Stadt Salzburg legt Fahrplan für fünf Straßenumbenennungen vor
NS-belastete Namen sollen schrittweise bis 2028 ersetzt werden – Bewohner:innen, Eigentümer:innen und Betriebe bereits vorab informiertFür fünf Straßen in der Stadt Salzburg liegen konkrete Vorschläge für neue Namen und einen gestaffelten Zeitplan vor. Der Kultur-, Altstadt-, Bildungs- und Sportausschuss befasst sich am Donnerstag, 23. Juli 2026, mit dem entsprechenden Amtsbericht. Der Amtsvorschlag sieht eine gemeinsame Beschlussfassung über alle fünf Umbenennungen vor. Umgesetzt werden sollen sie schrittweise zwischen Dezember 2026 und Juni 2028. Die endgültige Beschlussfassung durch den Gemeinderat ist nach der politischen Sommerpause vorgesehen.
Von den geplanten Umbenennungen sind 79 Objekte mit insgesamt 661 gemeldeten Personen und 44 Gewerbetreibenden betroffen. Zudem gibt es 283 Privateigentümer:innen sowie sechs Unternehmen, die Eigentum an Objekten in diesen Straßen haben. Sechs Objekte stehen im Eigentum der Stadt Salzburg.
Wissenschaftliche Aufarbeitung als Grundlage
Grundlage der geplanten Umbenennungen ist der 2021 vorgelegte Schlussbericht des Fachbeirats „Erläuterungen von Straßennamen“. Dieser untersuchte die Biografien von Personen, nach denen Straßen in der Stadt Salzburg benannt sind. Dabei standen ihr Handeln während der NS-Zeit und ihr Umgang mit der eigenen Vergangenheit nach 1945 im Mittelpunkt.
Der Fachbeirat ordnete 13 Personen der Kategorie 3 zu. Die Kategorie 3 steht für eine gravierende NS-Verstrickung und einen daraus folgenden politischen Diskussions- und Handlungsbedarf. Die Namensgeber der fünf nun behandelten Straßen wurden vom Fachbeirat einstimmig dieser Kategorie zugeordnet. Bei der darauffolgenden politischen Befassung im Gemeinderat im Jahr 2021 erhielten die Vorschläge zur Umbenennung dieser fünf Straßen die meisten Stimmen.
Das weitere Vorgehen baut auf den Erfahrungen mit der Umbenennung der Heinrich-Damisch-Straße in Helene-Thimig-Straße auf. Das Pilotprojekt wurde 2025 abteilungsübergreifend umgesetzt und anschließend evaluiert. Der daraus entwickelte Ablauf soll nun als Grundlage für die weiteren Änderungen dienen.
Bürgermeister Bernhard Auinger: „Straßennamen sind nicht nur Orientierungspunkte, sondern immer auch öffentliche Ehrungen. Wo die wissenschaftliche Aufarbeitung eine gravierende Verstrickung mit dem Nationalsozialismus belegt, dürfen wir nicht einfach zur Tagesordnung übergehen. Wir löschen die Geschichte damit nicht aus, sondern setzen uns sichtbar und verantwortungsvoll mit ihr auseinander. Gleichzeitig nehmen wir ernst, was die Änderungen für Bewohner:innen, Eigentümer:innen und Betriebe organisatorisch bedeuten. Deshalb informieren wir frühzeitig und begleiten die Umstellung verlässlich.“
Diese fünf Umbenennungen sind vorgesehen
- Josef-Thorak-Straße → Helene-von-Taussig-Straße
Umbenennung am 1. Dezember 2026 - Hans-Pfitzner-Straße → Anna-Reindl-Straße
Umbenennung am 1. Mai 2027 - Erich-Schenk-Straße → Elsa-Bienenfeld-Straße
Umbenennung am 1. Oktober 2027 - Resatzstraße → Irma-Rafaela-Toledo-Straße
Umbenennung am 1. März 2028 - Erich-Landgrebe-Straße → Maria-Johanna-Sedelmaier-Straße
Umbenennung am 1. Juni 2028
Frauen aus Kunst, Wissenschaft, Literatur und Widerstand werden sichtbar
Bei der Auswahl der neuen Namen wurden die vom Gemeinderat beschlossenen Grundsätze für Straßenbenennungen angewandt. Frauennamen sollen bevorzugt berücksichtigt werden, weil diese bei den Salzburger Straßen- und Platznamen bislang deutlich unterrepräsentiert sind. Bestehende thematische Zusammenhänge sollen gleichzeitig möglichst erhalten bleiben.
- Helene von Taussig war eine in Salzburg und Anif tätige Malerin jüdischer Herkunft. Sie wurde vom NS-Regime verfolgt, enteignet und nach Izbica deportiert, wo sie 1942 ermordet wurde.
- Anna Reindl leitete in Salzburg eine illegale kommunistische Frauengruppe, unterstützte Familien von Widerstandskämpfer:innen und verteilte Flugblätter gegen Krieg und Faschismus. Sie wurde 1942 nach Auschwitz deportiert und dort ermordet.
- Elsa Bienenfeld promovierte als erste Frau Österreichs im Fach Musikwissenschaft und berichtete mehrfach über das Salzburger Kulturleben. Als Jüdin wurde sie verfolgt und 1942 in Maly Trostinec ermordet.
- Irma Rafaela Toledo war eine jüdische Malerin, die die NS-Verfolgung überlebte und später in Salzburg künstlerisch tätig war.
- Maria Johanna Sedelmaier war eine Salzburger Schriftstellerin, Lyrikerin und Lehrerin und gilt als bedeutende österreichische Lyrikerin der Biedermeierzeit.
Dagmar Aigner, Abteilungsvorständin Kultur, Bildung und Wissen, erklärt: „Die vorgeschlagenen Namen folgen nachvollziehbaren fachlichen Grundsätzen. Frauen sollen im öffentlichen Raum stärker sichtbar werden, zugleich bleiben die bestehenden Bezüge zu Musik, Kunst und Literatur möglichst erhalten. Mehrere der neuen Straßennamen erinnern außerdem an Frauen, die vom NS-Regime verfolgt und ermordet wurden oder Widerstand geleistet haben. Durch die zeitlich gestaffelte Umsetzung können wir jede Änderung sorgfältig vorbereiten und alle, deren Adresse sich ändert, rechtzeitig über alle notwendigen Schritte informieren.“
Information über Zeitplan und weitere Schritte
Die Stadt hat die Bewohner:innen, Liegenschaftseigentümer:innen, Hausverwaltungen und Gewerbetreibenden in allen fünf Straßen bereits in den vergangenen Tagen und damit vor der politischen Beratung schriftlich informiert. In den Schreiben wurden die vorgeschlagenen Namen, der geplante zeitliche Ablauf sowie die weitere Vorgangsweise erläutert. Vorerst sind keine weiteren Schritte notwendig.
Weitere Informationen nach dem politischen Beschluss
Sollte der Gemeinderat den fünf vorgeschlagenen Umbenennungen zustimmen, werden diese zu den vorgesehenen Terminen umgesetzt. Die Betroffenen erhalten im Vorfeld jeweils ein weiteres, detailliertes Schreiben mit dem genauen Zeitplan, den notwendigen Schritten und Informationen zur organisatorischen Unterstützung.
Die administrative Abwicklung soll nach dem bei den bisherigen Straßenumbenennungen entwickelten Verfahren erfolgen. Die Stadt begleitet den Prozess abteilungsübergreifend und übernimmt nachweislich unvermeidbare Sachkosten, die unmittelbar durch die Umbenennung entstehen.
Tobias Neugebauer