Gestaltungsbeirat: Wettbewerbe für Großprojekte am Start

26.05.2021

Volksschule und Kindergarten Lehen, die S-Bahn Haltestelle Mirabell, Wohnbau und Geschäft an der Bachstraße, Verwaltung und Wohnen an der Alpenstraße: Was diese Projekte auf der Tagesordnung der Sitzung des Gestaltungsbeirats am 25. und 26.5.2021 vereint, ist der Umstand, dass jeweils ein Wettbewerbsverfahren zum bestmöglichen Ergebnis führen soll.

„Gerade wenn es sich um komplexe planerische Aufgaben handelt, sind Architekturwettbewerbe der richtige Weg, um umfassende Lösungsansätze und hohe Qualität in der Umsetzung zu erreichen“, betont auch Anna Detzlhofer, Expertin für Freiraumplanung im Beirat. Klare Richtlinien würden auch von privaten und gemeinnützigen Bauträgern gewünscht. Der Gestaltungsbeirat habe in solchen Fällen bereits bisher stets für Wettbewerbsverfahren plädiert. Je nach Bauvorhaben eignen sich unterschiedliche Wettbewerbsformen, wie sich auch aktuell zeigt:

Volksschule und Kindergarten Lehen

Die Sanierung und Erweiterung der beiden Einrichtungen gehört zu den großen Bildungsbauprojekten der Stadt Salzburg. Die Volksschulen Lehen 1 und 2 samt  Ganztagesschule sollen zukünftig in einer baulichen und organisatorischen Einheit werden. Dazu soll der Bestandsbau saniert und erweitert werden. Ein Bestandsbau des Kindergartens wird dazu abgerissen, der zweite Standort (Lehener Park) wird erweitert, sodass zukünftig ein Kindergarten mit insgesamt acht Gruppen besteht.

„Das ist programmatisch und logistisch eine sehr herausfordernde Aufgabe, nicht zuletzt, weil die Baustelle ja bei laufendem Betrieb umgesetzt werden muss“, sagt Architekt Peter Haimerl im Beirat. Kindergarten und Schule werden nacheinander, interimistisch in einer Containerlösung untergebracht.  

Nachdem die städtebaulichen Rahmenbedingungen geklärt Uund voraussichtlich im Juli 21 beschlossen) sind, bereitet die SIG als Bauherrin einen gemeinsamen zweistufigen Wettbewerb mit einem Generalplaner für beide Standorte – also Volksschule und Kindergarten - vor. Die EU-weite Ausschreibung soll im Herbst 2021 erfolgen. Dem Gestaltungsbeirat sei wichtig, betont Architektin Detzlhofer, dass beide Projekte qualitätsvoll umgesetzt werden und dass es ein konsistentes Gesamtkonzept gibt, auch was Nachhaltigkeit, Bauweise und Freiraumprogramm betrifft. Dabei müsse auch der Baumbestand berücksichtigt werden.

S-Bahn Haltestelle Mirabell

Eine große, aber ganz anders geartete Herausforderung stellt der EU-weite Wettbewerb für die Haltestelle Mirabell der zukünftigen Regionalstadtbahn. Die S-Link Projektgesellschaft hat dazu in einer ersten Phase eine vorgeschaltete Bewerbung ausgeschrieben, in der Referenzen für „Bauen im städtischen Umfeld“ und „Bauen im denkmalgeschützten Umfeld“ gesammelt werden. Bereits im Juni werden aus den Einreichungen zehn Bewerber ausgewählt, das Preisgereicht ist für September 21 geplant.

Den Gestaltungsbeirat hat die auslobende Salzburger Regionalstadtbahn Projektgesellschaft mbH auf freiwilliger Basis in das Verfahren eingebunden. Der Beirat betont die städtebauliche Bedeutung eines solchen Verkehrsbauwerks, denn das Wettbewerbsergebnis soll als Prototyp bzw. „Corporate Design“ für die folgenden Haltestellen gelten. Architekt Peter Haimerl bringt es so auf den Punkt: „Gesucht ist ein Otto Wagner für Salzburg.“

Neubau Büro- und Verwaltungsgebäude und Wohnungen Alpenstraße

Ein Neubauprojekt für gemischte Nutzung – Verwaltungsgebäude mit Büros und Wohnbau – plant die ARE Austrian Real Estate (BIG) auf der Liegenschaft Alpenstraße 1 (aktuelle Bestand sind zwei Verwaltungsgebäude der Polizei). Um ein möglichst breites Ideenspektrum für eine hochwertige Gesamtplanung zu erlangen, schreibt sie einen EU-weiten offenen  Generalplanerwettbewerb aus. In der ersten Stufe können Projektskizzen eingereicht werden, aus denen die Teilnehmer für die zweite Wettbewerbsstufe von einer Jury gewählt werden.

Umstrukturierung Bachstraße 34

Das Produktionsgebäude auf dem Areal Trachten Moser soll abgerissen werden, ein Neubau mitgroßzügiger Ladenfläche und Wohnbau entstehen. Die Heimat Österreich schreibt dazu ein Gutachterverfahren mit 15 geladenen Teilnehmern aus, der nach Beschluss der städtebaulichen Rahmenbedingungen (voraussichtlich Gemeinderat Juli) im Herbst starten soll.

Im Finale: Hotel zum Hirschen – Quartiersentwicklung

„Ein wirklich bemerkenswertes Projekt, an dem ebenso schnell wie sorgfältig gearbeitet wurde, und zwar von Bauherrschaft und Planer“, stellt Architektin Kornelia Gysel im GBR fest. Hier sei ein ausgezeichnetes Zusammenspiel von Außenraum und Architektur gelungen. Die gemischte Nutzung – erweiterter Hotelbau und Wohnungen – bedeute eine große Aufwertung der Nachbarschaft, die ja auch mit dem zukünftigen Landesdienstleistungszentrum und dem Hotelturm in Veränderung sei. In der letzten Überarbeitung des Entwurfs wurde hier das Bauvolumen reduziert, zugunsten eines großzügigen Grünraumes in hochwertiger Gestaltung und Spiellandschaft im Innenhof. Nun liegt der Bauakt vor.

Cay Bubendorfer