Kommunalfriedhof wird heuer 125 Jahre alt

28.10.2004

Bevölkerungswachstum und knapper werdender Friedhofsraum innerhalb der damaligen Stadtgrenzen zwangen die Stadtväter gegen Ende des 19. Jahrhunderts zum Handeln. Pläne wie die Erweiterung des Sebastianfriedhofs scheiterten am Widerstand der AnrainerInnen und hätten rückblickend gesehen nur kurzfristig Abhilfe geschaffen.

„So entschied man sich damals mit Weitblick und ganz im Trend der Zeit für den Ankauf des in der südlichen Nachbargemeinde Morzg liegenden Sandbichlguts“, berichtet der ressortzuständige Vizebürgermeister Karl Gollegger. Weit außerhalb des Stadtgebietes – Morzg wurde erst 1935 eingemeindet - und ohne Anbindung an ein öffentliches Verkehrsnetz folgte man der Theorie des „erbaulichen Friedhofs“: im Gegensatz zum mittelalterlichen Gottesacker, der mit der dazugehörigen Kirche eine religiöse Einheit bildete.

Die „neuen Friedhöfe“ – Vorbild war der 1877 eröffnete Ohlsdorfer Waldfriedhof in Hamburg – waren Teil der Stadtdurchgrünung und sollten nicht nur ein Ort des Gedenkens, sondern auch ein Erholungsraum für die Lebenden sein. Mit seinen 1.800 Bäumen innerhalb und an den Grenzen des 25 Hektar großen Areals in wunderschöner Umgebung ist der Kommunalfriedhof bis heute nicht nur Ort der Ruhe und Besinnung, sondern auch beliebtes Erholungsgebiet: ein grünes Herz im Stadtgebiet.

Bereits 1873, vor Errichtung des Friedhofs, wurden die ersten Opfer einer Cholera-Epidemie auf dem Areal bestattet. Ein Jahr später erst erfolgte die Vermessung und Einteilung der Grabfelder. Und noch weitere vier Jahre, geprägt von Auseinandersetzungen über die Reihenbeerdigung ohne Ansehen der Konfession der Bestatteten, mussten vergehen, bis 1879 der Friedhof offiziell eröffnet wurde. Im ersten Jahr seines Bestehens fanden 378 Begräbnisse statt. Fünfzig Jahre später waren bereits 34.775 Verstorbene hier beerdigt.

Bis heute erhalten sind das Hauptportal, die Arkaden und zum Teil das Mauerwerk aus geschlemmtem Wienerberger-Ziegel mit einem Sockel aus roh behauenem Konglomeratstein. 1914 wurde die noch heute bestehende Leichenhalle in Betrieb genommen.

Erst 1931 erhielt Salzburg ein eigenes Krematorium, bis zu diesem Zeitpunkt wurden die Feuerhallen in Linz und Steyr benützt. Der Friedhof des Jahres 1879 blieb bis heute in seinem ursprünglichen Charakter erhalten.

Der Kommunalfriedhof ist mit rund 22.000 Grabstellen, dem anonymen Urnenfeld, Kriegsgräberanlagen, moslemischem Teil und Soldatenfriedhof der Niederländer der größte Friedhof im Land Salzburg. Von den jährlich rund 1.300 Bestattungen sind bereits fast zwei Drittel Feuerbestattungen. Dem Weitblick der Stadtväter Ende des 19. Jahrhunderts und späteren Grundsicherungsmaßnahmen ist es zu verdanken, dass der Platzbedarf für die nächsten Jahrzehnte gesichert ist.

In Zusammenarbeit der Friedhofsverwaltung mit der Fachschule für Steinmetze in Hallein und dem Künstler Christoph Obermair entstand 2003 ein Friedhofs- oder auch Wandlungsbrunnen. Sein Rundweg mit vier Abgängen aus Kopfsteinpflaster symbolisiert die Wandlung vom Leben zum Tod und führt zu den vier Elementen Erde, Wasser, Feuer und Luft. Bänke am Platz laden Trauergäste und FriedhofsbesucherInnen ein, hier auszuruhen und der Verstorbenen zu gedenken.

Strobl-Schilcher, Gabriele, Dr. (11399)