„Miteinander wohnen – so geht´s konfliktfrei!“

Freitag, 01.09.2017

Was tun, damit Konflikte nicht eskalieren oder besser gar nicht erst entstehen? Als wichtigen Baustein für das gute Zusammenleben hat das Integrationsbüro der Stadt Salzburg die Hausordnungen mit Piktogrammen und Übersetzungen in sieben Sprachen neu aufgelegt. Dazu gibt es die Initiative „Wenn Nachbarn nerven“ und Kurse für „Vertrauensnachbarn“.

„Ein gutes Miteinander ist das Um und Auf für eine funktionierende Nachbarschaft“, so Vizebürgermeisterin Anja Hagenauer. „Die Stadt hat ein umfassendes Netzwerk mit allen Beteiligten geschaffen, um ein gutes Zusammenleben zu ermöglichen. Die Arbeit direkt in den Siedlungen hilft, Konflikte früher zu erkennen und zu bearbeiten.“

„Das Zusammenleben in einer Stadt bzw. einer Wohngemeinschaft kann schön und befruchtend sein, aber auch zur Hölle werden“, so Direktor Markus Sturm von der Wohnbau-genossenschaft „die salzburg“. „Die überwiegende Anzahl unserer Bewohner*innen erleben ihre Nachbarschaft positiv. Jene jedoch, welche teils aus nichtigen Anlässen oder aus Missverständnissen heraus in Konflikt geraten, fordern sowohl zeitlich als auch menschlich unsere Mitarbeiter*innen enorm. Daher ist die dreistufige Initiative der Stadt Salzburg einerseits für unsere Mitarbeiter*innen eine gute Unterstützung, andererseits hilft sie aber auch Konflikte zu lösen und im Idealfall von vornherein zu vermeiden. Wir wollen ja, dass sich unsere Bewohner in unseren Wohnanlagen wohl und zu Hause fühlen.“

Ein Baustein zu einem konfliktfreien Miteinander sind Hausordnungen, die in mehreren Sprachen übersetzt sind und die Regeln mittels Piktogrammen erklären. Die Broschüre wurde vom Integrationsbüro der Stadt Salzburg neu aufgelegt und wird an Bauträger, das Wohnungsamt, die Bewohnerservice-Einrichtungen und viele andere Stellen verteilt.

Netzwerk Nachbarn
„In den vergangenen zwei Jahren ist es uns gelungen ein tragfähiges Netzwerk aufzubauen, das ,Netzwerk Nachbarn‘“, erklärt die Koordinatorin der BewohnerServicestellen Ursula Sargant-Riener von der Stadt Salzburg. Initialzündung für das „Netzwerk Nachbarn“ war eine im März 2015 durchgeführte Tagung unter dem Titel „Wenn Nachbarn nerven – Konflikte rund ums Wohnen“. Aus dieser Tagung hat sich eine Reihe von Projekten ergeben, die ständig weiter entwickelt werden.

So trifft sich seither mindestens zwei Mal im Jahr eine Runde von Expert*innen (Jurist*innen, Sozialarbeiter*innen, Polizei, Fachleute aus dem Gesundheitsbereich, Mediator*innen …). Dieses „Netzwerk Nachbarn“ ermöglicht eine direkte, fachübergreifende Zusammenarbeit und versucht die in der Stadt vorhandenen Kompetenzen koordiniert einzusetzen. „Betroffene Personen kommen möglichst schnell an die richtige Stelle, und schwelende Konflikte konnten fachgerecht und nervenschonend bearbeitet werden“, so Sargant-Riener.

Erstgespräche zur Beratung bei Nachbarschaftskonflikten
Seit Mai 2016 bieten ausgebildete Mediator*innen ehrenamtlich jeden Mittwoch im Schloss Mirabell ein professionelles Erstgespräch bei Nachbarschaftskonflikten in Mehrparteien-häusern an. Seither konnten bereits über 40 Konfliktfälle bearbeitet werden.

Es handelt sich dabei um ein Pilotprojekt der „Arbeitsgemeinschaft Konfliktklärung“ in Kooperation mit dem BewohnerService der Stadt. Der ARGE Konfliktklärung gehören 13 Mediator*innen an. Auch diese Arbeitsgemeinschaft hat sich direkt im Anschluss an die Tagung „Wenn Nachbarn nerven“ gebildet.

