Kunst taucht auf – mitten im Graetzl: City Encounters 2026 startet in Salzburgs Stadtteile

Sechs ausgewählte Kunstprojekte bringen von Mitte Juli bis 20. September 2026 Performances, Workshops und Installationen direkt in die Grätzeln Salzburgs – kostenlos, unangekündigt und für alle.
20.05.2026
Von Foto- und Schreibworkshops über Tanz und Akrobatik-Shows: die City Encounters kommen zurück in die Stadt Salzburg.

Wie begegnet man einer Stadt, die man jeden Tag sieht? Vielleicht gerade dann, wenn man innehält. Wenn der Blick auf scheinbar Vertrautes weicher wird. Wenn Plätze, Wege und Parks plötzlich Geschichten erzählen, die bislang verborgen geblieben sind. 
Von 25. Juli bis 20. September 2026 lädt City Encounters – Begegne deiner Stadt! dazu ein, Salzburgs Stadtteile neu zu erleben. Nach der ersten Ausgabe im vergangenen Jahr kehrt die von der Stadt Salzburg gemeinsam mit INFLUX – Netzwerk für Tanz, Theater und Performance organisierte Reihe mit einem erweiterten Programm in den öffentlichen Raum zurück. Unter dem diesjährigen Motto „Hidden in Plain Sight – Vor aller Augen versteckt“ entstehen Begegnungen zwischen Kunst, Alltag und Stadtleben – offen, überraschend und für alle zugänglich.

Bürgermeister Bernhard Auinger freut sich über die vielfältigen Projekte: „City Encounters zeigt, wie vielfältig, lebendig und überraschend die Kultur in Salzburg ist. Wenn Kunst direkt in unseren Stadtteilen auftaucht, wird sichtbar, was diesen Kulturstandort ausmacht: Offenheit, Neugier und die Freude daran, gemeinsam Neues zu entdecken.“

Kuratiert von der in Salzburg lebenden Choreografin und Tänzerin Nayana Keshava Bhat versammelt City Encounters ausgewählte Künstler*innen – die sich auf die Ausschreibung der Stadt Salzburg beworben haben – unterschiedlichster Sparten, die den Stadtraum als Ort der Wahrnehmung und des gemeinsamen Erlebens begreifen. Tanz, Physical Theatre, Puppenspiel, Clowntheater, Live-Musik sowie Workshops zu Fotografie, Literatur und Skulptur treten aus klassischen Veranstaltungsorten hinaus in Parks, Plätze und Nachbarschaften der Stadt.
Die interaktive Performance „Between the lines“ der Compagnie Flying Elephant beschäftigt sich mit queerer Sichtbarkeit im öffentlichen Raum und lädt dazu ein, Zwischenräume neu wahrzunehmen. In „UNsichtbar: eine Leiden-schaft“ verbinden Anna Travaglia und Sonia Kouma Puppentheater, Tanz und Live-Musik zu einer poetischen Auseinandersetzung mit Manipulation und Kontrolle im häuslichen Umfeld. Das Kollektiv Stato Brado bringt mit „Pintxucat – landscapes of playfulness“ Clowntheater, Tanz und Akrobatik auf Spielplätze und in Parks – eine Einladung an Menschen zwischen 0 und 100 Jahren, die Welt mit spielerischer Offenheit zu betrachten.

Abteilungsvorständin Dagmar Aigner betont: „City Encounters bringt Kunst und Kultur direkt in die Stadtteile und zu den Menschen vorort. Wir wollen eine Tür zur Welt der Phantasie, der Kreativität und der künstlerischen Auseinandersetzung öffnen und laden alle ein, sich zu beteiligen. Die Kulturstrategie UNSA Salzburg lebt von einem offenen, breiten und zugänglichen Kulturbegriff. Dafür steht City Encounters.“

Auch partizipative Formate prägen das Programm. Im „Offenen Atelier im Park“ entsteht gemeinsam mit Felix Igler und Jasmin Hubmann ein mobiles Atelier unter freiem Himmel, in dem Besucher*innen Skulpturen aus Holz und Stein gestalten können. Der Workshop „Ich sehe was, was du nicht siehst“ vermittelt historische fotografische Techniken wie Blueprinting und Camera Obscura, während „Einfach schreiben“ mit Hanna Roth zum gemeinsamen Schreiben und poetischen Experimentieren einlädt.
Viele Projekte entstehen in Zusammenarbeit mit lokalen Einrichtungen, Stadtteilinitiativen und Bewohnerservicestellen. Alle Veranstaltungen sind kostenlos und finden an mehreren Orten in Salzburg statt. City Encounters schafft damit kulturelle Begegnungsräume außerhalb klassischer Bühnen und lädt dazu ein, die Stadt nicht als festen Rahmen, sondern als lebendigen, sich ständig wandelnden Organismus wahrzunehmen.
Denn manchmal liegt das Wesentliche direkt vor unseren Augen – verborgen im Alltäglichen, sichtbar erst durch Aufmerksamkeit, Bewegung und Begegnung.

