36 Poller schützen ab Juni Weltkulturerbe „Salzburger Altstadt“
Wenn alles nach Plan läuft, werden ab Montag, 21. Juni 2010, ab 11 Uhr 36 Poller an 14 Einfahrten die Fußgänger-Zone FUZO im Weltkulturerbe „Altstadt Salzburg“ vor illegalem Autoverkehr und ebensolcher Verparkung schützen. Wie Zählungen ergaben, sorgen derzeit täglich mindestens 300 nichtberechtigte Kraftfahrzeuge dafür, dass die FUZO nur selten ihrem Namen gerecht wird. Die Polizei machte bei ihren Schwerpunktkontrollen immer öfters die Beobachtung, dass auch hohe Strafen bis zu 360 Euro bei zahlreichen Wiederholungstätern offensichtlich keine abschreckende Wirkung haben.
Bei einem Pressegespräch am Dienstag, 16. März 2010, erläuterten Bürgermeister Heinz Schaden und Stadtrat Johann Padutsch anlässlich des Beginns der konkreten Bauarbeiten nochmals ihr klares Eintreten für das Poller-System. „Jahrelange leidvolle Erfahrung hat gezeigt, dass mit reiner Überwachung dem Schwarzverkehr in der Altstadt nicht beizukommen ist“, meint Schaden, „deshalb bin ich für ein System, das sich weltweit bereits bewährt hat und die Schönheiten der Altstadt vor der Blechlawine schützt“.
Planungsstadtrat Johann Padutsch ergänzte, dass in langen Vorgesprächen mit allen Betroffenen die Logistik so ausgefeilt wurde, dass es keineswegs zu der von Kreisen der Wirtschaft befürchteten Abriegelung der Altstadt komme. Im Gegenteil: Für Autofahrer, die sich an die Verkehrsregeln halten, verbessere sich ab 21. Juni die Situation, weil die Ladezeiten von derzeit 10.30 Uhr auf elf Uhr ausgeweitet werden. Padutsch appelliert aber auch an die Wirtschaftstreibenden in der Altstadt, schon deutlich vor 10 Uhr für eine Anwesenheit in ihren Geschäften zu sorgen, damit Pakete und andere Lieferungen entgegengenommen werden können". Bisher hatten Lieferanten größte Schwierigkeiten mit der erlaubten Zeit für Ladetätigkeit auszukommen, weil viele Geschäfte erst ab 9.30 Uhr oder später besetzt waren.
Letzter Stand der Technik
Verantwortlich für die technische Umsetzung ist neben der Salzburg AG, welche die Poller installiert und mit Strom versorgt, die Firma Siemens. „Wir liefern neben der Hardware auch die Software, mit der man den Zugriff auf die Poller nach verschiedensten Gesichtspunkten steuern kann. Die versenkbaren Poller sind mit modernen Hydraulikanlagen ausgestattet und zentral steuerbar“, erklärt Wolfgang Schneider, Leiter der Niederlassung Salzburg, das System. Die Siemens-Lösung ist auf dem letzten Stand der Technik, basiert auf dem leistungsfähigen und flexiblen Zutrittskontrollsystem für höchste Sicherheitsanforderungen "SiPass integrated" und verfügt über verschiedenste Funktionen: Hydraulik zum Heben und Senken, Heizung zur Enteisung, Licht zur Beleuchtung, Ton für Warnsignale, Computer, Funk für Fernbedienungen, GSM zur Kommunikation mit dem Server. Die Verwaltung der Funkhandsender und Zufahrtscodes erfolgt über die zentrale Leitstelle in Client/Server-Technik. Die Datenverbindung mit den Pollerstandorten erfolgt über UMTS/HSDPA Router. Der Server hält die Verbindung zu den Außenstellen und sämtliche Daten werden in einer Datenbank erfasst. Der Startschuss für die Arbeiten erfolgte am Montag, 15.März 2010, am Mönchsberg mit jenem versenkbaren Poller unterhalb des Museums der Moderne, der die Zufahrt von Mülln regelt
