Aussegnungshalle am Kommunalfriedhof: Sanierung schreitet voran
Historisches Gebäude wird modernisiert – mehr Barrierefreiheit und neue Räume für persönliche Verabschiedungen
Die Sanierung der Aussegnungshalle am Kommunalfriedhof macht Fortschritte. Beim Lokalaugenschein verschafften sich Christian Stadler, Andrea Brandner, Kay-Michael Dankl und Lukas Winner einen Überblick über den aktuellen Baufortschritt (v.l.n.r.).
Die Sanierung der mehr als 110 Jahre alten Aussegnungshalle am Kommunalfriedhof macht Fortschritte. In der zentralen Verabschiedungshalle sind die Arbeiten an den Wänden bereits abgeschlossen und die neu gestaltete Beleuchtung installiert. Die Ausstattung mit moderner Audio- und Videotechnik folgt in den nächsten Tagen. Auch die neue barrierefreie Zugangsrampe ist bereits fertiggestellt und mit Pflanzbeeten geschmückt. Im Nordflügel entstehen drei neue Familienverabschiedungsräume, die Angehörigen künftig einen persönlichen Abschied in geschützter Atmosphäre ermöglichen sollen.
Bei einem gemeinsamen Lokalaugenschein machten sich Bürgermeister-Stellvertreter Kay-Michael Dankl, Stadträtin Andrea Brandner, Hochbau-Amtsleiter und SIG-Geschäftsführer Lukas Winner und Stadtgärten-Leiter Christian Stadler ein Bild vom aktuellen Stand der Arbeiten.
„Die Aussegnungshalle ist ein wichtiger Ort für viele Salzburger Familien. Hier nehmen Menschen Abschied von ihren Angehörigen. Deshalb ist es wichtig, dass dieses historische Gebäude erhalten bleibt und gleichzeitig heutigen Anforderungen gerecht wird. Mit der Sanierung schaffen wir zeitgemäße Rahmenbedingungen für einen würdevollen Abschied“, betont Bürgermeister-Stellvertreter Kay-Michael Dankl.
Historische Bausubstanz und moderne Ausstattung
Die Aussegnungshalle wurde 1914 nach Plänen des Architekten Eduard Wiedemann eröffnet und steht unter Denkmalschutz. Das Gebäude besteht aus der zentralen Verabschiedungshalle sowie einem Nord- und einem Südflügel. Nach mehr als einem Jahrhundert Nutzung war eine umfassende Sanierung der inneren Gebäudesubstanz und der technischen Anlagen notwendig.
In der rund 250 Quadratmeter großen zentralen Verabschiedungshalle wurden die Wandbereiche saniert und die Raumakustik verbessert. Auch die eigens für dieses Projekt angefertigten Beleuchtungskörper tragen dazu bei, den Nachhall im historischen Raum zu verringern. Die neue Beleuchtung ist bereits installiert. Moderne Audio- und Videotechnik soll in den nächsten Tagen folgen. Damit können Verabschiedungen künftig neben Musik auch mit Videos individuell gestaltet werden.
Darüber hinaus wurde die Gebäudeelektrik vollständig saniert und weitere technische Einrichtungen wurden erneuert beziehungsweise eingebaut. Dazu gehören die Fluchtwegbeschilderung, die Brandmeldezentrale und die Lüftungsanlage für die neuen Verabschiedungsräume. Auch an der Heizungs- und Lüftungsanlage wurden Anpassungen vorgenommen. Noch ausständig ist das digitale Schließsystem.
Denkmalschutz und Barrierefreiheit
Besonderes Augenmerk liegt bei der Sanierung auf dem Erhalt der historischen Bausubstanz. Dazu gehören die restauratorische Untersuchung der Oberflächen sowie die Restaurierung der Holzoberflächen und Steinverkleidungen. Auch das historische Wandgemälde „Auferstehung“ wird restauriert. Diese Arbeiten sind derzeit noch im Gange.
Auch bei der Barrierefreiheit gibt es Fortschritte: Die neue Zugangsrampe samt Handlauf ist fertiggestellt. Eine barrierefreie Toilette im nahe gelegenen Nebengebäude steht den Besucher:innen bereits seit dem Frühjahr zur Verfügung.
