie bisher in Salzburg nicht gegeben hat“, ist Schulressortchef Bürgermeister Heinz Schaden überzeugt. Damit verbunden sind auch umfangreiche neue Anforderungen an die “hardware“ und die architektonische Qualität der Schule. „Baubeginn soll in rund einem Jahr sein, die Stadt wird für das Projekt 20 Millionen Euro ausgeben. Zusätzlich ist das Schulprojekt Teil des Smart District Gnigl, das neue Schulgebäude muss den höchsten Ansprüchen hinsichtlich Energieeffizienz und Nachhaltigkeit genügen“, erklärt Bau-Ressortchefin Stadträtin Claudia Schmidt. Mit der Entscheidung der Jury unter dem Vorsitz von Elsa Prochazka ist eine wichtige Weichenstellung für das Projekt erfolgt, nach einem europaweiten und zweistufigen Wettbewerb wurde aus den 22 eingereichten Projekten ein Entwurf des Büros Storch, Ehlers & Partner ausgewählt. Resultat: „Eine großzügige Anlage, mit hochwertiger Architektur und den besten Voraussetzungen für eine neue, offene und kindgerechte Pädagogik, noch dazu klimaschonend ganz im Sinne der „Smart City Salzburg““, ist Planungsstadtrat Johann Padutsch erfreut.

Die Rahmenbedingungen
Mit Volksschule, Kindergarten, Hort, städtischem Wohnhaus und Vereinsheim besitzt die Stadt Salzburg links und rechts der Minnesheimstrasse in Gnigl gleich mehrere bautechnische „Sorgenkinder“.
An ihrer Stelle wird die Stadt für Gnigl einen Bildungscampus, der dem aktuellen Trend vom Zusammenrücken von Kindergarten, Volksschule und ganztägiger Betreuung entspricht und in den auch die Einrichtungen des Vereinsheims integriert werden, errichten.
Derzeit führt die Stadtgemeinde Salzburg im Stadtteil Gnigl einen 4-gruppigen Kindergarten und einen 2-gruppigen Hort. Der Kindergarten ist südlich der Minnesheimstraße im Gnigler Park und der Hort ist auf der gegenüberliegenden Straßenseite im Keller der Volksschule untergebracht. Der Kindergarten wurde im Jahr 1955 errichtet und in den 70-iger Jahren durch einen Anbau ergänzt.
Die bestehende Volksschule aus dem Jahr 1927 ist mit 18 Klassen die größte Pflichtschule der Stadt Salzburg. Die pädagogischen und bau-technischen Erfordernisse entsprechen längst nicht mehr den Erfordernissen der heutigen Zeit.
Das mittlerweile 25 Jahre alte Vereinsheim weist diverse Mängel auf, welche die Nutzung als Kulturzentrum beeinträchtigen. Aus diesem Grund ist eine bauliche Neuorientierung notwendig bzw. eine Integration in den Campus sinnvoll.

Der Campus Gnigl
Die Stadt wird in Gnigl ein innovatives und integriertes Schulkonzept umsetzen, an den folgenden Eckpunkten hatten sich auch die Planer im nunmehr abgeschlossenen Architekturverfahren zu orientieren:

  • Beim Campus werden Kindergarten-, Schul- und Freizeitpädagogik an einem Standort zusammengefasst.
  • Die Kooperation zielt auf die optimale Nutzung aller Ressourcen ab.
  • In der Bildungsarbeit stehen die Räume des Gebäudes allen zur Verfügung.?
  • Gemeinsame Projekte ermöglichen es, miteinander und voneinander zu lernen.?
  • Leichterte Übergänge zwischen den einzelnen Altersstufen und die Kombination von Lernen und Freizeit sind Vorteile des Modells.?
  • Das Projekt soll die neuen Standards für Bildungsbauten auch in Salzburg umsetzen und durch ein aufeinander abgestimmtes Handeln der unterschiedlichen Professionen größtmögliche Unterstützung für Eltern und Kinder bieten.
  • Die Entwicklung hin zu gemeinsamen Begegnungsräumen und weg von isolierten Bereichen, wo gemeinsames Lernen und Erleben nur zufällig oder personenabhängig passiert.?
  • Lernen und Freizeit werden in idealer Weise miteinander kombiniert.?
  • Die Infrastruktur (ob Innen – vom Speisesaal bis hin zur Bibliothek - oder im Gartenbereich) kann von den Kindergarten- und Schulkindern gemeinsam genutzt werden.
  • Herzstück des Campus sollen Bewegungs-, Projektarbeits- und Aufenthaltsbereiche sein, die von allen Altersstufen (gemeinsam) genutzt werden. Die Räume müssen diesen Wechsel der Funktionen (Unterricht, Kindergarten, Freizeit) ermöglichen und Arbeits- und Erholungsbereiche (Rückzug und Ruhephasen) anbieten. Die Einteilung in "Unterrichtsräume" und "Freizeiträume" soll aufgehoben werden.
  • In Kindergarten und Volksschule befindet sich auch der Speisebereich in diesen offenen Zonen.

