Über 100 Einheimische und Zugezogene entdeckten Kollegienkirche

29.06.2015

„Miteinander entdecken“ lautete vergangenen Samstag wieder die Devise. Und mehr als 100 SalzburgerInnen und neu Zugezogene folgten der Einladung des Integrationsbüros der Stadt Salzburg und des Integrationsvereines IKUBIK in die Kollegienkirche. Christian Wallisch-Breitsching referierte über ihre Geschichte.

Das große Interesse am Barockjuwel wurde belohnt und die Erwartungen der interkulturellen SpaziergängerInnen bis zur letzten Minute erfüllt. Die Ausführungen des Hochschulseelsorgers waren informativ und spannend, fast so, als ob er jeden Tag der über dreihundertjährigen Geschichte der Kirche miterlebt hätte. Tatsächlich war es „nur“ die zehn Jahre dauernde und 13 Millionen Euro teure Generalsanierung, die unter seiner Generalaufsicht vollzogen und im Dezember 2013 abgeschlossen werden konnte.

Von Wallisch-Breitsching war unter anderem zu erfahren, dass die Kirche schon der Begründer der Salzburg Universität, Erzbischof Paris-Lodron, gerne hätte bauen lassen, es aber einem seiner Nachfolger vorbehalten blieb, den Bau in Auftrag zu geben. Erzbischof Johann Ernst von Thun gelang es, anhaltenden Widerständen zum Trotz, der Universität eine angemessene Kirche zu errichten.

Während das Gros der bedeutenden Bauten Salzburgs von damals von italienischen Architekten erbaut wurde, durfte in diesem Fall der deutschsprachige Johann Bernhard Fischer von Erlach anno 1696 zur Umsetzung seines Entwurfes schreiten. 1707 hatte die 1620 gegründete Salzburger Benediktineruniversität dann ihre eigene Kirche und der Architekt war nicht die einzige Besonderheit.

Viele Besonderheiten

Der Hauptaltar der Kollegienkirche zum Beispiel ist nicht wie bei den meisten anderen Kirchen der Altstadt nach Osten, sondern nach Süden ausgerichtet. Ihr Innenleben ist nicht von barocker Üppigkeit geprägt, sondern von klaren Strukturen und strahlend weißen Wänden. Sie ist nicht im Besitz der katholischen Kirche, sondern der Republik Österreich. In ihr werden weniger Messen gelesen, als der Kunst Heimat geboten. So war sie die erste überdachte Aufführungsstätte der Salzburger Festspiele, welche bis zur Gegenwart an ihr festhalten. Aktuell ist die TonRaumSkulptur „Kollegienkirche.Klangachsen“ zu erleben, die „die Besonderheit der Architektur mit der enormen vertikalen Dehnung des Raumes“ zum Thema hat.

Die Kollegienkirche (der Name kommt daher, dass die Kirche dem Kollegium der Universität diente) gibt auch Hinweis darauf, dass die Salzburger Universität von Anbeginn eine medizinische Fakultät mit eingeplant hatte. Ihre Kapellen sind nämlich den vier Fakultäten der Universität gewidmet: die Kapelle Katharina der Philosophie, jene nach Thomas von Aquin benannte der Theologie, die Ivo-Kapelle steht für die Rechtswissenschaften und die Lukaskapelle für die Medizin.

Im September geht’s ins Rathaus und den Chiemseehof

Auch nach Ende der Besichtigung waren offensichtlich bei allen TeilnehmerInnen die Sinne noch weit geöffnet und die Atmosphäre von Staunen, Freude und Dankbarkeit getragen. Christian Wallisch-Breitsching hatte viele Fragen zu beantworten. Die OrganisatorInnen, Vizebürgermeisterin Anja Hagenauer und Pavo Janjic-Baumgartner von IKUBIK sahen sich bestätigt, dass die interkulturellen Stadtspaziergänge große Beliebtheit sowohl bei Einheimischen wie bei den „Zuagroasten“ genießen.

Das nächste „Miteinander Entdecken“ gibt es am 28. September. Dann geht es ins Rathaus und den Chiemseehof. Nähere Informationen im Integrationsbüro der Stadt Salzburg, Tel. +43 662 8072-2296

Riesenandrang:
Riesenandrang:

Karl Schupfer