Dr.-Josef-Klaus-Platz zu Ehren eines großen Bürgers der Stadt Salzburg
Seit Freitag, 30. Juli 2010, gibt es im Nahbereich der Kreuzung Nonntaler Hauptstraße / Fürstenallee den Dr.-Josef-Klaus-Platz. Dort, wo sich auf einer Grünfläche auch eine Mariensäule befindet, fand anlässlich des 100. Geburtstags von Dr. Josef Klaus, der am 15. August 2010 begangen wird, die feierliche Platzbenennung statt.
Am Festakt nahmen neben Bürgermeister Dr. Heinz Schaden, Landeshauptfrau Mag. Gabi Burgstaller, Vizebürgermeister DI Harry Preuner und LH-Stellvertreter Dr. Wilfried Haslauer auch zahlreiche weitere politische VertreterInnen von Stadt und Land teil. Besonders gerührt und geehrte zeigten sich die anwesenden Mitglieder der Familie Klaus, darunter Brigadier a.D. Michael Klaus, ein Sohn des Geehrten, seine Gattin Gesa, Enkelkinder samt Familien sowie alte Bekannte und Nachbarn der Familie Klaus, die bei diesem würdigen Anlass einander nach gut 50 Jahren am Dr.-Josef-Klaus-Platz erstmals wieder trafen und sich darüber sehr freuten.
Vor der gemeinsamen feierlichen Enthüllung der Tafel gaben Schaden, Haslauer und Burgstaller einen detaillierten Rückblick auf das Leben und Wirken des Salzburger Ehrenbürgers Dr. Josef Klaus, der sich als Landeshauptmann von Salzburg (1949–1961), Bundesminister für Finanzen (1961–1963) und Bundeskanzler der Republik Österreich (1964–1970) um die Stadt Salzburg und ihre Menschen sehr verdient gemacht hat. 1985 wurde ihm die Ehrenbürgerschaft der Stadt Salzburg verliehen.
Zur Vita
Josef Klaus wurde am 15. August 1910 in Mauthen, Kärnten, als Sohn eines Bäckermeisters und einer Bergbauerntochter geboren. Nach dem frühen Tod seines Vaters ermöglichte ihm seine Mutter unter großen Entbehrungen die Absolvierung des Gymnasiums in Klagenfurt und das Studium der Rechts- und Staatswissenschaften an der Universität Wien, das er 1934 mit der Promotion abschloss.
Noch im selben Jahre wurde er persönlicher Sekretär von Johann Staud, dem Präsidenten des neu geschaffenen ständestaatlichen Einheitsgewerkschaftsbundes. Zusammen mit dem Arbeitsrechtler Karl Kummer errichtete Klaus eine Werkschule für arbeitslose Gesellen und gründete mit Karl Rehor die Jugendbewegung „Junge Front“ im Arbeitsbund. 1936 wechselte Klaus in die Arbeiterkammer und heiratete die Halleiner Kaufmannstochter Erna Seywald, mit der er fünf Kinder hatte.
1939 trat Klaus zuerst eine Stelle in einer Holzhandlung an und wurde dann zum Militärdienst eingezogen. Während des Zweiten Weltkriegs war er im Kanzleidienst eingesetzt, gegen Kriegsende geriet Klaus in amerikanische Kriegsgefangenschaft. Nach seiner Freilassung arbeitete er 1945 als Rechtsanwaltsanwärter in einer Salzburger Kanzlei, 1948 ließ er sich in Hallein als selbständiger Rechtsanwalt nieder. In diesen drei Jahren engagierte sich Klaus vor allem in der Katholischen Aktion und übernahm die Leitung des Katholischen Bildungswerkes.
Im Jahr 1948 wurde er ÖVP-Bezirksobmann des Tennengaues und kandidierte als Spitzenkandidat seiner Partei für die Gemeinderatswahl in Hallein im Oktober 1949. Nachdem die ÖVP bei den Nationalrats- und Landtagswahlen die absolute Mandatsmehrheit verloren hatte, schlug Wirtschaftsbund-Obmann Michael Haslinger den noch weitgehend unbekannten Josef Klaus für die Funktion des Landeshauptmanns vor. Am 1. Dezember 1949 wurde Josef Klaus zum Salzburger Landeshauptmann gewählt.
Zu Beginn seiner zwölfjährigen Amtszeit, der „Ära Klaus“, setzte nach den harten und entbehrungsreichen Nachkriegsjahren ein langsamer, jedoch nachhaltiger Wirtschaftsaufschwung ein. Die Weihe des wieder aufgebauten Doms 1959 stand symbolisch für die Überwindung der Kriegsschäden.
