Wenn Pflege plötzlich ausfällt: Salzburg schafft kostenlosen Pflegenotdienst
Pflegenotdienst Salzburg Hilfe, wenn Pflege plötzlich fehlt.

Gut gelaunt bei der Präsentation des neuen Pflegenotdienstes der Stadt Salzburg: Patrick Pfeifenberger (Abteilungsvorstand Soziales), Christoph Baumgärtner (Amtsleiter Senioreneinrichtungen), Sozialstadträtin Andrea Brandner und Simone Ellinger (Projektbeauftragte, v. l.). Der neue Dienst soll ab Jänner 2027 rasche und kostenlose Hilfe bieten, wenn Pflege plötzlich ausfällt. Foto: Stadt:Salzburg / A. Killer
Salzburg schafft kostenlosen Pflegenotdienst
Was passiert, wenn pflegende Angehörige plötzlich ausfallen oder nach einem Krankenhausaufenthalt kurzfristig Hilfe benötigt wird?
Ab 1. Jänner 2027 soll ein neuer mobiler Pflegenotdienst rund um die Uhr helfen, wenn die Versorgung älterer Menschen kurzfristig nicht gesichert ist. Stadt Salzburg, Land Salzburg und Österreichische Gesundheitskasse (ÖGK) setzen gemeinsam auf ein dreijähriges Pilotprojekt.
Was passiert, wenn eine 82-jährige Salzburgerin zu Hause von ihrer Tochter gepflegt wird und diese plötzlich selbst ins Krankenhaus muss? Oder wenn ein älterer Mensch aus dem Spital entlassen wird, die notwendige Pflege zu Hause aber noch nicht organisiert ist?
Solche Situationen können Betroffene und Angehörige innerhalb weniger Stunden vor große Herausforderungen stellen. Genau hier setzt der neue Pflegenotdienst der Stadt Salzburg an: Er soll kurzfristige Versorgungslücken schließen, professionelle Hilfe ermöglichen und verhindern, dass Menschen allein aufgrund fehlender Pflege in eine Notlage geraten.
Das neue Angebot richtet sich grundsätzlich an Menschen ab 65 Jahren mit Hauptwohnsitz in der Stadt Salzburg. Je nach Auslastung kann in Abstimmung mit den Projektpartner:innen auch jüngeren Menschen geholfen werden. Der Pflegenotdienst soll ab 1. Jänner 2027 an sieben Tagen in der Woche rund um die Uhr zur Verfügung stehen und für Betroffene kostenlos sein.
„Niemand soll in einer Pflegenotsituation allein bleiben“
Die Pflege älterer Menschen zu Hause wird vielfach von Angehörigen, mobilen Pflegediensten und sozialen Einrichtungen getragen. Dieses System funktioniert im Alltag häufig gut. Schwierig wird es, wenn eine Betreuung unerwartet ausfällt oder kurzfristig zusätzlicher Pflegebedarf entsteht. Der Pflegenotdienst wird genau diese Lücke schließen. Er ist kein Ersatz für bestehende Angebote der Hauskrankenpflege oder für eine dauerhafte Betreuung, sondern eine zeitlich begrenzte Ergänzung in akuten Situationen.
Andrea Brandner, Stadträtin für Soziales: „Pflege ist für viele Familien eine tägliche Herausforderung. Besonders schwierig wird es, wenn plötzlich etwas Unvorhergesehenes passiert und die gewohnte Unterstützung ausfällt. Genau dann wollen wir als Stadt rasch und unkompliziert helfen. Niemand soll in Salzburg in einer akuten Pflegenotsituation allein bleiben. Mit dem neuen Pflegenotdienst schaffen wir mehr Sicherheit für ältere Menschen und eine wichtige Entlastung für ihre Angehörigen.“
Vier Situationen, in denen der Pflegenotdienst helfen soll
1. Wenn pflegende Angehörige plötzlich ausfallen
Muss eine pflegende Angehörige oder ein pflegender Angehöriger unerwartet ins Krankenhaus, kann die notwendige Unterstützung zu Hause kurzfristig nicht mehr gewährleistet sein. Der Pflegenotdienst soll die pflegerische Versorgung vorübergehend übernehmen. Ist längerfristige Hilfe nötig, wird die Seniorenberatung eingebunden, um die weitere Versorgung zu organisieren.
