Bewohnerservicestellen der Zukunft – vom Bewohnerservice zum Stadtteilzentrum

30.06.2026
Bewohnerservicestellen der Zukunft
PK Bewohnerservicestellen der Zukunft
Präsentieren die strategischen Leitlinien für die Weiterentwicklung der BWS v.l.: Andreas Zwettler, Koordinator BWS; Stadträtin Andrea Brandner; Abteilungsvorstand Soziales Patrick Pfeifenberger

Stadt Salzburg entwickelt ihre Bewohnerservicestellen zu modernen Stadtteilzentren weiter
 

Die Bewohnerservicestellen zählen seit fast vier Jahrzehnten zu den erfolgreichsten Einrichtungen der Stadt Salzburg. Was 1989 mit einem Modellversuch der Gemeinwesenarbeit in der Forellenwegsiedlung begann, ist heute ein flächendeckendes Netzwerk sozialer Infrastruktur mit acht Hauptstandorten und zwei Außenstellen.

Im Jahr 2025 wurden an den zehn Standorten insgesamt 99.718 Kontakte mit Bürgerinnen und Bürgern registriert. Davon entfielen 20.140 auf persönliche Beratungen und niederschwellige Hilfestellungen. Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter leisteten dabei 25.650 Arbeitsstunden direkt in den Stadtteilen.

Diese Zahlen zeigen eindrucksvoll, welchen Stellenwert die Bewohnerservicestellen heute für die Stadt Salzburg besitzen. Sie sind erste Anlaufstelle bei sozialen Fragen, unterstützen Menschen in schwierigen Lebenssituationen, fördern Nachbarschaft, organisieren Begegnungen und stärken den gesellschaftlichen Zusammenhalt unmittelbar vor Ort.

Mit dem nun vorliegenden Grundsatz-Amtsbericht wird erstmals eine langfristige Gesamtstrategie beschlossen, wie diese erfolgreiche Arbeit bis zum Jahr 2035 weiterentwickelt werden soll.

Die Anforderungen an die Stadtteile verändern sich. Die Bevölkerung wächst. Die Gesellschaft wird älter und vielfältiger. Gleichzeitig nehmen Einsamkeit, soziale Isolation und komplexe soziale Problemlagen zu. Digitalisierung, Klimawandel, steigende Wohnkosten und neue Formen des Zusammenlebens stellen Städte vor neue Herausforderungen. Diese Entwicklungen verlangen nach modernen Einrichtungen, die weit mehr leisten als klassische Beratung.

Die Stadt Salzburg verfolgt daher das Ziel, die bestehenden Bewohnerservicestellen zu lebendigen Stadtteilzentren weiterzuentwickeln.

Diese sollen künftig

  • soziale Beratung anbieten,
  • Orte der Begegnung schaffen,
  • kulturelle Angebote ermöglichen,
  • Nachbarschaft fördern,
  • Gesundheits- und Präventionsangebote bündeln,
  • Bildungsangebote bereitstellen,
  • ehrenamtliches Engagement unterstützen und
  • als zentrale Anlaufstelle direkt im Stadtteil wirken.

Stadtteilzentren – Häuser der Möglichkeiten

Die künftigen Stadtteilzentren orientieren sich am Leitbild eines modernen öffentlichen Treffpunkts.

Jedes Zentrum soll künftig drei Bereiche miteinander verbinden:

  • Beratung

Professionelle Sozialberatung, Information, Unterstützung und Vermittlung.

  • Begegnung

Offene, konsumfreie Treffpunkte für alle Generationen.

  • Beteiligung

Räume für Vereine, Initiativen, Kultur, Bildung und gemeinschaftliches Engagement.

Dadurch entstehen Orte, an denen unterschiedlichste Menschen zusammenkommen – unabhängig von Alter, Herkunft oder Lebenssituation.

Bereits mit dem Pilotprojekt im Seniorenwohnhaus Liefering wurde gezeigt, wie moderne Stadtteilzentren funktionieren können.

Durch die Integration der Bewohnerservicestelle entstanden:

  • großzügige Veranstaltungsräume,
  • Beratungsräume,
  • Begegnungsflächen,
  • kulturelle Nutzungsmöglichkeiten,
  • generationenübergreifende Angebote,
  • Synergien mit dem Seniorenwohnhaus,
  • gleichzeitig Einsparungen bei den Mietkosten.
  • Dieses Modell dient künftig als Vorbild für weitere Standorte.

Versorgungsanalyse zeigt Handlungsbedarf

Erstmals wurde das gesamte Stadtgebiet umfassend analysiert.

Die Untersuchung zeigt: Von zwölf definierten Versorgungsgebieten verfügen derzeit lediglich neun über eine eigene Bewohnerservicestelle.

Besonders hoher Handlungsbedarf besteht in

  • Maxglan,
  • Gnigl,
  • Taxham,
  • Schallmoos,
  • Salzburg Süd sowie
  • Aigen/Parsch.

Langfristig sollen sämtliche Stadtteile über gut erreichbare Stadtteilzentren verfügen. Gleichzeitig werden mobile Angebote ausgebaut, um auch weitläufige oder bisher unterversorgte Gebiete besser zu erreichen.

Neue Angebote für die Stadtteile

Die Stadtteilzentren werden künftig weit mehr bieten als klassische Beratung.

