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#88gegenrechts! – Salzburg steht gegen Rechtsextreme auf

Prominente Initiative setzt deutliches Signal – Mitmachen erwünscht
 
Mo, 26. Jänner 2015

Zerstörte Denkmäler, geschändete Stolpersteine, Beschmierungen allerorten – die Stadt Salzburg und viele ihrer Prominenten (siehe beigefügte Liste) haben genug von den rechtsextremen Umtrieben, die sich zuletzt immer mehr häuften. Anlässlich „70 Jahre Befreiung KZ Auschwitz“ am 27. Jänner setzen Stadt und Zivilgesellschaft nun ein deutliches Signal.

Die Initiatorin Vizebürgermeisterin Anja Hagenauer sagt: „Mit unserer Initiative #88gegenrechts! wollen wir sensibilisieren, aufrütteln und zum Mitmachen bewegen. In der Menschenrechtsstadt Salzburg ist das notwendig! Unser Ziel ist eine große Welle der Solidarität. Denn wir sind alle miteinander verantwortlich, den Jungen eine offene, vielfältige und respektvolle Stadt Salzburg weiterzugeben. Extremismus hat hier keinen Platz.“

In einem ersten Schritt haben sich 88 Persönlichkeiten aus allen Bereichen der Gesellschaft zusammen gefunden, um ihre Ablehnung jeglichen Rechtsextremismus‘ klar und deutlich zum Ausdruck zu bringen. Auch viele SpitzenvertreterInnen aus Kultur, Wirtschaft, Bildung, Sport und Religionen unterstützen die Aktion #88gegenrechts!. Wobei mit 88 ganz bewusst eine Neonazi-Symbolik umgedeutet wird (achter Buchstabe im Alphabet ist das H; HH steht für Heil Hitler). „Wir wollen den Ewiggestrigen damit auch ihre Symbole wegnehmen. Unser Jugendbüro hat dazu ein sehr gelungenes Sujet entwickelt“, so Hagenauer.

Bürgermeister Heinz Schaden: „Was passiert ist, ist uns alle in Mark und Bein gefahren. Mir tut jeder einzelne Vorfall weh. Heute aber bin ich stolz auf das geschmiedete Bündnis gegen diese widerlichen Schandtaten. Im gesamten Stadtratskollegium passt da, bei allen sonstigen inhaltlichen Differenzen, kein Blatt Papier zwischen uns. Die Aktion findet quer durch die Gesellschaft breite Unterstützung. Die Stadt Salzburg braucht das. Wir halten dagegen. Und stehen gemeinsam gegen den Ungeist auf.“

Schriftsteller Karl-Markus Gauß sagt: „Ich unterstütze diese Aktion, weil ich Dummheit nicht für harmlos halte. Die rechtsradikalen Halbstarken, die Salzburg zu ihrem Revier zu machen versuchen und den öffentlichen Raum als Deponie für ihre Naziparolen betrachten, sind zwar dumm, aber nicht harmlos. Unverantwortlich wäre es, sich mit ihnen abzufinden und nichts zu tun, als angewidert den Kopf zu schütteln.“

Inga Horny, Geschäftsführerin Tourismusverband Salzburger Altstadt, betont: „Es ist mir ein Anliegen gegen Rechts aufzutreten, um die ausgewogene Mitte unserer Gesellschaft zu verteidigen. Sowohl rechte als auch linke radikale Ränder gefährden den sozialen Frieden. Wir müssen zusammenrücken und unsere Werte von Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit schützen. Wehret den Anfängen – wir haben aus der Geschichte gelernt.“

Graffiti-Künstlerin Tamara Volgger erklärt: „In meiner mehrjährigen Erfahrung in der Jugendarbeit konnte ich beobachten, dass Rechtsextremismus für einige junge Menschen eine Art Trend ist und sie sich bei den Neonazis als Subkultur auf Grund der Zusammengehörigkeit wohlfühlen. Als Künstlerin will ich nicht nur Jugendliche, sondern die gesamte Gesellschaft auf dieses Problem aufmerksam machen und mit einem kreativen Werk an einer der legalen Graffitiwände Salzburgs die Menschen zum Nachdenken anregen. Besonders als Graffitikünstlerin ist mir das Projekt ‚88 gegen rechts!‘ ein Anliegen, da es immer wieder zu Vandalismus kommt und so rechtsextreme Symbole an Wände gesprüht werden, wovon sich die Salzburger Graffitiszene – die aus der Hip Hop Subkultur stammt und somit multikultureller und anti-rechtsextremer Gesinnung ist – klar abgrenzen will.“

Und Landestheater-Intendant Carl Philip von Maldegehem betont: „Im Theater bei uns arbeiten 300 Menschen aus 20 Nationen. Wir alle stehen ein für eine pluralistische, offene und tolerante Gesellschaft.“

Mitmachen in den sozialen Medien

Für #88gegenrechts! wurde eine eigene Facebook-Seite eingerichtet. Alle Erstunterstützer werden dort mit Foto und Statement gepostet. „Wir haben hier offene Türen eingerannt und wünschen uns natürlich, dass möglichst viele Menschen, Institutionen und Einrichtungen diesem Beispiel in den sozialen Medien folgen“, sagt Vizebürgermeisterin Anja Hagenauer. Das ist sowohl als Fan als auch mit so genannten Pic Badges fürs eigene Profilbild möglich. Auf Instagram und Twitter gibt’s den Hashtag #88gegenrechts.

Über das Jugendbüro der Stadt werden darüber hinaus Plakate, Buttons, Sticker und Postkarten verteilt, samt der Aufforderung, eigene Vorschläge und Antworten auf rechte Parolen einzuschicken. Die Materialien sind auch im Bürgerservice im Schloss Mirabell, in den Jugendzentren sowie den Bewohnerservice-Stellen in den Stadtteilen erhältlich. Gemeinsam mit dem BRG Akademiestraße ist ein digitaler Stadtplan mit eingezeichneten „braunen Flecken“ in Ausarbeitung. Weiters sind Straßen-Aktionen mit Jugendlichen in Vorbereitung.

Hagenauer: „Wir hoffen, mit unserer gemeinschaftlichen Aktion der noch schweigenden Mehrheit in Salzburg ähnlich wie in Frankreich oder Deutschland jenen Anschub zu geben, die Stimme zu erheben, das Gesicht zu zeigen – und so gesamtgesellschaftlich aufzustehen gegen eine ehrlose Gesinnung und daraus resultierende Untaten. Die beschmutzen alle Bürgerinnen und Bürger. Uns langt’s!“

Facebook #88gegenrechts!
Die 88 ErstunterstützerInnen
Chronologie der Schandtaten
Facebook-Beispiel: Alexandra Meißnitzer


www.stadt-salzburg.at
Starkes Zeichen gegen Rechts: Starkes Zeichen gegen Rechts:
© Honorarfreies Pressebild: Stadt Salzburg / Johannes Killer
Sprachen vor der Presse: Sprachen vor der Presse:
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"Nehmen Neonazis ihre Symbole weg": "Nehmen Neonazis ihre Symbole weg":
© Honorarfreies Pressebild: Stadt Salzburg / Johannes Killer
Stand: 27.1.2015, Karl Schupfer