2. Wenn nach einem Krankenhausaufenthalt Pflege fehlt
Wenn nach einem Krankenhausaufenthalt die bereits organisierte Hauskrankenpflege oder 24-Stunden-Betreuung noch nicht unmittelbar übernehmen kann, soll der Pflegenotdienst die Zwischenzeit überbrücken. Beispiel: Eine Patientin wird am Freitag entlassen, die Hauskrankenpflege kann aber erst am darauffolgenden Mittwoch beginnen. Für diese Tage ist die Überbrückung vorgesehen.
3. Wenn Rettungsorganisationen mit pflegerischen Notlagen konfrontiert sind
Nicht jeder Hilferuf ist ein medizinischer Notfall. Manchmal steht ein akuter pflegerischer oder sozialer Unterstützungsbedarf im Vordergrund. Der Pflegenotdienst soll hier eine geeignete Ergänzung bieten und dadurch Rettungsdienste und Krankenanstalten entlasten. Vorgesehen ist eine enge Zusammenarbeit mit der Gesundheitsberatung 1450 und dem Rettungsnotruf 144; die konkreten Zuweisungswege sind noch abzustimmen.
4. Wenn der hausärztliche Notdienst kurzfristigen Pflegebedarf feststellt
Auch pflegerische Unterstützungsleistungen, die im Rahmen des hausärztlichen Notdienstes notwendig werden, sollen vorübergehend durch den Pflegenotdienst abgedeckt werden können.
Der Pflegenotdienst wird künftig über die Gesundheitshotline 1450 erreichbar sein, die als zentrale Anlaufstelle die Anfragen entgegennimmt und bei entsprechendem Bedarf an den Pflegenotdienst weiterleitet.
Wichtig: Medizinische Notfälle bleiben weiterhin Aufgabe der Rettungsdienste und des hausärztlichen Notdienstes. Der Pflegenotdienst ergänzt bestehende Versorgungsstrukturen, ersetzt aber weder die reguläre Hauskrankenpflege noch dauerhaft notwendige Betreuungsangebote.
Professionelles Team mit zehn Vollzeitäquivalenten
Für den neuen Dienst richtet die Stadt Salzburg eine eigenständige Organisationseinheit innerhalb der MA 3/04 – Senioreneinrichtungen ein. Der organisatorische Standort befindet sich im Haupthaus Hellbrunn.
Für den Betrieb sind insgesamt zehn Vollzeitäquivalente vorgesehen:
- 1 Vollzeitäquivalent für die Leitung
- 6 Vollzeitäquivalente für diplomierte Gesundheits- und Krankenpflegepersonen (DGKP)
- 3 Vollzeitäquivalente für Heimhilfe
Im Tagdienst ist eine diplomierte Gesundheits- und Krankenpflegeperson vorgesehen. In der Nacht erfolgt aus fachlichen und sicherheitsbezogenen Gründen eine Doppelbesetzung mit einer diplomierten Pflegeperson und einer Heimhilfe. Die Stadt setzt damit auf ein professionelles Team, das akute Situationen stabilisieren und die notwendige Überbrückung bis zur Übernahme durch reguläre Pflege- und Betreuungsangebote ermöglichen soll.
Eine wichtige Schnittstelle bildet die Seniorenberatung der Stadt Salzburg. Werden im Rahmen eines Einsatzes weitere soziale oder pflegerische Unterstützungsbedarfe festgestellt, erfolgt eine gezielte Weitervermittlung.
Gemeinsame Verantwortung von Stadt, Land und ÖGK
Der neue Pflegenotdienst ist ein gemeinsames Vorhaben der Stadt Salzburg, des Landes Salzburg und der Österreichischen Gesundheitskasse (ÖGK). Das Konzept wurde von der Stadt Salzburg entwickelt und mit den Partnern des Gesundheits- und Pflegesystems abgestimmt. Das Land Salzburg hat das Vorhaben im September 2026 als Maßnahme der Pflegeplattform III vorgestellt. Für die dreijährige Pilotphase 2027 bis 2029 ist eine gemeinsame Finanzierung vorgesehen.
