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Presse

Wissen stärkt: Stadt und Land aktiv gegen Rechtsextremismus

Auftakt für das Veranstaltungsprogramm „Spazieren und Diskutieren für Respekt“
 
Mi, 25. März 2015

Am Montag, 23. März 2015, gab es den Auftakt zum Programm „Spazieren und Diskutieren für Respekt“. Damit treten Stadt und Land Salzburg aktiv gegen Rassismus und Radikalisierung auf. Thema des ersten Abends im Schloss Mirabell mit Expertinnen und Experten aus Salzburg, Wien und München war „Rechtsextremismus und Neonazismus“.

Der Zeitpunkt wurde rund um „Internationalen Tag gegen Rassismus“ (21.3.) nicht zufällig gewählt. Im Rahmen dieses Tages wurde heuer zum 48-sten Mal auf Formen der Diskriminierung, der Herabwürdigung, Stigmatisierung und Ausgrenzung von Menschen aufmerksam gemacht.

Springerstiefel längst out

Im Workshop ging es um aktuelle Codes der rechtsextremen Szenen und die häufig versteckten Mittel, die gewählt werden, um Jugendliche zu ideologisieren. JugendsozialarbeiterInnen und Interessierte erfuhren, wie man diese Codes auch in der Musik erkennen kann, um Jugendliche dagegen zu sensibilisieren. „Das Bild des springerstiefeltragenden Neonazis als Stellvertreter für die rechtsextreme Szene entspricht schon lange nicht mehr der realen Situation“, so Trainerin Kathrin Quatember vom Friedensbüro Salzburg.

Am Abend lag der Fokus auf der Frage, warum diese Form des Extremismus besonders für Jugendliche und junge Erwachsene so attraktiv ist, wie verbreitet dieses Phänomen in Österreich und Salzburg ist und welche Perspektiven in Bezug auf Ausstiegshilfe und unterstützende Projekte geben kann.

Kontinuität rechtsextremer Ideologie

Den Input gab Andreas Peham vom Dokumentationsarchiv des Österreichischen Widerstands (DÖW). Er berichtete von der Kontinuität der rechtsextremen Ideologie in Österreich und der grenzüberschreitend wirkenden Szene, die insbesondere in Westösterreich aktiv ist. Begünstigt – so Peham - werde sie durch die lange nicht aufgearbeitete NS-Vergangenheit, durch kaum vorhandene politische Bildung in den Schulen und teils unverständliches Handeln der politisch Verantwortlichen sowie der Exekutive. Auch fehlende gesetzliche Bestimmungen, mangelnde Dokumentation, zu geringe Verfolgung und Verurteilung von rechtsextrem motivierten Straftaten begünstigten die Verbreitung. Als Beispiel brachte Peham ein vor Jahren gut frequentiertes Lokal in Salzburg, wo sich die Szene ungestört versammeln und Jugendliche rekrutieren konnte. Besonders betroffen und empfänglich seien Jugendliche, die Erfahrungen mit Gewalt in der Familie haben.

Im Anschluss wurden präventive Maßnahmen und Strategien thematisiert. Christoph Dauser, der Leiter der Bayerischen Informationsstelle gegen Extremismus in München erläuterte den Aufbau der dortigen Ausstiegsberatung, die schon über 100 Personen begleitet hat. Andrea Holz-Dahrenstaedt, Leiterin der Kinder und Jugendanwaltschaft Salzburg, baut derzeit ein Peer-Projekt für Schulen auf. Peter Wieser vom Verein Neustart berichtete von teilweise mehr als drei Jahre laufenden Bewährungsverfahren verurteilter Menschen und wie diesen mit intensiver und nachhaltiger Begleitung der Ausstieg gelungen sei.

Differenzierte Auseinandersetzung

Diese Veranstaltungsreihe sei ein erster Schritt für eine inhaltliche differenzierte, öffentliche Auseinandersetzung in der Stadt Salzburg. Dafür stünden auch die am Projekt beteiligten KooperationspartnerInnen, erläutert die Integrationsbeauftragte der Stadt Salzburg Daiva Döring.

Weitere Infos zum Gesamtprojekt:
https://www.stadt-salzburg.at/internet/leben_in_salzburg/integration.htm


www.stadt-salzburg.at
Auf dem Podium: Auf dem Podium:
© Honorarfreies Pressebild: Stadt Salzburg / Johannes Killer
Stand: 26.3.2015, Karl Schupfer