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Memorial für Frauen im NS-Widerstand im Stölzlpark übergeben

Auinger: Erinnerungskultur im öffentlichen Raum sichtbar machen
 
Di, 28. Mai 2019

Rosa Hofmann hätte am 27. Mai 2019 ihren hundertsten Geburtstag gefeiert. Tatsächlich wurde sie nicht einmal 24 Jahre alt: Weil sie im Jahr 1942 Flugblätter gegen den Wahnsinn des Weltkrieges verbreitet hatte, wurde sie von den Nationalsozialisten verhaftet, in das Strafgefängnis Berlin-Plötzensee gebracht und dort am 9. März hingerichtet. Wie Rosa Hofmann wurden auch weitere widerständige Frauen in Salzburg von den Nationalsozialisten ermordet – weil sie als Sozialistinnen, Kommunistinnen oder aufgrund persönlicher Überzeugungen Widerstand gegen bzw. Kritik am Hitler-Regime geleistet hatten.
An sie alle erinnert nun das Memorial für Frauen im Widerstand gegen den Nationalsozialismus im Maxglaner Stölzlpark, das gestern 27.5.2019, der Öffentlichkeit in einer Feierstunde übergeben wurde.
Bürgermeister Harald Preuner dankte in seiner Begrüßung all jenen Menschen, die sich auf Seiten des KZ-Verbandes, der Kulturabteilung, des Kunstbeirats, des Stadtarchivs und in der Gesellschaft für die Erweiterung der Gedenkstätte eingesetzt haben.

„Wir stehen hier aus mehreren Gründen“, sagte Kulturressortchef Vizebürgermeister Bernhard Auinger in seiner Rede, „zum einen aus Respekt vor Rosa Hofmann und vielen anderen engagierten und mutigen Frauen, die für ihren Mut und ihren Widerstand gegen den Nationalsozialismus und die Kriegsgräuel mit dem Leben bezahlt haben. Zum anderen, um die Erinnerungskultur im öffentlichen Raum der Stadt Salzburg möglichst sichtbar und spürbar zu machen.“ In der Geschichtsforschung habe das Thema des Widerstandes von Frauen erst relativ spät Eingang gefunden, so Auinger. Gerade der bildenden Kunst gelinge es aber, den Betrachter, die Betrachterin auf einer emotionalen und sinnlichen Ebene anzusprechen. „Kunst im öffentlichen Raum ist daher für mich ein probates Mittel, um die zeitgeschichtliche Forschung zu ergänzen.“

Karin Hofer und Katharina Schmid als Sprecherinnen des KZ-Verband wiesen in ihren Ansprachen auf die essentielle Bedeutung von Erinnerungskultur hin, damit die Gräuel und der Wahnsinn der NS-Zeit nie wieder möglich würden.

Festredner Martin Hochleitner, Direktor des Salzburg Museum und Mitglied des Kunstbeirats, hob die künstlerisch überzeugende Umsetzung des Memorials hervor und dankte Iris Andraschek für ihre eingehende Auseinandersetzung mit den Schicksalen der widerständigen Salzburgerinnen.

Hintergrund:
Im Sommer des Gedenkjahres 2018 hat die Abteilung 2- Kultur, Bildung & Wissen, einen geladenen Wettbewerb zur künstlerischen Erweiterung des Rosa Hofmann Gedenksteins im Stölzlpark ausgeschrieben, mit der Zielsetzung, an die Biografien von weiteren widerständigen Frauen in Salzburg zu erinnern, die ebenfalls von den Nationalsozialisten ermordet wurden. Die Initiative zur Neugestaltung ging vom KZ-Verband Salzburg aus, der insbesondere auch auf die Schicksale von Frauen aufmerksam gemacht hatte, die einfach abgeholt und ohne Verfahren hingerichtet wurden.
Die Jury, bestehend aus Mitgliedern des Fachbeirats für Kunst im öffentlichen Raum und Vertreterinnen des KZ-Verbandes Salzburg, wählte das Projekt von Iris Andraschek zur Umsetzung aus.
Sie hat die Namen, Lebensdaten und den Ort der Ermordung durch die Nazis auf eine gewölbte Leinwand aus armiertem Kunststein graviert, die zugleich eine neue Position und einen fokussierenden Hintergrund für den Rosa Hofmann Gedenkstein bildet. Als Schrift wählte Iris Andraschek die „Friedländer“, die von der 1936 emigrierten jüdischen Kalligraphie-Künstlerin Elizabeth Friedländer entworfen wurde.


www.stadt-salzburg.at
Memorial für Frauen im NS-Widerstand Memorial für Frauen im NS-Widerstand
© Honorarfreies Pressebild: Stadt Salzburg / J. Knoll
Memorial für Frauen im NS-Widerstand Memorial für Frauen im NS-Widerstand
© Honorarfreies Pressebild: Stadt Salzburg / J. Knoll
Memorial für Frauen im NS-Widerstand Memorial für Frauen im NS-Widerstand
© Honorarfreies Pressebild: Stadt Salzburg / J. Knoll
Stand: 28.5.2019, Stefan Tschandl