Für 2027 sind rund 1,13 Millionen Euro an Personal-, Sach- und Betriebsaufwand kalkuliert. Land Salzburg und ÖGK sollen jeweils 300.000 Euro pro Jahr beitragen; der verbleibende Betrag wird von der Stadt Salzburg getragen. Die Finanzierung steht unter dem Vorbehalt der erforderlichen Beschlussfassungen.
Patrick Pfeifenberger, Abteilungsvorstand Soziales: „Mit dem Pflegenotdienst schließen wir eine konkrete Lücke zwischen der bestehenden mobilen Pflege, den Krankenhäusern und den Rettungsdiensten. Entscheidend ist, dass in akuten Situationen rasch professionelle Unterstützung möglich wird. Das gemeinsame Pilotprojekt von Stadt, Land und ÖGK bietet die Chance, dieses neue Versorgungsmodell in der Praxis zu erproben und langfristig weiterzuentwickeln.“
Drei Jahre Pilotbetrieb – Erfahrungen für die Zukunft nutzen
Der Pflegenotdienst geht auf Überlegungen zur Weiterentwicklung des Sozialzentrums Lehen zurück. Auf Grundlage eines Gemeinderatsbeschlusses vom 26. Februar 2024 wurde das Modell fachlich weiterentwickelt und mit den relevanten Partnerinstitutionen abgestimmt.
Die dreijährige Pilotphase soll zeigen, wie häufig und in welchen Situationen kurzfristige Hilfe bei der Pflege benötigt wird, welche Versorgungslücken damit tatsächlich geschlossen werden können und in welchem Ausmaß bestehende Einrichtungen entlastet werden.
Die Ergebnisse werden systematisch ausgewertet und sollen dem Gemeinderat im ersten Halbjahr 2029 vorgelegt werden. Auf dieser Grundlage wird über die Fortführung und mögliche Weiterentwicklung entschieden.
Der Pflegenotdienst auf einen Blick
| Start | Geplant ab 1. Jänner 2027 |
| Zielgruppe | Grundsätzlich Menschen ab 65 Jahren mit Hauptwohnsitz in der Stadt Salzburg; Ausnahmen nach unten je nach Auslastung und Abstimmung mit den Projektpartner:innen möglich |
| Leistung | Kurzfristige pflegerische Unterstützung bei akuten Versorgungslücken |
| Verfügbarkeit | Sieben Tage die Woche, rund um die Uhr |
| Kosten für Betroffene | Kostenlos, kein Selbstbehalt |
| Organisation | Stadt Salzburg, MA 3/04 – Senioreneinrichtungen |
| Standort | Haupthaus Hellbrunn |
| Personal | 10 Vollzeitäquivalente |
| Projektpartner:innen | Land Salzburg, ÖGK |
| Laufzeit | Pilotprojekt 2027–2029 |
| Budget 2027 | Rund 1,13 Millionen Euro, vorbehaltlich der erforderlichen Beschlüsse |
Finanzierung im Überblick
| Jahr | Personalkosten | Sach- und Betriebsaufwand | Gesamt | Beteiligung ÖGK | Beteiligung Land Salzburg |
| 2027 | 1.026.974 € | 100.000 € | 1.126.974 € | 300.000 € | 300.000€ |
| 2028 | 1.057.783 € | 100.000 € | 1.157.783 € | 300.000 € | 300.000€ |
| 2029 | 1.089.517 € | 100.000 € | 1.189.517 € | 300.000 € | 300.000€ |
| Gesamt | 3.174.274 € | 300.000 € | 3.474.274 € | 900.000 € | 900.000 € |
Beträge gerundet. Für 2028 und 2029 sind jeweils 100.000 Euro Sach- und Betriebsaufwand angesetzt. Die Beiträge von Land und ÖGK sind mit je 300.000 Euro jährlich vorgesehen; die Stadt trägt den verbleibenden Anteil. Die Finanzierung steht unter Beschlussvorbehalt.
Höfferer Jochen MA