Ein Jahr Poller: Schutz-System für Altstadt hat sich bewährt
Ein Jahr Poller: Schutz-System für Altstadt hat sich bewährt - Pressegespräch am 21. Juni 2011
Am Gespräch teilgenommen haben
Bürgermeister Dr. Heinz Schaden
Planungsstadtrat Johann Padutsch
Stadtpolizeikommandant Manfred Lindenthaler
Franz Zauner, Leiter der verwaltungspolizeilichen Abteilung der Bundespolizeidirektion Salzburg
Christian Morgner, Projektleiter
Seit genau einem Jahr schützen 36 Poller (13 davon versenkbar) an 14 Einfahrten die Fußgängerzone im Weltkulturerbe „Altstadt Salzburg“ vor illegalem Autoverkehr. „Allen Unkenrufen zum Trotz hat sich das System bewährt“, ziehen Bürgermeister Heinz Schaden und Planungsstadtrat Johann Padutsch am 21. Juni 2011 Bilanz. „Die anfängliche Aufregung gegen die Neuregelung hat sich gelegt. Mittlerweile sehen viele die Vorteile“, berichtet der Bürgermeister, „es gibt mehr Laufkundschaft, die Plätze sind wieder als solche erlebbar, Einheimische wie Gäste genießen ungestörter das Flair des Weltkulturerbes. Und der einst vielgeschmähte ‚schönste Parkplatz der Welt’ gehört nun wieder den Menschen. Das war unser Ziel! Die Regelung hat sich aus meiner Sicht bestens bewährt.“
Situation merkbar entspannt
Für Johann Padutsch hat die Salzburger Altstadt „nun eine Fußgängerzone, die diesen Namen weitestgehend auch verdient“. Es gebe ein Drittel weniger Einfahrten als in der Vor-Poller-Zeit. „Während die Poller oben sind, drehen im Durchschnitt täglich 1.000 Autos vor ihnen um. Und obwohl wir derzeit noch immer rund 2.350 legale Ein- und Ausfahrten im Poller-System pro Tag zwischen 11 Uhr und 6 Uhr verzeichnen - also außerhalb der Ladezeit -, hat sich die Situation merkbar entspannt.“
Dazu muss man wissen, dass Zählungen ergeben haben, dass in der Vor-Poller-Ära täglich rund 600 (!) nicht berechtigte Fahrten nach der Ladezeit illegal in der Fußgängerzone erfolgt sind. „Damit ist jetzt definitiv Schluss“, sagt Padutsch. Die Poller sorgten auch dafür, dass die Ladezeiten genau eingehalten werden. Auch der leidige Durchzugsverkehr in der Linzer Gasse sei nun Geschichte.
„Nach anfänglichen Problemen, die vorhersehbar waren, hat sich das System eingespielt und die Autofahrer haben sich großteils daran gewöhnt. Die Innenstadt hat an Attraktivität gewonnen und für die Bewohner ist eine deutliche Zunahme der Lebensqualität spürbar“, betont Stadtpolizeikommandant Manfred Lindenthaler. Insgesamt wurden in der Rechten und Linken Altstadt in diesem Jahr 871 Autolenker wegen der Verletzung der Fußgängerzone angezeigt. Von den 423 ausländischen Lenkern wurden 174 Sicherheitsleistungen in der Höhe von 100 Euro eingehoben, von den 439 österreichischen Lenkern waren 34 Wiederholungstäter, die mit einer Geldstrafe zwischen 150 und 365 Euro belegt wurden.
Unfälle mit Pollern stark rückläufig
Im ersten Jahr gab es bei mehr als 890.000 Ein- und Ausfahrten 209 Unfälle mit Pollern. „Das ist ein Anteil von 0,23 Promille. Für mich bedeutet das eindeutig, dass das System sehr gut funktioniert“, sagt der Poller-Projektleiter der Stadt, Christian Morgner.
Von den Unfällen waren 31 Poller-Totalschäden. Es gab drei Leichtverletzte (Fußgänger, Radfahrer, Segwayfahrer). Betrug die durchschnittliche Zahl der Kollisionen bis März noch rund 16 pro Monat, so hat sie sich seitdem auf neun verringert. Wobei es sich seit April großteils um kleinere Schadensfälle unter 1.000 € gehandelt hat.
Von den 209 Schadensfällen sind derzeit ca. 80 durch Versicherungen gedeckt (Wert rund 250.000 €). Gegen Unfallverursacher sind 24 Fälle in Klagsvorbereitung (ca. 120.000 €). Aktuell gibt es überdies vier Fälle von Klagen auf Schadenersatz gegen die Stadt. An den Kollisionen waren 68 Fahrerflüchtige, 53 Salzburger (Stadt und Land), 16 Österreicher und 72 Ausländer beteiligt.
„Ein großes Problem für uns sind die Fahrerflüchtigen“, erklärt Stadtrat Padutsch, „sie machen rund ein Drittel aller Fälle mit rund 150.000 € Schadenssumme aus“. Deshalb sollen jetzt an den zwei neuralgischen Punkten am Michaelitor und in der Kaigasse Kameras installiert werden. Die Zustimmung der Datenschutzkommission dazu liegt seit Kurzem ebenfalls vor.
Von den 890.000 Ein- und Ausfahrten entfallen mit 247.000 mehr als ein Viertel auf Taxifahrten. Außerdem wurden 24.000 Hotelfahrten registriert.
Missbrauch von Fernbedienungen
Nicht ganz abzustellen sei auch der Missbrauch mit weitergegebenen Fernbedienungen bzw. der Absenkung von Pollern für Nichtberechtigte. „Wenn die Polizei jemandem draufkommt, hat er eine ordentliche Strafe zu bezahlen“, betont Padutsch.
In Summe wurden 2.300 Poller-Fernbedienungen ausgegeben. Den Großteil, nämlich 1.000, haben jene erhalten, die Berechtigungen zu Hofzufahrten in der Altstadt haben. 700 gingen an BewohnerInnen, 400 an Taxis (200 nicht abgeholt), 180 an Lieferanten, der Rest an Einsatzkräfte.
Für Mietwagen gibt es ab Jahresende keine Ausnahmegenehmigungen mehr. Für unaufschiebbare Reparaturen sind Zufahrtscodes zum Steuern der Poller beim Verkehrs- und Straßenrechtsamt der Stadt bzw. - außerhalb der Dienstzeiten - in der Wachstube am Mozartplatz erhältlich. Im ersten Poller-Jahr wurden kurzfristig 592 Genehmigungen für unaufschiebbare Reparaturen vom Magistrat (369) und von der Polizei (223) erteilt.
Dass im Fall des Falles die Einsatzkräfte mit den Pollern keine Probleme haben, hat zuletzt der Unfall bei der neuen Festungsbahn bewiesen. Die Berufsfeuerwehr und die Rettungs-Organisationen haben sich auf das neue System gut eingestellt.
640.000 € in Poller-System investiert
In das Poller-System hat die Stadt Salzburg samt Nachbesserungen (Anwesenheitsschleife, Ampelsteuerung, Beschilderung) knapp 640.000 € investiert. Damit wurde der ursprüngliche Budgetansatz von 612.000 € nur wenig überschritten.
Gabriele Strobl-Schilcher