Begegnungszone Innenstadt

Architekturbüro Ravnikar Potokar arhitekturni biro d.o.o. gewinnt Wettbewerb

Das Büro wurde 2003 in Ljubljana gegründet und wird von Robert Potokar geleitet.
Im Science Café direkt am Museumsplatz wurde das von der Jury ausgewählte Projekt präsentiert.

Das Architekturbüro arbeitet an Projekten aus Architektur, Stadtplanung und Freiraumgestaltung und bringt umfangreiche Wettbewerbserfahrung mit. Ausschlaggebend war nicht ein möglichst lauter Entwurf, sondern ein Projekt, das den Ort mit großer Sensibilität liest und zugleich eine starke eigene Haltung entwickelt.

Das Siegerprojekt setzt auf eine behutsame Weiterentwicklung der Salzburger Altstadt. Im Zentrum steht ein respektvoller Umgang mit der historischen Struktur, kombiniert mit zeitgemäßen Elementen für ein lebendiges und vielfältig nutzbares Stadtzentrum. Die Begegnungszone wird als „Shared Space“ gedacht – ein flexibler Stadtraum für Fußgänger:innen, Radfahrende und den öffentlichen Verkehr.  Ein durchgängiges Gestaltungselement bildet großteils ein hochwertiger Granitbelag, der bestehende Strukturen aufnimmt und weiterentwickelt. Ergänzend dazu wird auch Betonstein eingesetzt. Begrünungsmaßnahmen nach dem Schwammstadt-Prinzip verbessern das Mikroklima und erhöhen die Aufenthaltsqualität. Geplant sich auch künstlerische Interventionen, die den Stadtraum atmosphärisch aufwerten.  

Ein wichtiger Bestandteil des Konzepts ist darüber hinaus die gezielte Einbindung von Kindern in die Nutzung des öffentlichen Raums. Mit eigens vorgesehenen Spielskulpturen und interaktiven Elementen entstehen Orte, die nicht nur funktional sind, sondern auch zum Entdecken und Verweilen einladen – und damit eine Altersgruppe ansprechen, die in innerstädtischen Planungen oft zu wenig berücksichtigt wird.

Wettbewerb, Ablauf und nächste Schritte

Der europaweit ausgeschriebene Wettbewerb führte dazu, dass aus 38 Bewerbungen 12 Teams für die zweite Phase ausgewählt wurden.

Wettbewerb war europaweit ausgeschrieben
Teil der Jury waren Vertreter:innen aus Architektur, Landschaftsplanung, Politik und Verwaltung. Den Vorsitz hatte Dominik Bueckers, Vorsitzender des Gestaltungsbeirats, inne. Die Organisation des Wettbewerbs erfolgte über den Architekten Johannes Schallhammer. Der Wettbewerb war europaweit ausgeschrieben; aus ursprünglich 38 Bewerbungen wurden 12 Teams für die zweite Stufe ausgewählt.

Wettbewerb, Ablauf und nächste Schritte
Der Realisierungswettbewerb wurde als zweistufiges Verfahren durchgeführt: Nach einer Vorauswahl durch die Jury wurden 12 Büros zur Ausarbeitung von Projekten eingeladen, 11 Entwürfe wurden fristgerecht eingereicht. Nach einer ersten Jurysitzung im Jänner 2026 wurden drei Teams zur Überarbeitung eingeladen. In der finalen Sitzung am 24. März 2026 wurde das Siegerprojekt gekürt.

Das Wettbewerbsgebiet umfasst rund 12.000 Quadratmeter und erstreckt sich vom Neutor bis zum Franz-Josef-Kai. Es beinhaltet mehrere zentrale Plätze – darunter Herbert-von-Karajan-Platz, Bürgerspitalplatz, Anton-Neumayr-Platz und Museumsplatz – sowie die verbindenden Gassen. Ziel des Wettbewerbs war es, einen zusammenhängenden Stadtraum mit hoher Aufenthaltsqualität zu schaffen, der gleichzeitig die Anforderungen des öffentlichen Verkehrs und des Lieferverkehrs berücksichtigt. Das nun prämierte Projekt erfüllt diese Anforderungen in besonderer Weise.

Als nächster Schritt ist ein Grundsatzbeschluss zur Umsetzung im Gemeinderat vorgesehen. Die Projektkosten werden aktuell mit rund 12,8 Millionen Euro veranschlagt. Ein Baubeginn ist – nach den notwendigen politischen Beschlussfassungen, sowie Abschluss der Planungen in Abstimmung mit SVK und BDA und Ausschreibungen der Bauleistungen – frühestens für Ende 2027 oder mit Beginn 2028 geplant. Die Umsetzung erfolgt in enger Abstimmung mit weiteren Bauvorhaben in der Altstadt, darunter Projekte im Umfeld der Salzburger Festspiele sowie infrastrukturelle Maßnahmen des Landes Salzburg.

