„Begleitest du mich ein Stück?“ – Stadt Salzburg sucht mit neuer Kampagne Pflegeeltern

03.11.2026

„Begleitest du mich ein Stück?“ – Stadt Salzburg sucht mit neuer Kampagne Pflegeeltern

Pflegeeltern gesucht:
Präsentierten die neue Pflegeelternkampagne „Begleitest du mich ein Stück?“ der Stadt Salzburg (v. l.): Patrick Pfeifenberger, Claudia Danglstätter, Stadträtin Andrea Brandner, Martina Müller und Nicole Solarz.

Geborgenheit schenken, Verantwortung übernehmen, Zukunft ermöglichen: Stadt startet Informationsoffensive und stellt Nicole Solarz als neue Leiterin der Kinder- und Jugendhilfe vor.

Manchmal braucht ein Kind ein zweites Zuhause. Einen Ort, an dem es zur Ruhe kommen, Vertrauen aufbauen und sich sicher fühlen kann. Menschen, die zuhören, begleiten und auch in schwierigen Situationen da sind. Genau solche Menschen sucht die Stadt Salzburg. Aktuell betreut die Kinder- und Jugendhilfe der Stadt Salzburg 44 Pflegekinder in 35 Pflegefamilien, darunter zehn Verwandtenpflegen. Wie wichtig es ist, weitere Pflegeeltern zu gewinnen, zeigen die Zahlen der vergangenen Jahre: Zwischen 2021 und 2026 mussten 16 Pflegekinder in Familien außerhalb der Stadt Salzburg untergebracht werden, weil innerhalb der Stadt keine geeigneten Pflegeeltern zur Verfügung standen. Seit 2020 wurden 17 neue Pflegeverhältnisse begründet. Die Kinder waren bei der Aufnahme in eine Pflegefamilie häufig noch sehr jung, vielfach unter einem Jahr alt. Um auch künftig für Kinder in schwierigen Lebenssituationen rasch einen geeigneten Pflegeplatz anbieten zu können, sucht die Kinder- und Jugendhilfe in der Stadt Salzburg derzeit mehr zusätzliche Pflegefamilien.

Mit der neuen Kampagne „Begleitest du mich ein Stück?“ will die städtische Sozialabteilung mehr Menschen für die Pflegeelternschaft gewinnen, Unsicherheiten abbauen und zeigen, wie wertvoll diese Aufgabe für Kinder und ihre Entwicklung ist. Gleichzeitig stellt die Stadt mit Dr.in Nicole Solarz die neue Leiterin der Kinder- und Jugendhilfe vor. Sie übernimmt damit die Verantwortung für einen zentralen Bereich der städtischen Sozialarbeit, der Kinder, Jugendliche und Familien in schwierigen Lebenssituationen begleitet und unterstützt.

Ein Zuhause, wenn das eigene gerade keines sein kann
Nicht alle Kinder können bei ihren leiblichen Eltern aufwachsen. Familiäre Krisen, Überforderung oder andere schwierige Lebensumstände können dazu führen, dass ein Kind zeitweise oder längerfristig außerhalb seiner Herkunftsfamilie betreut werden muss. Pflegefamilien geben diesen Kindern Stabilität, Zuwendung und die Möglichkeit, neue positive Beziehungserfahrungen zu machen. Dabei geht es nicht darum, die leiblichen Eltern zu ersetzen. Vielmehr sollen Kinder verlässliche Beziehungen erleben und soweit es ihrem Wohl entspricht, den Kontakt zu ihrer Herkunftsfamilie aufrechterhalten können.

Stadträtin Andrea Brandner: „Jedes Kind hat das Recht, sicher und geborgen aufzuwachsen. Pflegeeltern leisten dazu einen unschätzbaren Beitrag. Sie öffnen nicht nur ihr Zuhause, sondern übernehmen Verantwortung für junge Menschen, die gerade besonders viel Unterstützung brauchen. Mit unserer Kampagne wollen wir Danke sagen – und gleichzeitig weitere Menschen ermutigen, diesen Weg zu gehen.“

Neue Leiterin: Nicole Solarz bringt langjährige Erfahrung mit
Seit 1. September 2026 leitet Nicole Solarz die Kinder- und Jugendhilfe der Stadt Salzburg. Die 45-jährige promovierte Juristin bringt umfassende Erfahrung mit: 16 Jahre war sie in der Sozialabteilung des Landes Salzburg tätig, davon mehr als acht Jahre in der Kinder- und Jugendhilfe. 

Die Kinder- und Jugendhilfe berät und begleitet Kinder, Jugendliche und Familien in schwierigen Lebenssituationen, organisiert Unterstützungsangebote und sorgt für den Schutz des Kindeswohls. Ein wichtiger Schwerpunkt ist die Gewinnung und Begleitung von Pflegeeltern. Interessierte werden umfassend informiert, auf ihre Aufgabe vorbereitet und auch nach der Aufnahme eines Pflegekindes fachlich unterstützt.