„Die Herausforderung der Sanierung dieser einzigartigen historischen Aussegnungshalle lag vorrangig darin, behutsam mit der denkmalgeschützten Bausubstanz umzugehen und gleichzeitig den technischen und funktionalen Anforderungen einer modernen Verabschiedungshalle nachzukommen. Mein Dank richtet sich an alle Projektbeteiligten für die tolle und geschmackvolle Umsetzung dieser würdigen Stätte“, erklärt Hochbau-Amtsleiter und SIG-Geschäftsführer Lukas Winner.
Mehr Raum für einen persönlichen Abschied
Ein wichtiger Bestandteil der Sanierung ist die Neugestaltung des Nordflügels, also der linken Seite der Aussegnungshalle. Dort werden ehemalige Aufbahrungskojen in drei moderne Familienverabschiedungsräume umgebaut. Künftig sollen sie Angehörigen die Möglichkeit bieten, sich im kleinen Kreis und in einer geschützten, persönlichen Atmosphäre von Verstorbenen zu verabschieden – und das in einer individuellen Art und Weise und ohne Zeitdruck.
„Jeder Mensch trauert anders und jede Familie hat ihre eigenen Vorstellungen davon, wie sie Abschied nehmen möchte. Mit den neuen Familienverabschiedungsräumen schaffen wir zusätzliche Möglichkeiten, auf diese unterschiedlichen Bedürfnisse einzugehen. Gleichzeitig ist uns die Barrierefreiheit ein wichtiges Anliegen. Dazu gehören ein barrierefreier Zugang zur Aussegnungshalle und eine barrierefreie Toilette, damit auch Menschen mit eingeschränkter Mobilität die Räumlichkeiten möglichst selbstständig nutzen können. Gerade in schweren Momenten braucht es einen würdevollen Rahmen, in dem sich alle Angehörigen gut aufgehoben fühlen“, sagt Stadträtin Andrea Brandner.
Die neuen Familienverabschiedungsräume tragen auch den Veränderungen in der Bestattungskultur Rechnung. Während früher die traditionelle Aufbahrung im Mittelpunkt stand, wünschen sich Angehörige heute zunehmend individuell gestaltete Abschiedsfeiern und Möglichkeiten für einen persönlichen Abschied.
„Die Art, wie Menschen Abschied nehmen, hat sich in den vergangenen Jahrzehnten verändert. Neben den klassischen Trauerfeiern gibt es auch den Wunsch nach einem Abschied im kleinen Kreis. Mit den neuen Familienverabschiedungsräumen können wir künftig unterschiedliche Formen der Verabschiedung ermöglichen und besser auf die Wünsche der Angehörigen eingehen“, erklärt Christian Stadler, Leiter der Stadtgärten, zu denen auch die städtische Friedhofsverwaltung gehört.
Erste Bauetappe bereits abgeschlossen
Bereits 2022 und 2023 wurde der Südflügel der Aussegnungshalle umfassend saniert und an die heutigen Anforderungen angepasst. Dort wurden unter anderem moderne Sargkühlanlagen eingerichtet und ein Raum geschaffen, der auch für rituelle Waschungen nach muslimischem Glauben genutzt werden kann. Zusätzlich wurden die technischen Anlagen erneuert und eine Blackout-Sicherheit hergestellt.
Mit diesen Maßnahmen trägt die Stadt Salzburg auch den unterschiedlichen religiösen und kulturellen Bedürfnissen der Menschen Rechnung. Der Kommunalfriedhof ist als eine städtische Einrichtung ein interkonfessioneller Friedhof und steht für Menschen unterschiedlicher Glaubensrichtungen offen.
Fertigstellung und Kosten
Die Sanierungsarbeiten sollen bis Ende November 2026 abgeschlossen und abgenommen sein. Bereits im November ist eine eingeschränkte Nutzung der zentralen Verabschiedungshalle für einzelne Veranstaltungen vorgesehen. Ab Dezember soll die Halle wieder regulär genutzt werden können. Die drei neuen Familienverabschiedungsräume sollen ab Jänner 2027 zur Verfügung stehen. Zu Allerheiligen am 1. November ist die Aussegnungshalle trotz der noch laufenden Restarbeiten zugänglich.
Die aktuellen Projektkosten betragen rund 1,8 Millionen Euro.
Tobias Neugebauer