REK neu: Stadt Salzburg setzt auf effiziente Flächenstrategie für Wirtschaft bis 2050
Die Stadt Salzburg richtet ihre Standort- und Flächenpolitik bis 2050 konsequent auf eine flächeneffiziente Entwicklung aus. Grundlage dafür ist das im REK dargestellte Szenario „Effizienz“ unter Berücksichtigung der Wirtschaftsstrategie 2030. Damit reagiert die Stadt auf das erwartete Wachstum: Seit 2022 wird von einem Plus von rund 19.400 Beschäftigten ausgegangen – von 107.100 auf 126.500 (+18%).
Bürgermeister Bernhard Auinger betont: „Ich bin über die Aussagen des Wirtschaftsbund-Präsidenten, dass die Wirtschaft beim REK zu kurz kommt, ehrlicherweise sehr überrascht. In meinen regelmäßigen Gesprächen mit Betrieben höre ich nämlich etwas völlig anderes: Unternehmen brauchen dringend leistbaren Wohnraum, weil sie ohne leistbare Wohnungen keine neuen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter gewinnen können.“
Und der Stadtchef weiter: „Wohnbau ist daher kein Hindernis für die Wirtschaft, sondern eine zentrale Voraussetzung für funktionierende Betriebe und für den Wirtschafts-Standort Salzburg. Gerade deshalb ist das Räumliche Entwicklungskonzept für mich das wichtigste Zukunftsprojekt dieser Stadt. Es schafft die Grundlagen dafür, dass Wohnen, Arbeiten und Leben in Salzburg wieder in ein sinnvolles Gleichgewicht kommen. Wer Wohnbau und Wirtschaft gegeneinander ausspielt, verkennt die Realität in unseren Betrieben und gefährdet die Entwicklung unserer Stadt.“
Stadt starke Partnerin der Wirtschaft
Planungsstadträtin Anna Schiester sagt: „Die Stadt ist eine starke Partnerin der Wirtschaft und wird das auch bleiben. Wir haben mit dem Entwurf des REK einen klaren Plan für den Wirtschaftsstandort Salzburg. Wirtschaft findet in Salzburg längst nicht nur in klassischen Gewerbegebieten statt: Rund 70 Prozent der Arbeitsplätze liegen heute in Wohn- und Mischgebieten. Genau deshalb setzen wir auf integrierte Standorte und kurze Wege – das ist zeitgemäße Standortpolitik.“
„Gleichzeitig haben wir ausreichend Spielräume für weiteres Wachstum, auch in klassischen Gewerbestandorten. Neben den im REK vorgesehenen rund 25 Hektar zusätzlichen Flächen für Arbeiten gibt es stadtweit weitere Entwicklungspotenziale für betriebliche Nutzungen. Damit können wir auch dann reagieren, wenn sich die Wirtschaft dynamischer entwickelt“, so Schiester.
Klar sei auch: „Betriebe finden Mitarbeiter:innen nur dort, wo es auch leistbaren Wohnraum gibt. Deshalb denkt der REK-Entwurf Arbeiten und Wohnen zusammen. Effiziente Standorte, gute Erreichbarkeit und kluge Flächennutzung sind heute echte Standortvorteile. So schaffen wir Raum für neue Arbeitsplätze, ohne unnötig Boden zu verbrauchen – und stärken Salzburg als modernen Wirtschaftsstandort.“
Zusätzlicher Flächenbedarf für „Arbeiten“ bis 2050
Die Aussagen des REK NEU begründet sich aus umfangreichen Untersuchungen des ÖIR – Österreichisches Institut für Raumplanung und Wifo- Österreichisches Institut für Wirtschaftsforschung zur wirtschaftlichen Entwicklung der Stadt Salzburg. Für „Arbeiten“ (Gewerbe- und Mischnutzungen) ergibt sich demnach im REK je nach Szenario folgender zusätzlicher Baulandbedarf über 25 Jahre:
Effizienz-Szenario: insgesamt 25 ha für Arbeiten
- 1. Periode (10 Jahre): 9 ha (Gewerbe 3 ha, Mischnutzung 6 ha)
- 2. Periode (15 Jahre): 16 ha (Gewerbe 7 ha, Mischnutzung 9 ha)
Ein geprüftes nicht effizientes „Basis-Szenario“ geht von einem Flächenbedarf von ca. 70 ha für Arbeiten aus. Damit wird deutlich: Die Frage der künftigen Flächeninanspruchnahme hängt wesentlich davon ab, wie dicht und integriert Betriebsstandorte umgesetzt werden.