Nicole Solarz betont: „Was Kinder bei Pflegeeltern vor allem brauchen, sind Menschen, die ihnen mit Offenheit, Geduld und Einfühlungsvermögen begegnen. Pflegeelternschaft ist eine wertvolle Aufgabe, die das Leben bereichert und zugleich Herausforderungen mit sich bringen kann. Dabei ist uns wichtig zu betonen, dass wir die Pflegeeltern dabei nicht allein lassen. Wir begleiten Interessierte von den ersten Fragen über die Vorbereitung bis weit in den Familienalltag hinein. Ich möchte Menschen ermutigen, sich unverbindlich bei uns zu informieren. Manchmal beginnt mit einem ersten Gespräch etwas ganz Besonderes.“

Mit der Pflegeelternkampagne steht gleich zu Beginn ihrer neuen Aufgabe ein wichtiges Thema im Mittelpunkt: Menschen dafür zu gewinnen, Kindern in schwierigen Lebenssituationen Sicherheit, Geborgenheit und neue Perspektiven zu ermöglichen.

Kampagne, die zum Nachdenken anregt, Zweifel mindert und Pflegekinder stärkt
Die neue - in der Sozialabteilung Stadt zusammen mit den Expertinnen des Pflegeeltern-Teams  entwickelte - Imagekampagne gliedert sich in drei Phasen und setzt dabei bewusst auf eine persönliche und emotionale Ansprache. 

Zu Beginn wir bewusst Aufmerksamkeit geschaffen um das Thema Pflegeltern überhaupt bekannter zu machen. Dabei stehen  Fragen wie „Willst du mein Zuhause sein?“, „Darf ich bei dir wohnen?“ oder „Begleitest du mich ein Stück?“  mit den Antwortmöglichkeiten „Ja“, „Nein“ und „Vielleicht“ im Mittelpunkt. Damit möchte die Stadt Menschen zum Nachdenken bringen, die sich bisher vielleicht noch nie mit der Möglichkeit einer Pflegeelternschaft beschäftigt haben.

In der zweiten Phase sollen Zweifel gemindert werden. Dabei bedient man sich Aussagen, die viele Menschen aus dem Alltag kennen: „Ich könnte das nicht“, „Geborgenheit kann man nicht schenken“, „Kindheit kann man nicht nachholen“, „Familie kann man sich nicht aussuchen“ oder „Zuhause kann man sich nicht aussuchen“. Diese vermeintlichen Gewissheiten werden dadurch aufgehoben, indem das Wort „nicht“ jeweils durchgestrichen und der Satz durch positive, handschriftlich gestaltete Botschaften neu interpretiert wird. So entstehen Aussagen wie „Vielleicht bist du genau richtig dafür“, „Du hast ein offenes Herz? Mehr brauche ich nicht“ oder „Du könntest mein Zuhause sein!“. Die Plakate spielen bewusst mit Perspektiven und sprechen potenzielle Pflegeeltern unmittelbar an. Sie laden dazu ein, eigene Vorbehalte und Vorstellungen zu hinterfragen und sich mit der Möglichkeit einer Pflegeelternschaft auseinanderzusetzen

Der dritte Teil der Kampagne rückt bewusst die Pflegekinder selbst in den Mittelpunkt und möchte mit möglichen Vorurteilen aufräumen. Sie zeigt Pflegekinder nicht als Problemfälle oder Kinder, die vor allem Hilfe benötigen, sondern als eigenständige, starke und lebensfrohe junge Menschen mit individuellen Persönlichkeiten, Fähigkeiten und Potenzialen. Mit Botschaften wie „Nicht verloren, auf der Suche“, „Weißt du, wer ich bin? Ein Pflegekind!“ und „Held:innen mit Herz gesucht“ werden die Kinder auf positive, selbstbewusste und kindgerechte Weise dargestellt. Die Bildsprache mit Puzzleteilen, Superheld:innen und authentischen Familiensituationen vermittelt: Pflegekinder sind Kinder wie alle anderen, mit Wünschen, Stärken und dem Bedürfnis nach Geborgenheit und Sicherheit. Die Sujets sollen dazu beitragen, das Bild von Pflegekindern in der Öffentlichkeit positiv zu verändern, Berührungsängste abzubauen und deutlich zu machen, dass Pflegekinder keine Kinder zweiter Klasse sind, sondern vor allem eines brauchen: Menschen, die ihnen mit Offenheit und Wertschätzung begegnen und ihnen einen Platz in ihrem Leben geben. Schönes Detail am Rande: am Werbeclip, der im Kino und auf Social Media zu sehen sein wird, haben Pflegekinder und Pflegeeltern der Stadt mitgewirkt. Gedreht wurde Ende Oktober im Seniorenwohnhaus Hellbrunn.

Die mit rund € 20.000,- dotierte Kampagne wird vom 5.  November 2026 bis Ende Jänner 2027 im öffentlichen Raum und auf digitalen Kanälen sichtbar. Geplant sind unter anderem City Lights, Plakate, Informationsmaterialien, Werbung in den O-Bussen, kurze Videoclips, Kinowerbung sowie Beiträge auf Social Media. Ergänzend werden auf der Website der Stadt Informationen und Antworten auf häufige Fragen angeboten. Die Botschaft dahinter: Pflegeelternschaft ist eine große Verantwortung – aber niemand muss diesen Weg allein gehen.

