Nach sechs Wochen mit Pollern: Altstadt atmet spürbar auf
Das Poller-System zum Schutz der Salzburger Altstadt vor illegalen Zufahrten funktioniert gut. Da sind sich Politik, Polizei und Stadtverwaltung einig. Seit sechs Wochen schirmen 36 Poller, zehn davon versenkbar, von 11 Uhr vormittags bis 6 Uhr früh sowie an Sonn- und Feiertagen ganztags das Weltkulturerbe ab.
„Die Plätze kommen wesentlich besser zur Geltung und sind in ihren wahren Ausmaßen wieder erlebbar geworden“, sagt Planungsstadtrat Johann Padutsch. Die Rückmeldungen von Fremdenführern, Gastronomen, Hoteliers oder Altstadtbewohnern seien überwiegend positiv.
Noch nicht ganz zufriedenstellend in den Griff gekriegt habe man die Poller-Unfälle. „Hier muss man aber die Relationen beachten: Bei rund 120.000 Aus- und Einfahrten in den letzten sechs Wochen hat es 40 Unfälle gegeben. Das entspricht 0,033 Prozent. Und mehr als 95 Prozent der Unfälle waren selbst verschuldet!“, so Padutsch.
Vorschriften nicht eingehalten
Der Stv.-Stadtpolizeikommandant Oberstleutnant Andreas Huber betont, er sei „sehr guter Dinge, dass es funktioniert, wenn sich die Leute endlich an die Verkehrsvorschriften halten.“ Huber lobt die hervorragende Zusammenarbeit zwischen Stadt und Polizei, insbesondere was die zusätzlichen Sicherheitsvorkehrungen betreffe.
Laut Poller-Projektleiter Christian Morgner habe es am neuralgischsten Punkt, der Zufahrt beim Michaelitor, nach Installierung der Rot-Grün-Ampel noch sechs Unfälle gegeben. „Da haben die Autofahrer das Rotlicht einfach nicht beachtet. Genauso wenig, wie sie zuvor weder Stopp-Tafel noch Haltelinie ernst genommen haben.“ Insgesamt sind beim Michaelitor 29 Poller-Crashs passiert. Sechs Unfälle gab es in der Kaigasse, drei in der Franziskanergasse und zwei in der Dreifaltigkeitsgasse.
„Wir stellen jetzt große Stoppschilder mit zweisprachiger Poller-Warnung in der Kaigasse, am Mozartplatz, in der Franzikanergasse, am Universitätsplatz und in der Dreifaltigkeitsgasse auf. Am Rudolfskai gibt es überdies eine neue Vorwegweiser-Tafel, die auf die nahen Parkplätze verweist und mit Fahrverbot und Poller-Zeichnung den Rechtsabbieger zum Michaelitor kennzeichnet“, sagt Morgner. Bewährt habe sich die zusätzliche Induktionsschleife vor der Haltelinie: „Erst wenn man auf der steht, funktioniert die Fernbedienung.“
An den Haupteinfahrten drehen zu den Spitzenzeiten 70 bis 90 Fahrzeuge pro Stunde vor den Pollern um. Padutsch: „Hochgerechnet sind das bis zu tausend Autos pro Tag. Da sieht man, was das System der Altstadt erspart. Sie atmet damit spürbar auf.“
Mit Videobeweis gegen schwarze Schafe
Härte will der Planungsstadtrat bei der Verfolgung schwarzer Schafe zeigen: „Wir haben den Fall, wo jemand sich mit einer kopierten Ausnahmegenehmigung eine Fernbedienung erschlichen hat. Wir überprüfen einige Fälle, wo nicht klar ist, ob wirklich ein Hauptwohnsitz in der Altstadt besteht. Und wir sind am Überlegen, ob etwa beim Michaelitor oder in der Kaigasse eine Video-Überwachung der Polleranlage installiert werden soll, um fahrerflüchtigen Unfallverursachern Herr werden zu können.“
Der durch die Poller-Crashs verursachte Schaden sei mittlerweile beträchtlich. Die Klärung der Haftungsfrage, insbesondere bei Urlauberfahrzeugen, nicht immer einfach. „Hier könnten uns Videobeweise in Kombination mit der Poller-Systemsteuerung wertvolle Dienste leisten“, so Padutsch.
Schupfer, Karl, Mag. (12112)