Kursangebot für eine aktive Nachbarschaft
Für Bewohner*innen von Mehrparteienhäusern und Siedlungen wird seit Herbst 2016 ein fünfteiliger Kurs mit einer Ausbildung zum/zur „Vertrauensnachbar*in“ angeboten.
Die Kursreihe wurde bereits zweimal durchgeführt und von 20 Personen besucht. Ziel ist es, Menschen in ihrer aktiv gelebten Nachbarschaft zu unterstützen. Einfache Gesprächstechniken sind in den Kursen ebenso Thema wie das gemeinsame Gestalten nachbarschaftlicher Aktivitäten. Wie ist es möglich, in der Nachbarschaft Grenzen vernünftig zu setzen, Sicherheitsbedürfnisse ernst zu nehmen, Toleranz vorzuleben und einzufordern? In allen diesen Fragen teilen hochkarätige Fachleute ihr Wissen und geben Tipps.

„Ziel des Lehrgangs ist es, Nachbarschaft als etwas Positives zu sehen und auch entsprechend zu entwickeln: Hinschauen statt wegschauen, miteinander reden und zuhören statt übereinander reden, gemeinsam ein Ziel anpacken und etwas umsetzen, mit der Hausverwaltung in Kontakt bleiben usw.“, erklärt Projektkoordinatorin Sargant-Riener.
„Die Tipps der Expert*innen sind dabei oft verblüffend einfach. Das Einladen von Fachleuten aus der Kriminalprävention zu einer Hausversammlung etwa kostet keinen Cent, bringt aber oft die bis dahin fehlende Informationsgrundlage für eine mehrheitlich akzeptierte Entscheidung.“

Ein weiterer Vorteil für die Teilnehmer*innen an den Kursen ist die Vernetzung mit anderen Bewohner*innen, die sich aktiv für eine gute Nachbarschaft engagieren. Hilfreich ist die Anbindung an das „Netzwerk Nachbarn“ und damit der Zugang zu fachlichem Rat. Das Bewohnerservice Lehen und Taxham bietet überdies regelmäßige Nachfolgetreffen mit der Möglichkeit, sich mit Gleichgesinnten auszutauschen.

Nächste Kurstermine: 13.10., 20.10., 10.11., 17.11. und 24.11. in der Volkshochschule, Strubergasse 26. Die Kurse sind für die Teilnehmer*innen kostenlos, und bei Bedarf wird auch eine Kinderbetreuung während der Kurszeit angeboten.

Kooperationspartner bei diesem Projekt sind das BewohnerService der Stadt mit dem „Netzwerk Nachbarn“ in Zusammenarbeit mit dem Zusammenschluss der gemeinnützigen Wohnbaugesellschaften (GBV) und der Volkshochschule.

Housewarming - neue Nachbarn begrüßen – aber wie?
Neue Nachbarn können für „alte“ Hausgemeinschaften oft eine Herausforderung sein. Daher wollen die Bewohnerservice-Stellen das Thema Housewarming verstärkt aufgreifen. Auch beim Salzburger Wohnbausymposium am 29. November wird dies ein wichtiges Thema sein.

Die Kommunikation über Veränderungen in der Nachbarschaft ist eine Voraussetzung dafür, dass Sicherheit und Vertrauen entstehen können. Fehlende Kommunikation bringt hingegen Unsicherheit und schafft Misstrauen. Eine Baustelle im Viertel, ein in die Höhe wachsendes Haus, veränderte Verkehrsführungen, aber auch neu zuziehende Personen - das alles erweckt Widerstände. Wer muss sich wem vorstellen? Wer muss sich wem anpassen? Unausgesprochene Erwartungshaltungen führen schnell zu Ärger und Streit. Damit erste Hürden besser genommen werden können, wird das Installieren eines gezielten und begleiteten Housewarming eines der kommenden Projekte von BewohnerService und dem Netzwerk Nachbarn.

Rückfragen:
Vizebürgermeisterin Anja Hagenauer
bgmstvhagenauer@stadt-salzburg.at
Tel.: 0662/8072-2018

Ursula Sargant-Riener
Koordination Bewohnerservice-Stellen der Stadt Salzburg,
ursula.sargant-riener@stadt-salzburg.at
Tel.: 0662/8072-2936

Markus Sturm
Vorstandsdirektor „Die Salzburg“ und Obmann des Vereins für Wohnbauförderung office@die-salzburg.at
Tel.: 0662/43 12 21-0

Eva Spießberger
Integrationsbüro der Stadt Salzburg
eva.spiessberger@stadt-salzburg.at
Tel.: 0662/8072-2042

Jochen Höfferer