Das Projekt Storch Ehlers & Partner in der Jury-Begründung
Städtebaulich bietet das Projekt einen klaren, 3-geschossigen Baukörper entlang der Minnesheimstraße mit kleinem Vorfeld zur Versorgungshausstraße.
Die geschützte Haupterschließung von Osten schließt an einen differenziert ausgeformten abgesenkten Grünraum mit Erdkern an, der eine Verbindung zu einem zweiten Baukörper, der die somit von Westen natürlich belichteten Turnsäle mit Nebenräumen und Vereinszimmer beinhaltet.
So wird die verfügbare Fläche in ein überzeugendes Freiraumkontinuum eingebettet, das zudem einem hohen Nutzungswert verspricht.
Positiv wird auch die Funktionsfähigkeit der „kiss & ride“ Situation und vor allem die Großzügigkeit der Eingangsituation mit Tageslichtsgarderoben beurteilt.
Die Erschließung der Tiefgarage von der Schulstraße stellt keinerlei Beeinträchtigung der internen, fußläufigen Verkehrsflüsse dar, ebenso ist die geforderte Durchwegung des Wettbewerbsgebietes in selbstverständlicher Art gewährleistet.

Das frei verfügbare und frei organisierbare Flächenangebot der Geschosse , das durch vertikale Erschließung, Sanitärräume in der Fläche und eine großzügige, mehrgeschossige Halle sowie einen nach Norden orientierten Gebäudeeinschnitt auch räumlich strukturiert ist , bietet darüber hinaus baulich klar umrissene vielfältig zu nutzende Raumangebote anderer Qualität.
Diese eingeschobenen Räume wurden sowohl als architektonische Qualität als auch insbesondere als pädagogisch unterstützend gewertet und gegenüber anderen frei verfügbaren flächigen Angeboten als Vorteil erachtet.
Im Zuge der funktionalen Zuordnungen war auch der pädagogische Wunsch nach Abtausch der dem Kindergartenbereich zugeordneten Flächen als schlüssig einlösbar nachweisbar.

Die etappenweise Bebauung des Grundstückes bleibt ohne Einschränkung der Projektqualität gegeben. (Dies bedeutet, dass die bestehende Volksschule bis zur Fertigstellung des neuen Schul- und Kindergartengebäudes benutzt werden kann)

Empfehlung der Jury für die Weiterbearbeitung:
Als Empfehlung wird angeregt und als lösbar eingeschätzt, den Schulbaukörper durch eine eingehauste Passage mit dem Turnsaaltrakt fußläufig zu verbinden.
Eine oberirdische Situierung der Fahrradabstellplätze wird angeregt.

Bildungscampus Gnigl
Aus den 22 eingereichten vielfältigen und überaus interessanten Projekten wurde das Siegerprojekt von der Jury einstimmig auserkoren. Einstimmigkeit in Architektur, pädagogische Nutzung, Außenraumgestaltung, Energie, Nachhaltigkeit und Mobilität.

Ressourceneffizienz
Durch die Situierung des Schulbaukörpers an der Westseite und der Anordnung des unter den Hang geschobenen Turnsaales auf der Ostseite des Baufeldes ist eine etappenweise Errichtung des Bildungscampus möglich. Da die bestehende Volksschule während der Baumaßnahmen in Betrieb bleiben kann, ist es nicht erforderlich die Kinder in Containern unter zu bringen und somit kann viel Geld eingespart werden – Nachhaltigkeit und Ressourceneffizienz am Bau.