Ein kurzer Blick zurück auf die Anfangsphase

Wege für Fußgänger:innen sollen attraktiver, sicherer und barrierefrei gestaltet werden.

Vor fünf Jahren hat die Stadt Salzburg den Masterplan Gehen beschlossen. Seither werden Wege für Fußgänger:innen attraktiver, sicherer und barrierefrei gestaltet. D.h. mehr Bäume, konsumfreie Aufenthaltsbereiche zum Verweilen und Spielräume für Kinder.

Ein zentrales Projekt sind die vier historischen Plätze (Herbert-von-Karajan-Platz, Bürgerspitalplatz, Anton-Neumayr-Platz und Museumsplatz) und die dazwischenliegenden Straßenräume. Sie sollen zu einem zusammenhängenden, verkehrsberuhigten und klimaangepassten Stadtraum weiterentwickelt werden. Aktuell sind auf dieser Achse rund 12.000 Fahrten pro Tag zu verzeichnen. Ziel ist es, diesen Durchzugsverkehr um etwa zwei Drittel zu reduzieren.

Aufbauend auf intensiven fachlichen Vorarbeiten wurde zunächst ein integrierter Planungsprozess gestartet. In den Jahren 2021 und 2022 wurden gemeinsam mit Betrieben, Institutionen und Bürger:innen die Anforderungen an diesen zentralen Stadtraum erarbeitet – von der Verkehrsberuhigung über Aufenthaltsqualität bis hin zu Fragen der Nutzung und Gestaltung.

Mit dem Beschluss im Planungs- und Verkehrsausschuss im Dezember 2024 wurde festgelegt, dass zwischen Neutor und Museumsplatz eine Begegnungszone eingerichtet wird und die Durchfahrt durch das Neutor – nach der festspielbedingten Totalsperre dauerhaft eingeschränkt bleibt – mit definierten Ausnahmen für Anrainer:innen, Öffis, Lieferverkehr und Einsatzdienste. Dieser Beschluss war die Grundlage für den Wettbewerb.

Der nun abgeschlossene Realisierungswettbewerb zeigt nun, wie diese verkehrspolitische Entscheidung konkret im Stadtraum umgesetzt werden kann: als durchgängige, qualitätsvolle Begegnungszone über vier zentrale Plätze hinweg, mit mehr Raum für Fußgänger:innen, neuer Verkehrsorganisation und einer spürbaren Aufwertung des öffentlichen Raums zugunsten des Umweltverbunds. Damit macht das Wettbewerbsergebnis sichtbar, was der politische Beschluss bereits angelegt hat: eine Altstadt, die nicht vom Verkehr dominiert wird, sondern als zukunftsträchtiger Lebens-, Aufenthalts- und Wirtschaftsraum funktioniert.

Auszug aus der Begründung der Jury

Jury-und Gestaltungsbeirat-Vorsitzender DI Dominik Bueckers, Landschaftsarchitekt, Zürich

Das Projekt überzeugt mit seiner subtilen und gleichfalls intensiven Auseinandersetzung mit den Orten, Plätzen und ihren Verbindungen. In der gewählten Zurückhaltung liegt viel Qualität und eigenständiger Charakter, was insgesamt zu einer diesem Gebiet angemessenen Gesamtlösung führt. Die Vielfalt und Finesse der angebotenen Details ist ebenso beeindruckend wie die konsequente Haltung. Deutlich wird in diesem Vorschlag auch die vertiefte Auseinandersetzung mit dem Stadtraum (auch seiner wertvollen Geschichte!) und seinen künftigen Bedürfnissen. Die ortsbezogenen Oberflächenqualitäten wirken dabei ebenso schlüssig, wie die vorgeschlagene Verteilung zusätzlicher Bäume und Möblierungselemente.

Wie bereits erwähnt lassen der hohe Grad an (charakteristischer) Komplexität und Detaillierung große Wirksamkeit, funktionale Flexibilität und Identität erwarten.

Das Projekt setzt auch in seiner Überarbeitung die qualitativ hochwertige und gleichermaßen feinfühlige, intensive Auseinandersetzung mit der Gestaltungsaufgabe und den Orten selbst fort. Entscheidend für die Jury war, die erklärte Zuversicht, dass selbst über den weiteren Planungsprozess und mögliche (ggf. notwendige) Änderungen die genuine Stärke des Konzepts und den so deutlichen Charakter nicht zur Unkenntlichkeit abschwächen würden. Auch die Flexibilität in bauwirtschaftlicher Hinsicht wurde gewürdigt und sieht sich die Jury hier in ihrer Absicht bestätigt, der Stadt Salzburg einen so engagierten und kompetenten Planungspartner gefunden zu haben.

Sowohl die Finesse der planerischen Anliegen als auch das reichhaltige Angebot an differenzierten Atmosphären, Details und Elementen unterstreichen insgesamt die gestalterische Haltung und den hohen Grad an planerischer Qualität. Die Jury wurde davon überzeugt, hier nicht nur das angemessenste Projekt, sondern insgesamt größte Potential und damit gleichfalls das Versprechen einer der Stadt Salzburg entsprechenden hochwertigen Umsetzung gefunden zu haben.

