Zur Geschichte des Ausstellungspavillons im ehemaligen Zwerglgarten

Der Pavillon wurde 1950 im ehemaligen barocken Zwerglgarten errichtet, um als Mittelpunkt für alljährlich geplante Freiluftausstellungen zu dienen.

Finanziert und in Auftrag gegeben wurde er von Hitlers Lieblingsbildhauer Josef Thorak (1889–1952). Anlass war eine von der Salzburger Kulturvereinigung organisierte Retrospektive mit ca. 100 Werken von Thorak, der damit von seiner braunen Vergangenheit reingewaschen werden sollte. Unter den im Pavillon und den umgebenden Freiflächen ausgestellten Exponaten befand sich auch die monumentale Marmorskulptur „Kopernikus“, die Thorak der Stadt schenkte und die bis heute an ihrem ursprünglichen Platz steht.

Die Ausstellung war eine indirekte Folge des Kalten Krieges. Dieser hatte die Reintegration ehemaliger Nazis in die 2. Republik und den Erdrutschsieg des VdU (Verband der Unabhängigen; 1949 von ehemaligen Nazis gegründet) bei den Gemeindevertretungswahlen in der Stadt Salzburg vom Oktober 1949 ermöglicht. Der VdU hatte damals einen Vizebürgermeistersessel und die Verantwortung für das Kulturressort errungen und die Thorak-Ausstellung initiiert. Als Architekten beauftragte Thorak seinen Freund Karl Mayr (1902–1979), einen preisgekrönten Schüler von Clemens Holzmeister und nunmehrigen Klubobmann des VdU im Salzburger Landtag.

Mayr plante eine Holzständerkonstruktion im Stil eines klassischen Gartenpavillons, der in den folgenden Jahren grundlegend verändert werden sollte: Das Gebäude in Form eines asymmetrischen T, dessen Fußende mit dem Eingangsportal nach Norden zeigt, war ursprünglich weiß verputzt und ringsum mit einem Spalier für Pflanzenbewuchs versehen. Richtung Norden öffneten sich die beiden Querarme als Pfeilerhalle ohne Wände; auch die Oberlichten besaßen noch keine Verglasung.

Nach Thoraks Tod ging der Pavillon 1952 in den Besitz der Stadt Salzburg über. In diesem Jahr beherbergte er die Abteilungen „Amerikanische Architektur“ und „Die amerikanische Küche“ der US-Propagandaausstellung „Heute und Morgen“, einer der ersten großen Manifestationen der modernen Kunst in Österreich nach 1945. Zu diesem Zweck machte Ausstellungskurator Gustav K. Beck (1902–1983) den Pavillon wetterfest, indem er die offene Pfeilerhalle schließen und die Fenster verglasen ließ. Außerdem wurden die Spaliere entfernt, um ein moderneres Aussehen zu erzielen, und Richtung Süden ein Anbau angebracht, wodurch das T-förmige in ein kreuzförmiges Gebäude umgewandelt wurde.

Der bis heute vom Kulturamt verwaltete Pavillon wurde seither jeweils von Ende April bis Ende September von verschiedenen Institutionen wie z. B. dem Salzburger Kunstverein, der Berufsvereinigung bildender Künstler, der Internationalen Sommerakademie für bildende Kunst, aber bis in die 1980er-Jahre auch von einem Kleintierzuchtverein und anderen Vereinen für Flohmärkte und dergleichen bespielt. Ein zweiter Umbau erfolgte in den 1960er- oder 70er-Jahren, bei dem der Pavillon sein heutiges Aussehen mit schwarz gestrichener Holzlattung erhielt, was den Charakter einer Baracke betonte. Das Innere wurde hingegen dem Ideal des „White Cube“ angenähert: Seither verdecken durchgehende Hängeflächen die Holzstützen und eine abgehängte Decke den offenen Dachstuhl. Heute wird der Pavillon von den Stadtgalerien programmiert und von Künstlerinnen und Künstlern aufgrund seines informellen und atmosphärischen Charakters geschätzt.

Anselm Wagner, 10.09.2026

 

Buchtipp: Anselm Wagner: Ein Pavillon für die Kunst im Salzburger Mirabellgarten und sein Architekt Karl Mayr, Verlag Müry Salzmann, Salzburg/Wien 2023, 112 S., dt. mit englischen Zusammenfassungen, ISBN 978-3-99014-243-1
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