Reserven bieten Handlungsspielraum
Über den dargestellten Bedarf hinaus verfügt die Stadt über ein Flächenpotenzial für „Arbeiten“ von rund 168 ha. Dieses Potenzial bietet einen robusten Puffer – selbst das rechnerisch höhere Basis-Szenario (70 ha) kann damit abgedeckt werden. Gleichzeitig bleibt die Stadt flexibel, weil die wirtschaftliche Entwicklung über den langen Planungshorizont nicht seriös im Detail prognostizierbar ist.
Warum Effizienz-Szenario auch für die Wirtschaft sinnvoll ist
Im Basis-Szenario wird eine betriebliche Entwicklung mit geringen Dichten und entsprechend höherer Flächeninanspruchnahme angenommen – etwa durch stärkere Versiegelung für Oberflächenstellplätze. Diese Aspekte können in der Projektentwicklung in vielen Fällen effizienter und zeitgemäßer gestaltet werden, ohne die betrieblichen Anforderungen zu beeinträchtigen.
Aktualisierte Analysen von ÖIR und Wifo zeigen zudem, dass sich die Wirtschaft in Salzburg insbesondere in dynamischen Bereichen wie Dienstleistungen (u. a. UDL/Banken/ Telekommunikation/Verkehr sowie öffentliche und persönliche Dienstleistungen) entwickelt – und diese Nutzungen typischerweise in Mischgebieten stattfinden und für dichtere Bauformen sowie integrierte Standorte geeignet sind.
Entwicklungsschwerpunkt Flughafen: Potenziale in neuer Größenordnung
Ein besonderer Schwerpunkt liegt im REK auf dem Entwicklungsraum Flughafen. Dort besteht ein Potenzial von insgesamt rund 28 ha:
- rund 20 ha als potenzielle Neuausweisungen im REK-Entwurf
- rund 8 ha als Ergänzungsflächen aus dem REK 2007 (u. a. entlang Innsbrucker Bundesstraße und Loiger Straße).
„Alleine dieses Potential entspricht nahezu dem gesamten Baulandedarf für Gewerbe laut aktuellem REK 2007 für 10 Jahre", so Planungsstadträtin Schiester.
Die Entwicklung soll im Rahmen einer Umsetzungspartnerschaft erfolgen und erfordert eine Abstimmung mit dem Land, der Nachbargemeinde Wals-Siezenheim und dem Flughafen. Ziel ist eine hochwertige, arbeitsplatzintensive Standortentwicklung entlang der Innsbrucker Bundesstraße – ohne monofunktionale, großflächig versiegelte Gewerbestandorte, sondern mit standortangepasster, flächeneffizienter Funktionsmischung. In lärmabgewandten Bereichen können im Gesamtkonzept auch sinnvolle Begleitnutzungen und untergeordnet Wohnen (z.B. Mitarbeiter:innenwohnungen) geprüft werden.
Beispiele für aktiv begleitete Standortentwicklung
In den vergangenen fünf Jahren hat die Stadtplanung 18 Betriebsansiedlungen und Erweiterungen in Projektentwicklung und Verfahren begleitet. Beispiele dafür sind:
- Raiffeisen-Zentrale Itzling (ehem. Mischfutterwerk)
Beispiel für Konversion und Standortentwicklung im Bestand statt Neuversiegelung auf der grünen Wiese.
- Neuansiedlung Hofer-Zentrale I + II
Beispiel für neue, betriebliche Standorte und planungsseitig begleitete Flächenentwicklung.
- Erweiterung Techno-Z
Beispiel für Wachstum am bestehenden Standort und für arbeitsplatzintensive Nutzungen, die gut in integrierten Lagen bzw. in Mischung funktionieren.
Weitere waren bzw. sind: Erweiterung Copa-Data, Neuansiedelung Biogena, Neuansiedelung Porr, Erweiterung BMW, Erweiterung Festspielhäuser, Erweiterung Europark, Neuansiedelung SES-Campus, Gewerbepark Mehrlgutweg, NVZ Itzling, Erweiterung Lagermax Maxglan, Erweiterung Lagerhaus Hagenau, Schulungszentrum Palfinger, Ausbau Gebrüder Weiß, Erweiterung Kappacher, Gewerbepark „Nordraum Hannak“.
Karl Schupfer