Mitglieder der Jury

  • DI Dominik Bueckers, Landschaftsarchitekt, Zürich
  • Mag. Kay-Michael Dankl, Bgm.-Stv., ressortzuständig für das Bauwesen
  • MMag.a Sonja Gasparin, Architektin, Faak am See
  • DI Florian Medicus, Architekt, Salzburg
  • Anna Schiester, MA, Stadträtin
  • DI Alexander Schrank, Baudirektor
  • DI Peter Wimmer, Architekt, Bregenz

Zum Sieger:innenbüro

Ravnikar Potokar arhitekturni biro d.o.o. wurde 2003 von Vojteh Ravnikar und Robert Potokar in Ljubljana gegründet. Das Büro arbeitet an Projekten von Architektur und Stadtplanung bis zur Gestaltung von Außenräumen und arbeitet mit zahlreichen externen Expert:innen und Partner:innen zusammen, um auch größere Projekte realisieren zu können. Das Team besteht aus 10 bis 12 Architekt:innen mit langjähriger Berufserfahrung und wurde bereits für zahlreiche Arbeiten national und international ausgezeichnet.

Zu den größeren Projekten, die das Büro realisiert hat, gehören verschiedene Schul- und Sporteinrichtungen in Slowenien: Grundschulen in Grosuplje, Kamnik und Litija, weiterführende medizinische Schule in Celje, Wirtschaftsschule in Bled, mehrere Sporthallen, das Kolezija-Schwimmbad in Ljubljana, Einrichtungen in Škocjanski zatok in Koper, Pflegeheime in Ljubljana und Idrija sowie städtische Außengebiete in Škofja Loka, Ajdovščina, in Postojna und Nova Gorica.

Robert Potokar ist Architekt und Leiter des Architekturbüros Ravnikar Potokar. Gemeinsam mit seinen Koautoren erhielt er 30 erste Preise in öffentlichen Wettbewerben und realisierte zahlreiche Projekte, für die er mehrfach ausgezeichnet wurde, darunter die Piranesi-Erwähnung 1996 und 1998, der Piranesi-Preis 2004 sowie der ZAPS Goldene Stift 2007, 2008, 2015, 2019 und 2021. Seit über 25 Jahren ist er Mitbegründer der mitteleuropäischen Architekturzeitschrift Piranesi und seit 2010 deren Chefredakteur. Ebenfalls seit 2010 ist er Gastdozent an der Universität Maribor, wo er 2015 zum Assistenzprofessor ernannt wurde.

Termine der letzten Jahre

Ausstellung
Die Ausstellung zur Begegnungszone Innenstadt läuft bis 30.6.2023.

Im Anschluss an den Bau des Kreisverkehrs Franz-Josef-Kai - Museumsplatz wurde ein Beteiligungsprozess zur Neugestaltung des Innenstadtkorridors zwischen Herbert-von-Karajan-Platz und Museumsplatz gestartet.

Die Planungsschritte wurden von 20. bis 30. Juni 2023 in einer Ausstellung im Foyer des Hauses der Natur präsentiert.

 

 

Hohes Engagement und viele Ideen bei der ersten Beteiligungsveranstaltung am Montag, 14.03.2022
Mitreden bei der Neugestaltung "Begegnungszone Innenstadt"

Knapp 90 Interessierte – Bewohner:innen, Geschäftsleute und Gastronom:innen und interessierte Salzburger:innen – sind der Einladung zum Mitreden über die Neugestaltung und Aufwertung des Gebiets zwischen Karajan-Platz und dem neuen Kreisverkehr am Franz-Josef-Kai gefolgt.

Nach kurzen Fachreferaten zur bauhistorischen Entwicklung dieses Stadtraums und zu grundsätzlichen Möglichkeiten aus stadt- und freiraumplanerischer Sicht fanden moderierte Workshops in kleinen Gruppen statt, die sich um folgende zentralen Fragen drehten:

Welche Qualitäten soll dieser Stadtraum zukünftig haben?
Welche Funktionen und Nutzungen sollen hier zukünftig möglich sein – und welche nicht?
Welche Ausstattung braucht es dafür?
Und was ist sonst noch wichtig?

Sämtliche Vorschläge und Ideen aus den neun Arbeitsgruppen wurden schriftlich festgehalten, werden nun geordnet und aufbereitet und dienen der Stadtplanung und den zugeladenen Expert:innen als Basis für die Ausarbeitung von möglichen Maßnahmen.

Diese Vorschläge werden bei einer zweiten Beteiligungsveranstaltung am 9. Mai präsentiert und nochmals zur Diskussion stehen. Die Rückmeldungen sollen dann in die weitere Entwicklung der Konzeption durch die Stadtplanung aufgenommen werden.