Geplante Stadtteile: Itzling, Parsch, Liefering, Gnigl, Salzburg-Süd und Hellbrunn, Lehen, Schallmoos, Andräviertel und Nonntal.

Die ausgewählten Projekte

„Einfach schreiben“ (Hanna Roth) – Schreibworkshops
Die Poetin Hanna Roth lädt in zwei 90-minütigen After-Work-Schreibworkshops im öffentlichen Raum dazu ein, mit Sprache zu experimentieren. Inspiriert von Natur und Alltagsobjekten entstehen Texte – von Listen bis zum Bewusstseinsstrom. Der Abschluss verbindet Schreiben mit Poetry Slam, Musik und Tanz. Das Projekt hinterfragt elitäre Kunstbegriffe und betont den Mut zum persönlichen Ausdruck.

„Du siehst was, was ich nicht sehe?“ (Elisabeth Stiebritz, Helena Kalleitner, Pia Jakober, Katharina Wimmer) – Cyanotypie-Fotoworkshops
Ein Team aus vier Künstlerinnen bringt ein fotografisches Verfahren aus dem 19. Jahrhundert auf die Straße: Cyanotypie, auch bekannt als Blaudruck oder Solarfotografie. Mit lichtempfindlicher Lösung und der Kraft der Sonne entstehen direkt auf Papier Bilder – ohne komplizierte Technik. Passant:innen können spontan teilnehmen, eigene Motive einbringen und ihre fertigen Werke mitnehmen oder an einer Wäscheleine ausstellen.

„Pintxucat / Inner Child“ (Kollektiv Stato Brado: Nis Fee Brender, Júlia Auladell, Francesco D’Amelio) – Tanz, Akrobatik, Clown
Das Tanz-Akrobatik-Clown-Duo des Kollektivs Stato Brado bespielt drei Spielplätze in drei verschiedenen Stadtteilen. Das Projekt richtet sich an Kinder – und an das innere Kind aller. Im Mittelpunkt steht die Frage, auf wie viele Arten man eine Rutsche hinunterrutschen kann. Verspieltheit als Form des Lernens und der Widerstandsfähigkeit: Das Projekt lädt Erwachsene ein, das zurückzuentdecken, was Kinder noch wissen.

„Unsichtbar“ (Anna Travaglia, Niki Sofia Kouma, Ryuna Hwa Lee) – Puppenspiel, Tanz, Live-Musik
Was geschieht hinter verschlossenen Türen? „Unsichtbar“ thematisiert häusliche Gewalt und Kontrolle – verstößt im Alltag, doch vor aller Augen verborgen. Das Ensemble nutzt Puppenspiel, Tanz und Live-Musik, um Phasen von Manipulation, Unterwerfung und Befreiung sichtbar zu machen. Das Publikum wird eingeladen, aktiv eine Rolle zu übernehmen und im Anschluss zu reflektieren.
„Offenes Atelier im Park“ (Felix Igler, Jasmin Hubmann) – Mobile Kunst- und Kulturstation
Das mobile Atelier „MoKuBa“ (Mobile Kunst und Kultur Basis) macht an drei Salzburger Parkstandorten Station: im Preuschenpark in Parsch, im Schlosspark Hellbrunn und im Volksgarten Parsch. Bewohner:innen werden zu einer künstlerischen Zeitreise eingeladen: Sie gravieren, brennen und formen Holz und Speckstein und entdecken dabei verborgene historische Schichten ihrer Nachbarschaft – von der römischen Geschichte bis zur Nachkriegszeit.

„Between the Lines“ (Flying Elephant) – Tanzperformance
Die Tanzperformance von Flying Elephant erkundet das Spannungsfeld zwischen Sichtbarkeit und Unsichtbarkeit, gesellschaftlicher Norm und gelebter Vielfalt. Nicht-binäre, gleichgeschlechtliche Tanzpaare arbeiten mit akrobatischem Partnering, Balance und körperlichem Dialog. Passant:innen werden eingeladen, selbst in Kontakt zu treten – und danach gemeinsam bei Kaffee und Kuchen ins Gespräch zu kommen.

Abschluss-Event am 20. September 2026 – ABZ Itzling

Alle sechs Projekte werden beim gemeinsamen Abschlussevent am 20. September 2026 beim ABZ Itzling in gekürzter Form zu erleben sein. Die Veranstaltung ist öffentlich und kostenlos.

City Encounters 2026 ist eine Initiative der Stadt Salzburg und wird aus den Fördermitteln der MA 2 – Kultur, Bildung und Wissen mit einem Gesamtbudget von 50.000 Euro finanziert. Die künstlerische Leitung und Kuratierung liegt bei Nayana Keshava Bhat, produziert wird das Programm von INFLUX – Netzwerk für Tanz, Theater und Performance. 

Lapuch Laura BA