Wohnbau und Ausbau der Infrastruktur
Die Silhouette der Stadt Salzburg prägten jedoch noch immer Barackensiedlungen, in denen 1950 noch rund 11.000 Menschen lebten. Klaus forcierte daher den Wohnbau und den Ausbau der Infrastruktur. Im Zuge der Aufbaupolitik wurden wichtige Landesgesetze wie z. B. das Wohnbauförderungsgesetz oder das Salzburger Raumordnungsgesetz beschlossen.
Die Infrastrukturmaßnahmen richteten sich vor allem auf den Ausbau der Elektrizitätswirtschaft – die Fertigstellung des Tauernkraftwerks Kaprun 1955 galt als Symbol des Wiederaufbaus Österreichs – und auf die Erweiterung wichtiger Verkehrsverbindungen in den Gebirgsregionen, wie z. B. der Salzachtal-Bundesstraße, der Gerlosstraße, der Gasteiner Straße, der Salzkammergut-Bundesstraße oder der Westautobahn.
Stark gemacht für den Neubau des Festspielhauses
Ein besonderes Anliegen war Klaus der Neubau des Festspielhauses nach den Plänen von Clemens Holzmeister, den er in Hinblick auf die mittel- und langfristige Entwicklung der Festspiele und des Festspieltourismus als notwendig erachtete. Mit der Erhebung des Mozarteums zur Musikakademie 1953, der Gründung der „Schule des Sehens“ durch den Maler Oskar Kokoschka, woraus später die Internationale Sommerakademie der Bildenden Künste hervorging, sowie die Wiedereröffnung der Residenzgalerie (1952) wurden auch im kulturellen Bereich bleibende Initiativen gesetzt. Darüber hinaus bereitete Klaus auch die Wiedererrichtung der Salzburger Universität vor. Am 5. Juli 1962 beschloss der Nationalrat die Wiedererrichtung der Universität Salzburg. Wenngleich die Gründung 1962 unter seinem Nachfolger Hans Lechner realisiert wurde, zählt er zu den maßgebenden Initiatoren der neuen Universität.
Am 16. April 1961 wurde Klaus, der sich über das Bundesland Salzburg hinaus den Ruf eines „Machers“ erworben hatte, zum Finanzminister im Kabinett von Bundeskanzler Alfons Gorbach ernannt. Auf eigenen Wunsch war er im Koalitionskabinett Gorbach II, das Ende März 1963 gebildet wurde, nicht mehr vertreten. Er zog sich nach Salzburg zurück, wo er nach wie vor die Funktion des ÖVP-Landesparteiobmanns ausübte. Im September 1963 wurde Klaus zum ÖVP-Bundesparteiobmann gewählt und in der Folge gab Bundeskanzler Gorbach das Kanzleramt an ihn ab.
Bundeskanzler Dr. Josf Klaus
Am 2. April 1964 wurde Dr. Klaus als Bundeskanzler der Koalitionsregierung mit der SPÖ angelobt. Bei den Nationalratswahlen 1966 erreichte die ÖVP erstmals seit 1945 wieder die absolute Mandatsmehrheit, die zugleich einen der größten politischen Erfolge für Klaus bedeutete. Die Regierung Klaus II reformierte den Budgetvollzug und suchte Kooperationen zwischen Wissenschaft, Kunst und Politik. Das Rundfunkgesetz (1966) wurde beschlossen, das Südtirol-Paket mit Italien ausverhandelt (1967) und erste Schritte zur Mitgliedschaft in der EWG gesetzt.
Bei den Nationalratswahlen am 1. März 1970 erreichte die SPÖ die relative Stimmenmehrheit. Josef Klaus gab den Parteivorsitz ab und schied am 25. Juni 1970 aus dem Nationalrat aus.
Im September 1971 erschien sein Buch „Macht und Ohnmacht in Österreich“, in den folgenden Jahren hielt er zahlreiche Vorträge und nahm auch an offiziellen Staatsakten teil. Nach seinem Rücktritt von der Politik lebte er mit seiner Frau lange Zeit in Italien, 1995 übersiedelte das Paar in ein Pensionistenheim in Wien-Döbling. Josef Klaus starb am 25. Juli 2001.
1985 wurde Josef Klaus aufgrund seiner besonderen Verdienste um die Landeshauptstadt Salzburg zu ihrem Ehrenbürger ernannt.
Strobl-Schilcher, Gabriele, Dr. (11399)


