Bomben, Böller, Propaganda – der Aufstieg der Nazis in Salzburg

16.10.2009

Im Rahmen des Großprojektes „Die Stadt Salzburg im Nationalsozialismus“ erläuterte Oskar Dohle, Historiker vom Salzburger Landesarchiv, am Donnerstag, 15. Oktober 2009, vor mehr als 200 Interessierten in der TriBühne Lehen den Aufstieg der Nazis in Salzburg bis zum „Anschluß“ im Jahr 1938.

Hitler hielt 1920 eine erste Rede in Salzburg und zwar im Chiemseehof. 1921 zum „Führer“ geworden, verbot er beim Parteitag 1923 der NSDAP in Salzburg vorerst die Teilnahme an Wahlen. Überhaupt kennzeichnete die Nazi-Partei und ihre Anhänger eine ständige Radikalisierung, wie Dohle betonte. Das reichte von der Verächtlichmachung politischer Gegner, über Schlägereien und Schießereien bis hin zu Antisemitismus und versuchten Paketbomben-Attentaten gegen bekannte Salzburger Persönlichkeiten, darunter der Erzbischof, 1935.

Der erste „Braunhemden“-Parteitag fand am 3. August 1924 in der Mozartstadt statt, nachdem der aus Deutschland geflüchtete Freikorpsführer Gerhard Roßbach das Braunhemd als Teil der NSDAP-Uniform eingeführt hatte.

Nach dem gescheiterten „Hitler-Putsch“ in München war Salzburg Rückzugsgebiet für die Nationalsozialisten. Ab 1933 kam es zu Grenzzwischenfällen und Anschlägen, bis zum Höhepunkt im Juli 1934. Allein im Jänner dieses Jahres wurden 68 Anschläge und Terrorakte der Nazis gezählt. „Die etablierten politischen Strömungen standen der sich ständig radikalisierenden Massenbewegung hilflos gegenüber“, so Dohle.

Zwar wurden 30 Personen 1934 wegen Sprengstoffbesitzes zum Tode verurteilt (nicht vollstreckt) und das öffentliche „Heil-Hitler“-Rufen mit drei Wochen Arrest geahndet, doch das Abbrennen von Hakenkreuz-Höhenfeuern, Nazi-Schmieraktionen und das 1933 erstmals mit Flugzeugen aus Deutschland abgeworfene Propagandamaterial taten ein Übriges. Im Februar 1938 – noch vor dem „Anschluß“, bei offiziell 1.100 aktiven NSDAP-Leuten in der Stadt Salzburg – beteiligten sich 13.000 bis 19.000 NS-Sympathisanten an einem Fackelzug in der Innenstadt.
Am 11. März 1938 wurde Landeshauptmann Franz Rehrl abgesetzt. Gauleiter Anton Wintersteiger bemächtigte sich der Landesgeschäfte. Am 12. März 1938 marschierten, unter dem Jubel der Bevölkerung, die deutschen Truppen ein…

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Terminhinweise

Am Donnerstag, 29. Oktober, referiert der Leiter des Stadtarchivs, Peter F. Kramml, ab 19 Uhr in der TriBühne zum Thema: „Der ‚Anschluß’ – Eine Chronologie in Bildern und Dokumenten“

Am Freitag, 6. November, lädt das Komitee Stolpersteine zu einer Lesung mit dem weltbekannten KZ-Überlebenden Leopold Engleitner ab 19.30 Uhr in den Kapitelsaal.

Aufstieg der Nazis in Salzburg.
Aufstieg der Nazis in Salzburg.
Oskar Dohle vom Landesarchiv erläuterte vor 200 Interessierten in der TriBühne Lehen die Zeit bis 1938.

Schupfer, Karl, Mag. (12112)