Fernbedienungen gelten nur für bestimmte Poller
Das Poller-System – so Sachbearbeiter Christian Morgner vom Strassen- und Verkehrsrechtsamt des Magistrats Salzburg– funktioniere relativ simpel: Jeder der rund 2500 Inhaber einer Ausnahmegenehmigung (Bewohner, Hofzufahrten, Ladetätigkeiten, Pflege- und ärztliche Notdienste, Taxis, Fiaker etc.) erhält Mai/Juni eine seinem Bescheid entsprechende Fernbedienung, um die Poller außerhalb der Ladezeit versenken zu können. Das heißt, dass die Fernsteuerung nur an jenen Ein- und Ausfahrten funktioniert, die der Bewilligung zugeordnet sind. „Von den 2500 Ausnahmegenehmigungen sind nur 500 sozusagen sichtbar“, erläutert Morgner, „der große Rest verschwindet in den Privathöfen oder ist auf Durchfahrt wie die Taxis“. Die 2537 Ausnahmen teilen sich folgendermaßen auf: 716 Bewohner, 650 Taxis, 991 Hofzufahrten, 180 Lieferanten.
Bei den 14 Einfahrten in die rechte und linke Altstadt (siehe Plan) versinken bei zehn (Mozartplatz, Kaigasse, Getreidegasse, Universitätsplatz, Franziskaner Gasse, Dreifaltigkeitsgasse, Linzer Gasse, Rathausplatz, Nonnberggasse, Mönchsberg-Mülln) die Poller für Berechtigte auch außerhalb der Ladezeit, beim Hagenauerplatz bleiben die Poller außerhalb der Ladezeit oben, drei Ein- und Ausfahrten (Pfeifergasse, Klampferergasse, Zufahrt Mülln) sind fix gesperrt. Insgesamt werden 36 Poller installiert, davon 14 versenkbare.
Wer – aus welchen Gründen auch immer – sich mit seinem Fahrzeug nach elf Uhr ohne Genehmigung in der Fußgängerzone aufhält, dem bleibt nur noch der Weg zur Wachstube (derzeit Rathaus, ab Oktober 2010 Mozartplatz). Dort erhält man – neben einer Anzeige – einen einmaligen Ausfahrtscode, mit dem man die Altstadt wieder verlassen kann.
610.000 Euro Gesamtkosten
Die Gesamtkosten für das Projekt betragen 610.000 Euro. Unter vier Firmen ist Siemens mit knapp 260.000 Euro als Bestbieter hervorgegangen. Dieses Anbot umfasst Lieferung und Montage der Poller samt Hard- und Software und Rund-um-die Uhr-Wartung. Bei Problemen vor Ort ist Siemens innerhalb von zwei Stunden einsatzbereit. Dazu kommen nochmals 350.000 Euro für Grabungs-, Installations- und Anschlusskosten
100 Euro Strafe
Der Zeitplan bis zum 21. Juni sieht auch eine intensive Öffentlichkeitsarbeit mit Bürgerinformation im Republic (Dienstag, 4.Mai, 19 Uhr), Flyer und Postwürfen, zusätzliche Info bei der Ausgabe der Fernbedienungen und laufende Presse-Arbeit vor. Zudem gibt es bei den Haupteinfahrten in den ersten sieben Tagen nach Einführung des Poller-Systems persönliche Beratung und Hilfestellung durch Polizei und MitarbeiterInnen des Unternehmens Magistrat.
In der ersten Woche gewährt die Polizei auch eine „Gnadenfrist": wer sich bis 13 Uhr zwecks Ausfahrt bei der Polizei meldet, kann mit Verwarnung, aber ohne Strafe die FUZO verlassen. Nach sieben Tagen allerdings gelten dann die Strafen: 100 Euro im Einzelfall, bis zu 360 Euro im Wiederholungsfall.
Niedl, Stefanie (19365)