Die 3 Bauetappen sehen so aus:

- 1. Bauetappe wird das Wohnhaus an der Minnesheimstraße abgerissen (für welches dann bereits südlich der Minnesheimstraße ein Ersatzobjekt errichtet wurde) und der Neubau der Volksschule und des Kindergartens kann beginnen. Das alte Schulgebäude und das Vereinsheim bleiben in dieser Phase nutzbar.
Nach Fertigstellung des Neubaus, kann dieser von allen – Schule, Kindergarten und Vereinsheim - bezogen werden
- 2. Bauetappe werden das Vereinsheim und der Kindergarten abgerissen und der Turnsaal neu gebaut
- 3. Bauetappe wird die alte Volksschule abgerissen und Neubau Wohnhaus 2

Energie:
Die Stadt Salzburg beabsichtigt mit der Neuerrichtung des Bildungscampus ein Leuchtturmprojekt im Kontext einer nachhaltigen Entwicklung zu errichten, das gleichzeitig Pilotcharakter für die im Masterplan „Smart City Salzburg“ beschlossenen Ziele und Maßnahmen hat. Der im Gemeinderat beschlossene „Masterplan Smart City Salzburg“ setzt einen Schwerpunkt auf gebäudeübergreifende Lösungen, hierbei werden u.a. folgende längerfristige Ziele verfolgt:

1. Kommunale Gebäude sind als „Plusenergieobjekte“ auszuführen, die ihre Umgebung mitversorgen können
2. Speicher- und Regelmöglichkeiten bei kommunalen Gebäuden sind zu nutzen (Smart Grid Fähigkeit)

Das kompakte Gebäude und die unter den Hang geschobene Sporthalle gewährleisten durch einfache Konstruktionen und wirtschaftliche Spannweiten eine Ressourcen schonende Errichtung und gewährleisten dabei hohe Speicher- und Regelfähigkeiten. Die Sonderräume, die als eingesteckte Holzkörper aus Lärchenholz ausgeführt sind berücksichtigen die Nutzung von nachwachsenden Rohstoffen.

Ein hoher energetischer Standard durch Vakuum-Isolationspaneele und 3-fach Wärmeschutzverglasung und die weitgehende Lage der Turnhalle innerhalb des Erdreichs führen zu einer deutlichen Begrenzung der Wärmeverluste.
Die fassadennah angeordneten Hauptnutzungsbereiche des Schulgebäudes und raumhohe transparente Flächen sowie zusätzliche Oberlichter führen zu einer natürlichen Belichtung über große Raumtiefen. Auch die natürliche Belichtung der Turnhalle erfolgt über Oberlichter mit transluzenten Verglasungen im Hallendach.

Ein CO²-neutral (Biogas/Holzpellets) versorgtes Blockheizkraftwerk und eine Photovoltaikanlage auf dem Dach sowie der südseitige Sonnenschutz aus photovoltaisch aktivem Material gewährleisten in Verbindung mit dem saisonalen Speicher und der Betonkernaktivierung einen hohen Selbstversorgungsgrad bei der Strom- und Wärmeversorgung. Bei einer Integration in das Smart-Grid-Konzept (Stichwort Mikro-Fernwärmenetz) ist in diesem Konzept das angestrebte Ziel des „Plus-Energie-Gebäudes“ erreichbar.

Mobilität:
Das Projekt gewährleistet eine optimale Durchwegung des Stadtteils sowie Anbindung an den Grünraum und kann mit wenigen Adaptierungen in das geplante Mobilitätskonzept eingegliedert werden.

Durch das noch in Ausarbeitung befindliche Mobilitätskonzept können die Stellplätze des BCG auf ein Minimum reduziert werden. Die Erschließung des neuen Campusgebäudes erfolgt über den Schulhof, welcher östlich des neuen Gebäudes angeordnet wurde. Vor diesem Schulhof befindet sich in der Minnesheimerstraße die Bushaltestelle und vor dem Neubau die Kiss-and-Ride Parkplätze. Die Tiefgaragenzufahrt erfolgt im Norden von der Schulstraße aus. Durch die Tiefgarage sind das neu zu errichtende Wohnhaus, das Campusgebäude und der Turnsaal verbunden. Die Anlieferung für die Schulküche erfolgt von Westen über die Versorgungshausstraße. Diese Entflechtung der unterschiedlichen Nutzer wird als sehr positiv angesehen.

Bezüglich der Stellplätze wird angestrebt, dass die Fußwege zu den Bushaltestellen attraktiver und Kürzer gestaltet werden als zu den Privatfahrzeugen.


www.stadt-salzburg.at
Projekt-Präsentation Bildungscampus Gnigl Projekt-Präsentation Bildungscampus Gnigl
© honorarfreies Pressebild: Stadtgemeinde Salzburg, J. Killer
Campus Gnigl, ansicht1 Campus Gnigl, ansicht1
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Campus Gnigl, Modellfoto1 Campus Gnigl, Modellfoto1
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Campus Gnigl, Modellfoto2 Campus Gnigl, Modellfoto2
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Campus Gnigl, Grundriß Campus Gnigl, Grundriß
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Stand: 21.1.2013, Johannes Greifeneder