„Man kann einem Kind nicht alle schwierigen Erfahrungen abnehmen, die es in seinem Leben machen muss. Aber man kann ihm zeigen, dass Vertrauen, Verlässlichkeit und Geborgenheit möglich sind. Genau das leisten Pflegeeltern. Wir möchten mit dieser Kampagne Menschen ermutigen, sich mit dieser Möglichkeit auseinanderzusetzen. Es muss nicht gleich eine Entscheidung sein. Manchmal beginnt alles mit der Bereitschaft, sich eine solche Aufgabe überhaupt vorstellen zu können. Mit dieser schönen und emotionalen Kampagne ebnen wir dafür den Weg! Mein Dank gilt meinem Team in der Sozialabteilung, dass hier in kürzester Zeit so engagiert und kreativ Großartiges geleistet hat.“ so Patrick Pfeifenberger, Abteilungsvorstand für Soziales.

Wer kann Pflegeeltern werden?
Pflegeelternschaft ist nicht an ein bestimmtes Familienmodell gebunden. Grundsätzlich können sich Paare ebenso wie alleinstehende Personen dafür interessieren – unabhängig davon, ob sie bereits eigene Kinder haben.

Entscheidend sind die persönlichen und familiären Voraussetzungen. Dazu zählen insbesondere:

  • Freude am Zusammenleben mit Kindern, Einfühlungsvermögen und Geduld
  • stabile persönliche, finanzielle und räumliche Verhältnisse
  • ausreichend Zeit und Bereitschaft, Verantwortung zu übernehmen
  • Offenheit gegenüber der Lebensgeschichte und Herkunftsfamilie des Kindes
  • Bereitschaft zur Zusammenarbeit mit der Kinder- und Jugendhilfe

Vor der Aufnahme eines Pflegekindes werden Interessierte umfassend informiert, ihre Eignung wird geprüft und sie werden fachlich vorbereitet.

Pflegeelternschaft hat unterschiedliche Formen
Nicht jedes Pflegeverhältnis ist auf Dauer angelegt. Je nach Lebenssituation und Bedürfnissen eines Kindes gibt es unterschiedliche Möglichkeiten:

Bereitschaftspflege: Kinder werden in akuten Krisensituationen kurzfristig und für einen begrenzten Zeitraum aufgenommen. In dieser Zeit wird geklärt, wie es für das Kind weitergeht.

Pflege mit Rückführungsabsicht: Kinder leben vorübergehend in einer Pflegefamilie, während eine Rückkehr in die Herkunftsfamilie angestrebt wird.

Längerfristige Pflege: Ist eine Rückkehr in die Herkunftsfamilie auf absehbare Zeit nicht möglich, können Kinder längerfristig in einer Pflegefamilie aufwachsen.

Welche Form der Pflege geeignet ist, wird stets anhand der individuellen Bedürfnisse des Kindes beurteilt.

Professionelle Begleitung und Unterstützung
Wer ein Pflegekind aufnimmt, übernimmt eine anspruchsvolle Aufgabe, erhält dabei aber professionelle Unterstützung. Die Kinder- und Jugendhilfe begleitet Pflegefamilien von der ersten Kontaktaufnahme über die Eignungsprüfung und Vorbereitung bis zur Aufnahme des Kindes und darüber hinaus. Dazu gehören persönliche Beratung, fachliche Begleitung, Fortbildungsangebote und Möglichkeiten zur Supervision. Auch finanzielle Unterstützungsleistungen sind vorgesehen. Dazu zählen insbesondere das Pflegekindergeld und, abhängig von der jeweiligen Situation, weitere Leistungen.

„Viele Interessierte fragen sich zunächst, ob sie dieser Aufgabe gewachsen sind. Genau deshalb sind Information, gute Vorbereitung und persönliche Begleitung so wichtig. Niemand muss bereits beim ersten Gespräch alle Antworten haben. Entscheidend ist die Bereitschaft, sich ernsthaft mit dieser Aufgabe auseinanderzusetzen.“, so heißt es von Pflegeeltern-Team der Kinder- und Jugendhilfe.

Der erste Schritt ist ganz einfach: unverbindlich informieren
Mit der neuen Kampagne möchte die Stadt Salzburg Menschen erreichen, die sich vorstellen können, einem Kind einen sicheren Platz in ihrem Leben zu geben – auch wenn sie sich noch unsicher sind. Ein erstes Informationsgespräch ist unverbindlich. Die Fachkräfte der Kinder- und Jugendhilfe erklären die verschiedenen Formen der Pflegeelternschaft, die Voraussetzungen und den Ablauf einer möglichen Aufnahme.

Information und Kontakt
Kinder- und Jugendhilfe der Stadt Salzburg
St.-Julien-Straße 20, 5020 Salzburg
Telefon: 0662 8072-3261
E-Mail: kjh@stadt-salzburg.at
www.stadt-salzburg.at/pflegekinder

Denn manchmal kann ein Stück gemeinsamer Weg für ein Kind sehr viel verändern.

Höfferer Jochen MA