Geplant sind unter anderem:

  • kommunale Co-Working-Arbeitsplätze,
  • Bibliotheken der Dinge,
  • Repair-Cafés,
  • Lastenradverleih,
  • Klimaticket-Angebote,
  • Nachbarschaftsakademien,
  • Gesundheits- und Präventionsangebote,
  • kulturelle Veranstaltungen,
  • Ausstellungen,
  • Lesungen,
  • Workshops,
  • Fortbildungsangebote,
  • längere Öffnungszeiten bis 19 Uhr,
  • mobile Beratung direkt in Wohnquartieren.

Damit entstehen wohnortnahe Treffpunkte, die den Alltag vieler Menschen erleichtern.

Mobile Bewohnerservice-Arbeit wird ausgebaut

Nicht alle Menschen können eine Einrichtung selbst aufsuchen.

Deshalb wird die mobile Gemeinwesenarbeit deutlich erweitert.

Bereits heute zeigt das Projekt “MoMo – Mobiles Monitoring”, wie erfolgreich aufsuchende Sozialarbeit funktioniert.

2025 wurden dabei

  • 745 Bewohnerinnen und Bewohner,
  • in 21 Quartieren,
  • gemeinsam mit sechs Bewohnerservicestellen erreicht.

Künftig soll diese Form der mobilen Beratung fixer Bestandteil der Stadtteilzentren werden.

Gewaltprävention bleibt Schwerpunkt

Ein wesentlicher Bestandteil bleibt das Programm

StoP – Stadtteile ohne Partnergewalt.

Mittlerweile ist StoP an allen acht Hauptstandorten verankert.

Der Grundsatz-Amtsbericht sieht darüber hinaus den Aufbau einer eigenen zentralen Koordinationsstelle vor, um Prävention, Vernetzung und fachliche Begleitung weiter auszubauen.

Stadtteilzentren stärken den gesellschaftlichen Zusammenhalt

Mit den neuen Stadtteilzentren schafft die Stadt Salzburg keine zusätzlichen Verwaltungseinrichtungen.

Vielmehr entstehen Orte, an denen Beratung, Begegnung, Kultur, Bildung, Prävention und Nachbarschaft unter einem Dach zusammenfinden.

Sie leisten damit einen wichtigen Beitrag gegen Einsamkeit, stärken den sozialen Zusammenhalt und fördern das aktive Miteinander in den Stadtteilen.

Sozialstadträtin Andrea Brandner: „Die Bewohnerservicestellen sind seit fast 40 Jahren das soziale Rückgrat unserer Stadtteile. Tausende Menschen finden dort jedes Jahr unkompliziert Hilfe, Beratung und ein offenes Ohr. Mit der Weiterentwicklung zu Stadtteilzentren gehen wir nun den nächsten konsequenten Schritt. Unser Ziel ist es, in jedem Stadtteil Orte zu schaffen, an denen Menschen zusammenkommen, sich gegenseitig unterstützen und aktiv am Leben ihres Stadtteils teilnehmen können. Stadtteilzentren werden zu Häusern der Möglichkeiten – offen, niederschwellig und generationenübergreifend. Gerade in einer Zeit, in der Einsamkeit zunimmt und gesellschaftlicher Zusammenhalt wichtiger denn je ist, investieren wir bewusst in soziale Infrastruktur. Denn starke Nachbarschaften entstehen dort, wo Menschen einander begegnen können. Mit dieser Strategie schaffen wir die Grundlage dafür, dass die Stadt Salzburg auch in Zukunft eine soziale, solidarische und lebenswerte Stadt für alle bleibt.“

Patrick Pfeifenberger, Abteilungsvorstand MA3 Soziales:„Mit diesem Grundsatzbericht legen wir eine durchgängige sozialräumliche Versorgungsanalyse vor, die das gesamte Stadtgebiet erfasst und auf Basis fachlicher Grundlage ausweist, wo Standorte erforderlich sind, wo mobile Angebote greifen und wo Investitionen über das nächste Jahrzehnt sinnvoll gesetzt werden können. Damit überführen wir die Bewohnerservice-Arbeit von einer historisch gewachsenen Struktur in ein planungsorientiertes Versorgungssystem, ohne dabei den fachlichen Kern der Gemeinwesenarbeit zu verändern, der diese Einrichtungen seit fast vier Jahrzehnten erfolgreich macht. Für die MA 3 Soziales ist das ein wesentlicher Schritt, weil wir künftige Standort- und Personalentscheidungen nicht mehr anlassbezogen, sondern strategisch ableiten können.”

Andreas Zwettler, Koordinator der Bewohnerservicestellen: „Mit dem ersten echten Stadtteilzentrum in Liefering haben wir in den letzten Monaten sehen können, wie sich Bewohnerservice-Arbeit verändert, wenn Beratung, Begegnung und Beteiligung räumlich wirklich zusammengeführt sind. Menschen, die nie eine Bewohnerservicestelle aufgesucht hätten, kommen jetzt vorbei, treffen Nachbar:innen und nutzen die Angebote. Diese positiven Erfahrungen in Liefering bestätigen, was wir aus der Praxis seit Langem wissen: Sozialräumliche Arbeit im Stadtteil braucht mehr als ein Beratungsbüro: Es braucht Räume, die Menschen tatsächlich gerne aufsuchen und genau dieses Modell wollen wir mit dem vorliegenden Grundsatzbericht über das nächste Jahrzehnt schrittweise auf das gesamte Stadtgebiet ausweiten.

Weitere Informationen BWS

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